Medea*

Bewertung und Kritik zu

MEDEA* 
nach Euripides
Regie: Leonie Böhm 
Premiere: 19. September 2020 
Schauspielhaus Zürich 

Eingeladen zum 58. Berliner Theatertreffen (2021) 

Zum Inhalt: «Ich gehe bis zum Äussersten», sagt Medea – und sucht dahinter eine Welt, in der auch sie gemeint ist. Wie Gerechtigkeit herstellen, wenn alles aus dem Lot ist? Leonie Böhm nimmt gemeinsam mit der Schauspielerin Maja Beckmann und dem Musiker Johannes Rieder den Mythos und führt ihn über die Tragödie hinaus. Medea* erzählt von Widerstand und Radikalität. Aber auch von dem Wunsch sich zu erholen, zu verwandeln – und über sich hinauszuwachsen.

Mit Maja Beckmann, Johannes Rieder

Inszenierung: Leonie Böhm
Bühne: Zahava Rodrigo
Kostüme: Magdalena Schön, Helen Stein
Musik: Johannes Rieder
Dramaturgie: Helena Eckert


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Leichtgewichtige Mythen-Überschreibung mit Improvisationen
  · 19.03.21
Einzelne Passagen aus der Euripides-Übersetzung werden zum Selbstbespiegelungs-Monolog einer Verzweifelten gesampelt, die sich in der letzten Szene unter Stiermaske in ihrer Ausweglosigkeit in die Ermordung ihrer Kinder hineinsteigert.

Der kurze Abend hat den Charme des Unfertigen, wirkt wie eine kleine Off-Theater-Produktion. Viele Passagen sind improvisiert, meist landet der Abend dann in seichten, albernen Gewässern.

Das ganze Konstrukt dieser „Medea*“-Überschreibung wirkt wie eine Fußnote zu differenzierteren Medea-Auseinandersetzungen wie z.B. von Christa Wolf. In den ernsteren Momenten ist diese Mythen-Auseinandersetzung nicht sonderlich originell, sondern bleibt im vertrauten Fahrwassser früherer Antiken-Überschreibungen. In ihren albernen Passagen ist der Abend deutlich zu leichtgewichtig, so dass die Entscheidung der Jury, „Medea*“ als eine der zehn bemerkenswerten Inszenierungen dieser Corona-Spielzeit zum Theatertreffen 2021 einzuladen, fragwürdig ist.

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