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WELTUNTERGANG

Bewertung und Kritik zu

WELTUNTERGANG ODER: DIE WELT STEHT AUF KEIN FALL MEHR LANG – Freigeister Theater

Regie: Christof Lange
Regieassistenz: Elias Koska

Besetzung

Sonne & Professor Guck: Janne Michaelis / Luca Lohan
Mond, 1. Journalistin, 1. Diplomatin, Predigerin, Wachfrau & Sekretärin: Marieke Evers / Leonie Kuba
Saturn, 2. Journalistin, 2. Diplomatin, Straßensängerin & Mr. Rockford: Kim Josephine Bonath / Thu Hang Tran
Mars, 3. Journalist, Englischer Beamter, Selbstmörder & Mr. Wood: Jannes Przywara / Jens Wegener
Venus, 4. Journalist, Französische Beamtin, Dame & Winnie Winston: Michelle Wündisch / Melina Zettl
Komet Konrad, Führer, Deutscher Beamter, Papagei & Journalist: Linus Heinrich / Edgar Siems

Über die Inszenierung

Die Produktion arbeitet mit einer dichten, überzeichneten und zugleich satirischen Form, die den Weltuntergang als groteskes, politisches und gesellschaftliches Panoptikum inszeniert. Christof Lange legt den Fokus auf rasche Rollenwechsel, körperliche Präzision und eine spielerische Überzeichnung, die die Absurdität der Situationen betont.

Das Doppel‑Ensemble übernimmt jeweils mehrere Figuren, wodurch ein permanenter Wechsel der Perspektiven entsteht. Die Inszenierung nutzt diese Multiplikation der Rollen als komödiantisches und zugleich kritisches Mittel, um Macht, Medien, Bürokratie und menschliche Ohnmacht zu spiegeln.

Die Regie arbeitet mit klaren choreografischen Strukturen, schnellen Szenenwechseln und einer Mischung aus Slapstick, politischer Satire und existenziellem Humor. Die Figuren erscheinen als überzeichnete Archetypen, die die Absurdität eines bevorstehenden Weltuntergangs sichtbar machen.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– starkes Doppel‑Ensemble mit multiplen Rollen
– satirische, überzeichnete Spielweise
– schnelle, choreografisch strukturierte Szenenwechsel
– groteske Mischung aus Politik, Bürokratie und Weltuntergang
– präzise komödiantische Figurenarbeit

„Weltuntergang oder: Die Welt steht auf kein Fall mehr lang“ wird zu einem rasanten, humorvollen und zugleich gesellschaftlich wachen Abend, der die Absurdität menschlicher Systeme im Angesicht des Untergangs offenlegt.

1 Kritik

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Der Weltuntergang von der Theatergruppe Bühnenschipper
11 Stunden her.
Kritik

Dieses großartige, prophethische Stück von Jura Soyfer aus dem Jahr 1936 habe ich in Rostock in einer Kunstschule wirklich erstaunlich gut gegeben gesehen, die Laien spielten es mit großer Überzeugungskraft und äußerst professionell. Es war am 5. Juli 2026, im Laien-Theater der Sarah Bansemer in der Jugendkunstschule Artus in Rostock Reutershagen. Ich erwartete nichts Besonderes, aber der Titel hatte mich neugierig gemacht. Ging es nicht um ein hochaktuelles Thema? Erst nachher las ich, dass der Autor es schon 1936 geschrieben hatte.

Zu Beginn sieht man die Planeten des Weltalls um die Sonne herum als Figuren zusammenkommen und beraten. Es sind Spielerinnen mit Planetenköpfen- und Bäuchen. Etwas stimmt mit der Erde nicht, „sie entzieht sich der Vollkommenheit der Schöpfung“. Etwas ist dissonant. Die Sonne bestellt den Mond, er soll Auskunft geben. Die Erde ist krank, sagt er, sie hat die Menschen! Die Planeten beraten, wie sie helfen können. Da spaziert ein Komet herein, er will zu einer von ihm heftig geliebten Sternschnuppe, deshalb hat er sich auf den Weg gemacht. Die Planeten und die Sonne sagen, er soll bitteschön einen kleinen Umweg machen und die Erde „ein bißchen anstupsen“, damit sie sich von den Menschen befreit und wieder gesundet. Der Komet mag nicht so recht, aber gut, wenn es nicht lange dauert…

Auf der Erde passiert danach Folgendes:

Ein Professor hat es berechnet und ist sich sicher: „Ein Komet rast auf die Erde zu!“ Er verlautbart der Menschheit ihr bevorstehendes Ende. Er besucht den Präsidenten: „In nur wenigen Tagen wird ein Komet auf der Erde einschlagen und diese vernichten“. Der Präsident nimmt ihn nicht ernst. Ab da folgt man ihm und seiner vergeblichen Odyssee, die er, erst durch die Behörden und schließlich durch die Länder der ganzen Welt antritt. Denn: Niemand will seine Warnungen anhören. Aber schlimmer noch, alle wollen Profit aus der Katastrophe herausholen. Denn die Leute kaufen mehr, wenn der Weltuntergang vor der Tür steht, sie konsumieren eifriger, sie verkaufen und kaufen neu und beleben die Wirtschaft und sein Interesse daran, dass die Menschheit überlebt, interessiert sie überhaupt nicht. Die Paralelen zu heute sind unübersehbar. Das Ensemble spielt mit großem Ernst, mit Leidenschaft und Galgenhumor. 1936 schrieb Jura Soyfer dieses Stück, das aktueller nicht sein könnte: Eine wissenschaftliche Erkenntnis hält der Menschheit ihre Handlungen vor. Man könne den Kometen noch „umlenken“, erklärt der Professor, aber keiner hört ihm zu, lächelnd wird er verabschiedet, stattdessen wendet sich das Interesse der Mächtigen den Aktienkursen, den Profiten und dem eigenen Wohl zu. Allerdings nimmt das Ganze ein unerwartetes Ende, das hier nicht veraten wird!

Abgesehen vom Inhalt, der erschreckend in unsere heutige Zeit passt, und hier sehr gut dramaturgisch verdichtet war, haben auch die Spielerinnen sehr überzeugt. Man merkte ihnen an, dass sie das Thema etwas anging, dass es sie berührte, was sie da spielten, dass es nicht nur „ein Spiel“ für sie war, sondern ihnen aus der Seele sprach und sie eine Botschaft transportieren wollten. Sarah Bansemer ist mit ihrem Ensemble ein wirklich großer Wurf gelungen!

Anja Röhl
https://anjaroehl.de/

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