Der gute Mensch von Sezuan

Bewertung und Kritik zu

DER GUTE MENSCH VON SEZUAN
von Bertolt Brecht
Regie: Robert Gerloff 
Premiere: 12. Oktober 2019 
Volkstheater Wien
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Zum Inhalt: Die Götter gehorchen den irdischen Geschäftsregeln, bezahlen für ihr Nachtlager, und Shen Te legt sich mit ihrem Startkapital einen Tabakladen zu. Die Neo-Unternehmerin entdeckt ganz im Sinne der Götter ihre Freude an Charity-Aktionen, doch als sie geschäftlich in ihrer Rolle als friedfertige Frau immer mehr in Bedrängnis gerät, maskiert sie sich als ihr skrupelloser Cousin Shui Ta. Shen Te beginnt ein Spiel mit den Identitäten, mit dem Tabak, den sie verkauft, und dem Reis, den sie verschenkt, mit spendablen Verehrern und lästigen Nachbar/innen, mit dem Gut- und mit dem Vernünftig-Sein. Ihre Kreativität innerhalb des Systems wird von Erfolg gekrönt: Den florierenden Tabakladen baut Shen Te zu einem Tabakimperium aus. Doch dann lernt sie im Stadtpark den arbeitslosen Flieger Sun kennen. Der träumt vom Fliegen und braucht dafür ganz dringend Geld. Shen Te, die Liebende, bietet noch einmal all ihre Wohltätigkeit auf – und erleidet eine Bruchlandung. Daraus zieht sie die Konsequenzen, und schlussendlich fällen die Götter ihr Urteil …

Mit: Nils Hohenhövel (Der dritte Gott/Der Schreiner Lin To/Der Arbeitslose), Isabella Knöll (Frau/Nichte der achtköpfigen Familie/Teppichhändlerin), Steffi Krautz (Frau Yang/Die Hausbesitzerin Mi Tzü), Andreas Patton (Der erste Gott/Der Babier Shu Fu), Gertrud Roll (Die Witwe Shin), Claudia Sabitzer (Shen Te), Jan Thümer (Der zweite Gott/Yang Sun/Bruder der achtköpfigen Familie), Lukas Watzl (Wang, ein Wasserverkäufer/Mann der achtköpfigen Familie), Günther Wiederschwinger (Polizist/Großvater), Constanze Winkler (Neffe der achtköpfigen Familie/Teppichhändler/Kellner) sowie den Musikern Imre Lichtenberger-Bozoki, Raphael Meinhart und Oliver Stotz

Regie: Robert Gerloff
Bühne: Gabriela Neubauer
Kostüme: Johanna Hlawica
Musikalische Leitung: Imre Lichtenberger Bozoki
Dramaturgie: Veronika Maurer


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Aber etwas fehlt
  · 13.10.19
''Der Regisseur Robert Gerloff betont das Komödiantische des Stücks und setzt auf Tempo. Auf der Drehbühne kreist fast ununterbrochen ein von Gabriela Neubauer entworfener Pressspanturm mit einem Fotoporträt von Brecht, aus dessen Mund eine qualmende Zigarre ragt. Die Ensemblemitglieder, die fast alle mehrere Rollen bekleiden, spielen mal routinierter, mal ein wenig unbeholfen stilisiert, wie es das Genre und Brecht erfordern. Claudia Sabitzer springt als der gute Mensch Shen Te buchstäblich aus dem Spiel, um in einem grellen Spot das Publikum frontal anzusprechen. Dass alle graues Haar tragen – soll es etwa andeuten, dass Brecht ergraut sei? (...)

Insgesamt also eine brave Aufführung. Und doch, wieder mit Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny: „Aber etwas fehlt“. Was das ist, ruft die Erinnerung an Giorgio Strehlers Inszenierung mit Andrea Jonasson ins Gedächtnis. Es war der erotische Funken, der – Verfremdung hin, episches Theater her – über die Rampe sprang. Brecht wollte sein Stück mit Elisabeth Bergner inszenieren. Das kam leider nicht zustande. Eine versäumte Gelegenheit. Am Berliner Ensemble hat nach Brechts Tod Käthe Reichel die Rolle gespielt. Im Volkstheater muss das hysterische Gekreische des Premierenpublikums den Funken, die Bergner und die Reichel ersetzen.'' schreibt Thomas Rothschild am 13. Oktober 2019 auf KULTURA-EXTRA
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