Ach, Sisi - Neunundneunzig Szenen



    Bewertung und Kritik zu

    ACH, SISI - NEUNUNDNEUNZIG SZENEN 
    von Rainald Grebe und Ensemble
    Regie: Rainald Grebe 
    Premiere: 12. Januar 2022 
    Volkstheater Wien

    Zum Inhalt: Sissi ist ein Heimatfilm. Sisi ist Romy Schneider, Sissis Gesicht ist das Gesicht von Romy Schneider, Sisi ist Habsburg und Habsburg ist Geschichte, aber die Hälfte der Österreicher*innen sind Royalist*innen. Sisi ist ein Porzellanservice, Sisi ist österreichisches Wahrzeichen wie Sachertorte und der Opernball. Sisi ist Sissi. Also das Original war ja ganz anders, die wahre Elisabeth hat mit Sissi nichts zu tun. Sisi hat sich als Lyrikerin überschätzt und ihrem Meister Heinrich Heine auf Korfu ein Denkmal gebaut. Waren Sie schon mal auf Korfu? Sisi war bescheiden wie Ludwig 2, Sisi war Österreich, war Ungarn, Sisi war, Sisi war war, nie war Sisi so aktuell wie heute blabla. Sisi war Influencerin, Sisi war Feministin, Sisis Taille war eine Wespe, Sisi war auf der Flucht. Und Sisi hat sich Koteletts aufs Gesicht gelegt. Für ihren Teint. Sisi hat ihr Ding gemacht, Sisis Ding war nicht Wien. Sisi war Antiroyalistin, und ermordet wurde sie von einem Anarchisten, Sisi war Anarchistin und wurde von einem Antiroyalisten ermordet, Sisi starb im selben Hotel wie Uwe Barschel – das ist für Piefkes eine Meldung wert! Sisi war Bayerin, also Südpiefkin. Sisi war ein Korsett, eine Totenmaske, Sisi war Modellathletin. Und sie ist ein Parfum, ein Kartenspiel, eine Praline, ein Fächer, ein Kühlschrankmagnet, eine Aufziehpuppe und eine Adelige – und der Adel gehört aufgehängt. Sisi ist ein Wahrzeichen, ein Mythos, ein Silbertablett.

    Mit Andreas Beck, Tilla Kratochwil, Anna Rieser, Uwe Schmieder, Christoph Schüchner, Anke Zillich, sowie Susanna Peterka, Balázs Várnai
    Musiker: Simon Frick, Florian Sighartner, Christopher Haritzer, Jens-Karsten Stoll

    Regie: Rainald Grebe
    Bühne: Jürgen Lier
    Kostüm: Kristina Böcher
    Komposition und Musikalische Leitung: Jens-karsten Stoll
    Tanz-workshop: Pia Brocza
    Video Art: Max Hammel
    Lightdesign: Julian Paget
    Sounddesign: Stefan Feheregyhazy
    Dramaturgie: Ulf Frötzschner

    TRAILER


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    2.0 von 5 Sterne
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    Ausufernde Nummernrevue
    10 months ago
    Kritik
    Zu einem bunten Strauß aus 99 Szenen haben Rainald Grebe und sein Ensemble ihre Kabarett-Nummern, Anekdoten und Songs zusammengebunden. Bemerkenswert sind dabei vor allem die Songs, die Jens-Karsten Stoll aus oft ungelenken Lyrik-Versuchen der unglücklichen Kaiserin komponierte, die sie zu ihren Lebzeiten nie veröffentlichte. Dank dieser Musical-Nummern, bei denen das Ensemble singt und live von Stoll und seinen Band-Kollegen Simon Frick und Christopher Haritzer, bekommt der Abend phasenweise fast ein wenig Struktur. Aber sobald ein roter Faden durchschimmert, bricht sich der Nummern-Revue-Charakter Bahn. Hübsche kleine Ideen lösen sich mit Durchhängern ab, der Abend flattert mal hier hin und dorthin. Er hätte das „Kill your darlings“-Prinzip beherzigen und aus der Fülle des Materials eine stringentere Auswahl treffen sollen: Anna Rieser und Christoph Schüchner kündigen in ihrem Intro aus der Balkon-Loge eine siebeneinhalbstündige „Lange Sisi-Nacht“ im Stil einer Radio-Show an. Mehr als einmal an diesem Abend schleicht sich das Gefühl ein, dass die Revue so gar kein Ende zu nehmen scheint, weil nach einer gefühlten Ewigkeit noch nicht mal die Hälfte der vom Inspizienten (Uwe Schmieder, wie Andreas Beck ein langjähriger Weggefährte von Voges aus Dortmunder Tagen) per Einblendung penibel mitgezählten, versprochenen 99 Szenen absolviert sind. In der Kürze läge die Würze dieser kabarettistischen Sisi-Revue. Weiterlesen
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    1 von 1 Person(en) gefiel diese Kritik

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