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Fräulein Else

Bewertung und Kritik zu

FRÄULEIN ELSE – Volkstheater Wien / Münchner Kammerspiele

Premiere: 8. Februar 2025
Münchner Premiere: 2. April 2026
Frei nach Arthur Schnitzler
Von: Leonie Böhm, Julia Riedler
Konzept: Leonie Böhm, Julia Riedler
Regie: Leonie Böhm
Bühne und Kostüm: Belle Santos
Lichtdesign: Ines Wessely
Dramaturgie: Matthias Seier
Mit: Julia Riedler

Über die Inszenierung

Leonie Böhm und Julia Riedler entwickeln Schnitzlers berühmten Bewusstseinsstrom als zeitgenössisches Solo, das Machtmissbrauch, weibliche Selbstbestimmung und soziale Zwänge radikal ins Heute übersetzt. Die Inszenierung arbeitet mit direkter Ansprache, improvisatorischen Momenten und einer offenen, dialogischen Struktur, die das Publikum in Elses innere Konflikte hineinzieht. Die Novelle von 1924 wird so zu einem gegenwärtigen Kommentar über patriarchale Mechanismen und ökonomische Abhängigkeiten.

Böhm und Riedler verschieben den inneren Monolog in einen äußeren, performativen Raum: Else verhandelt ihr Dilemma live mit dem Publikum, wodurch Nähe, Scham, Humor und existenzielle Bedrohung unmittelbar erfahrbar werden. Die Inszenierung nutzt Humor, Verspieltheit und Spontaneität, um die Tragik der Figur nicht zu glätten, sondern scharf herauszuarbeiten.

Ensemble

  • Julia Riedler

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • ein präzise gearbeitetes Solo, das Schnitzlers Text in die Gegenwart überträgt
  • eine performative Öffnung des Bewusstseinsstroms hin zum Publikum
  • eine Inszenierung, die Machtmissbrauch, Doppelmoral und Körperpolitik scharf beleuchtet
  • eine klare ästhetische Linie zwischen Humor, Verletzlichkeit und analytischer Schärfe
  • eine herausragende schauspielerische Leistung von Julia Riedler, vielfach ausgezeichnet

Die Produktion untersucht, wie ökonomischer Druck, patriarchale Strukturen und soziale Erwartungen eine junge Frau in ein moralisches und körperliches Dilemma treiben – und wie sich dieses Jahrhundert später noch immer erschreckend aktuell anfühlt.

1 Kritik

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Auch wer nicht mitspielt, ist beteiligt
4 Stunden her.
Kritik

''Julia Riedler legt eine tolle Performance hin zwischen Empörung, Niedergeschlagenheit, Aufbäumen und einen Ausweg suchen. Immer dabei: die Zuschauer und Zuschauerinnen. Einige plädieren dafür, den Vater ins Gefängnis zu schicken. Nicht immer glückt die Improvisation. Bei einer Sammelaktion, um das Geld herbeizuschaffen, verlangt Riedler sehr hartnäckig die Kreditkarte und den Pin eines Zuschauers. Dem vergeht sichtlich der Spaß, und sie findet nicht mehr so ganz raus. Aber das ist in jeder Vorstellung anders, man kann gespannt sein, was beim nächsten Mal passiert.

Regisseurin Leonie Böhm und Schauspielerin Julia Riedler haben diese Schnitzler-Adaption gemeinsam entwickelt. Ihre Fräulein Else hatte im vergangenen Jahr am Wiener Volkstheater Premiere und wurde seitdem mehrfach ausgezeichnet. [...]

Nicht nur die vielen #MeToo-Fälle der vergangenen Zeit zeigen, wie aktuell das Stück ist. Und wie wichtig es ist, Machtmissbrauch zu sehen und ihn zu benennen. Im besten Fall entsteht dann so ein Gemeinschaftsgefühl, wie es im Zuschauerraum der Kammerspiele zu erleben war. Standing Ovations!'' schreibt Isabella Schmid am 13. April 2026 auf KULTURA-EXTRA

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