ZÜRICH



Bewertung und Kritik zu

Schwestern

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SCHWESTERN 
Monolog nach Drei Schwestern von Anton Tschechow
Regie: Leonie Böhm 
Online-Premiere: 15. April 2021 
Schauspielhaus Zürich 

Zum Inhalt: «Weg hier!» ist das Mantra von Tschechows «Drei Schwestern» und ihren Nächsten – und trotzdem geht am Ende des Stücks niemand. In «Schwestern», der neuen Zürcher Version, geht nun eine, raus aus allem. Regisseurin Leonie Böhm und Schauspieler Lukas Vögler entwerfen mit einer feinen Skizze, die das Ende des Stücks weiterdenkt, einen eindringlichen Monolog über das Aussteigen aus schalen Lebensentwürfen und die Zerstörungskraft, die unter der eigenen Passivität schlummert. Die Live-Kamera aus dem Pfauen wird zur intimen Zeugin einer Trennung. Doch dann schürt die eigene Verwundung das innere Feuer und wird zum Sprungbrett für eine neue Zukunft jenseits von fremden Rollenzuschreibungen und vorgeprägten Gefühlen, die wir uns manchmal umlegen wie Schnittmuster.

Einfach das Ende der Welt

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EINFACH DAS ENDE DER WELT
nach Jean-Luc Lagarce
Regie: Christopher Rüping 
Premiere: 3. Dezember 2020 
Schauspielhaus Zürich 

Eingeladen zum 58. Berliner Theatertreffen (2021) 

Zum Inhalt: Eigentlich sollte Einfach das Ende der Welt in der Regie von Christopher Rüping im Frühjahr 2020 am Schauspielhaus aufgeführt werden. Aber bevor es richtig losgehen konnte, war zwar nicht die ganze Welt einfach zu Ende, aber doch das alltägliche Leben und damit auch die Proben. Nun soll es also weitergehen.

Versammlung für einen Frosch

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VERSAMMLUNG FÜR EINEN FROSCH
Lesung mit Musik
Regie: Nicolas Stemann
Premiere: 14. November 2020 
Schauspielhaus Zürich

Zum Inhalt: Lord Corona hat es beschlossen: Dieses Jahr fallen nicht nur ein halbes Schuljahr, der Sommerurlaub, der Besuch von Oma und Opa sowie die Arbeit von Mama und Papa aus sondern nun auch noch das Weihnachtsstück. Kein König der Frösche, nicht dieses Jahr... Verloren versammeln sich die versprengten Märchenfiguren um ein Lagerfeuer im Märchenwald. Dort klagen sie ihr Leid, singen sie ein Lied (oder auch zwei oder fünf), spielen sich Lieblingsszenen aus vergangenen und zukünftigen Märchen vor und erzählen sich Geschichten über den Sinn und Unsinn des Lebens. Mit Gretel (von Hänsel und Gretel), dem Jäger(von Schneewittchen), dem König (von König und König) und Brex, dem bösen Hex (der zwar nicht schuld an allem ist, der aber die angespannte Lage ausnutzt, um fleissig «Hass, Missgunst, Zwietracht und solche Dinge» zu säen). Und natürlich mit einem Märchenonkel, der kein Märchenonkel mehr sein will und einem Aufpasser, der vergeblich darauf aufpasst, dass alles so ist «wie es sich gehört». Und wenn es die Zeit erlaubt, schaut Eberhart, der Bäderwart mit dem Weberbart auch nochmal vorbei.

Corona-Passionsspiele

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CORONA-PASSIONSSPIELE
Ein Distanzkonzert von Nicolas Stemann & Ensemble
Premiere: 15. Oktober 2020 
Schauspielhaus Zürich

Zum Inhalt: 14 Wochen Lockdown, 14 Songs = 1 Passionsspiel: Nach der Sommerpremiere im Juni performt Nicolas Stemann sein musikalisches Pandemie-Tagebuch zusammen mit einer Ensemble-Band im Herbst erneut in der Schiffbau-Halle. Die Corona Passionsspiele zeigen analog zu den Stationen des Kreuzweges von Jesus eine moderne Leidensgeschichte der Menschheit zu Zeiten von Corona auf: Isolation, Einsamkeit, Trennung der Generationen, Verletzlichkeit, Verschwörungen, Wut und Ungewissheit. Sechs neue Lieder hat Stemann für die Herbst-Ausgabe Vol. 2 komponiert.

Frühlings Erwachen

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FRÜHLINGS ERWACHEN
von Lucien Haug, nach Frank Wedekind
Regie: Suna Gürler
Premiere: 5. Oktober 2020 
Schauspielhaus Zürich

Zum Inhalt: Wenn Jugendliche und Erwachsene zusammen über Sex sprechen, heisst es schnell – Stopp! Denn: Sex gilt als gefährlich, noch immer. Frank Wedekinds Skandalstück Frühlings Erwachen wurde 1891 in Berlin zensiert, in Zürich jedoch publiziert. Frühlings Erwachen von Suna Gürler und Lucien Haug aus dem Jahre 2020 cancelt sich selbst: «Frühlings Erwachen ist abgesagt  – aber wir müssen reden.»

