Einfach das Ende der Welt

Bewertung und Kritik zu

EINFACH DAS ENDE DER WELT
nach Jean-Luc Lagarce
Regie: Christopher Rüping 
Premiere: 3. Dezember 2020 
Schauspielhaus Zürich 

Eingeladen zum 58. Berliner Theatertreffen (2021) 

Zum Inhalt: Eigentlich sollte Einfach das Ende der Welt in der Regie von Christopher Rüping im Frühjahr 2020 am Schauspielhaus aufgeführt werden. Aber bevor es richtig losgehen konnte, war zwar nicht die ganze Welt einfach zu Ende, aber doch das alltägliche Leben und damit auch die Proben. Nun soll es also weitergehen.

Mit Maja Beckmann, Nils Kahnwald, Ulrike Krumbiegel, Benjamin Lillie, Wiebke Mollenhauer, Matze Pröllochs

Inszenierung: Christopher Rüping
Bühne: Jonathan Mertz
Kostüme: Lene Schwind
Musik: Matze Pröllochs
Licht: Frank Bittermann
Dramaturgie: Katinka Deecke, Malte Ubenauf


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Grandioses Schauspielteam
  · 14.05.21
''Es sind die Bilder aus der Vergangenheit, in die Benjamin mit uns eintaucht. Doch als er bei der Familie ankommt, ist es vorbei mit der Nostalgie – nackt ist die Bühne jetzt, die Abstände zwischen den Schauspieler*innen so riesig wie zwischen den Leben ihrer Figuren. Umsonst versucht Benjamin, seinen schroffen Bruder mit Erinnerungen zu erweichen.

Benjamin Lillie, der den verlorenen Sohn zwischen Verzweiflung, Trauer, Manie, Narzissmus und Selbstmitleid gibt, ist eine Wucht. Wiebke Mollenhauer, Maja Beckmann, Ulrike Krumbiegel und Nils Kahnwald steigen mit ihm ein in dieses seltsame, manchmal ins Nichts laufende Spiel zwischen sich in Szene setzen und gleich darauf beschämt sein für die eigenen Gefühle.

Manches an diesem Abend wirkt ausgestellter als nötig, manches allzu künstlich überhöht, vieles zu laut. Doch wie Rüping und sein grandioses Schauspielteam Lagarces Stück um den schwulen Außenseiter zu einem über Familie, Verantwortung und Selbstverwirklichung generell machen, das ist sehenswert.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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Wacklige Live-Stream-Bilder einer Konfrontation
  · 18.12.20
Mit einem schroffen „Tach“ lässt Nils Kahnwald Benjamin Lillie auflaufen. Kein Wort mehr als nötig, aggressiv-lauernd, auf Distanz bedacht, gibt er seinem Bruder keine Chance auf Versöhnung.
Auf die Eskalation zwischen diesen beiden steuert der Abend hin. Kahnwald hat viel von der bedrohlichen Aggressivität eines Vincent Cassel, der diese Rolle in der Dolan-Verfilmung hatte. Lillie wirkt aber deutlich agiler als der ätherisch-trauerumflorte Gaspard Ulliel, der bei jedem Blick spürbar werden ließ, dass hier ein Todkranker Abschied nimmt.

Es ist der Höhepunkt des Abends, als die beiden Brüder aneinander geraten und Kahnwald Lillie barsch zurückstößt und ihm die Umarmung verweigert. Nur noch schemenhaft tanzend sind die Figuren anschließend auf der Bühne wahrzunehmen, die ganz in Blutrot getaucht ist.

Problematisch ist allerdings die Regie-Entscheidung für den gestrigen Live-Stream: Christopher Rüping entschied sich dafür, auf das technische Equipment des Schauspielhauses Zürich zu verzichten und setzte fast ausschließlich eine Handkamera ein. Die wackligen Bilder geben der Inszenierung etwas Fahriges. Hektisch schwenkt die Kamera zwischen den Familienmitgliedern hin und her und geht dabei oft genug ins Leere. Die bewusste Entscheidung, die digitalen Möglichkeiten nicht zu nutzen und stattdessen den Urlaubs- und Heim-Video-Stil der 90er Jahre zu kopieren, macht das Zusehen anstrengend. Der Low-Budget-Charakter der Wackelbilder passt zwar zu manchen Szenen mit dem grobschlächtigen, aggressiven Bruder. Aber die Ausschließlichkeit, mit der dieses Mittel hier über den gesamten Abend eingesetzt wird, tut der Inszenierung nicht gut.

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