Medea*

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MEDEA* 
nach Euripides
Regie: Leonie Böhm 
Premiere: 19. September 2020 
Schauspielhaus Zürich 

Eingeladen zum 58. Berliner Theatertreffen (2021) 

Zum Inhalt: «Ich gehe bis zum Äussersten», sagt Medea – und sucht dahinter eine Welt, in der auch sie gemeint ist. Wie Gerechtigkeit herstellen, wenn alles aus dem Lot ist? Leonie Böhm nimmt gemeinsam mit der Schauspielerin Maja Beckmann und dem Musiker Johannes Rieder den Mythos und führt ihn über die Tragödie hinaus. Medea* erzählt von Widerstand und Radikalität. Aber auch von dem Wunsch sich zu erholen, zu verwandeln – und über sich hinauszuwachsen.

Zombie TV: To live and die with the virus

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ZOMBIE TV: TO LIVE AND DIE WITH THE VIRUS
von Bronfen, Weber, Rickenbach, Böhmer & Huber
Regie: Barbara Weber 
Premiere: 15. August 2020 
Zürcher Theater Spektakel

Zum Inhalt: Die Zürcher Regisseurin Barbara Weber, zuletzt 2016 mit der performativen Installation «The Making of Success» zu Gast auf der Landiwiese, und die Literatur- und Kulturwissenschafterin Elisabeth Bronfen hätten dieses Jahr am Theater Spektakel eigentlich ein TV-Format auf die Theaterbühne bringen wollen: eine «Late Night Lecture Show» über die Repräsentation und Inszenierung von Frauen in Machtpositionen. Doch dann kam das Virus, stellte das Bühnenformat infrage und brachte andere Themen ins Spiel. Ein knappes Semester Pandemieerfahrung inklusive medialem, politischem und gesellschaftlichem Durcheinander von Statistiken, Masken, Sicherheitsabständen, Contact-Tracer*innen, Reiseeinschränkungen und Selbstverantwortung später präsentierten sie ihr neu entwickeltes, mehrteiliges Projekt «Zombie TV». Den Netflix-Gewohnheiten entsprechend und coronaproof als Online-Stream, geht die Miniserie in sechs Folgen der Frage nach: Verwandelt die Pandemie uns alle in Untote? Werden wir zur tödlichen Bedrohung füreinander? Ausgangspunkt waren die kulturwissenschaftlichen Betrachtungen von Elisabeth Bronfen, die unter dem Titel «Angesteckt: Zeitgemässes über Pandemie und Kultur» demnächst im Echtzeit Verlag erscheinen.

Revue 2020 – Zurück ist die Zukunft

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REVUE 2020 – ZURÜCK IST DIE ZUKUNFT
ein filmisches Essay in 7 Kapiteln
Regie: Antje Schupp 
Premiere: 22.-27. Juni 2020 
Schauspielhaus Zürich

Zum Inhalt: Die Regisseurin und Festspielpreisträgerin Antje Schupp und der Filmemacher Gregor Brändli veröffentlichen ab Montag 22. Juni täglich eine neue Folge ihres musiktheatralen Filmessays. Das siebenteilige Werk entstand im Rahmen der Festspiele Zürich in Koproduktion mit dem Opernhaus Zürich und dem Schauspielhaus Zürich sowie zwei Zürcher Chören und hinterfragt unsere Gegenwart vor dem Hintergrund der 1920er Jahre. 

Das Projekt verbindet bissige Gegenwartsbefragung mit Chansons und der beschwingten Unterhaltungsmusik der 1920er Jahre und schlägt zugleich den Bogen zur Opernmusik. Der Dramaturgie der Revue stellt Antje Schupp spielerisch die Form des Requiems beiseite: In sieben Kapiteln von «Party oder Panik? (Introitus)» bis «Dies Irae (Agnus Dei)» und «Hoffnung (Lux Aeterna)» entwirft sie diese Totenmesse statt als «Tanz auf dem Vulkan» als Abrissparty und fragt: Dürfen wir hoffen oder müssen wir verzweifeln? Sollen wir feiern oder fliehen, hedonistisch oder solidarisch sein? So ist dieser Film teils Revue, teils Requiem, unterhaltsam und traurig, voller Chancen und voller Risiken zugleich. So wie auch die noch jungen 2020er Jahre. Der «Rausch des Jetzt» schlägt um in Weltuntergangsstimmung, aber auch in Hoffnung und Sehnsucht, besungen auf höchstem Niveau.


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