Saul

Bewertung und Kritik zu

SAUL 
von Georg Friedrich Händel
Regie: Claus Guth 
Premiere: 16. März 2018 
Theater an der Wien

Zum Inhalt: Georg Friedrich Händel hatte seit 1711 das Londoner Musikleben mit seinen Opern italienischen Zuschnitts dominiert. Aber von Anfang an wurden Opern in englischer Sprache gefordert. Ende der 1730er Jahre wollte man in London keine italienische Oper mehr sehen. Der Komponist suchte nun nach Möglichkeiten, sein Publikum erneut zu fesseln und experimentierte ausführlicher mit dem englischsprachigen Oratorium. Mit Saul begann 1739 seine neue Karriere. Das Stück weist noch große Nähe zur Oper auf und ist ausgesprochen reich und originell instrumentiert: Händel hat, um König Davids Zeit (1000 v. Chr.) farbiger darstellen zu können, Instrumente vorgesehen, von denen man damals glaubte, dass sie zu Davids Zeit schon verwendet wurden, wie zum Beispiel Posaunen, viel Schlagwerk, dazu kam ein Carillon, ein über Tastatur zu spielendes Glockenspiel.

Der junge David hat König Saul einen großen Dienst erwiesen: Mit einem präzisen Steinwurf gelang es ihm, den Riesen Goliath zu töten. Zuerst ist Saul gegenüber David voll Dankbarkeit und will ihm seine Tochter Merab zur Frau geben. Sie verweigert jedoch die Heirat wegen Davids niederer Herkunft. Ihre Schwester Michal hingegen liebt David, auch er findet Gefallen an ihr. Allmählich bemerkt Saul, dass sein Volk und seine Umgebung David höher schätzen als ihn, und er beginnt zu überlegen, wie er den Rivalen wieder loswerden könnte. David hat Mühe, Sauls eifersüchtigen Mordanschlägen zu entgehen, außerdem will er einen Weg finden, Michal zur Frau nehmen zu können. Als es Saul immer wieder misslingt, David zu töten, sucht er wütend die Hexe von Endor auf, erfährt dort aber nur, dass sein Ende nahe bevorsteht. Als dies wirklich eintritt, wird David König und kann Michal heiraten. Alle preisen David.

Musikalische Leitung: Laurence Cummings
Inszenierung: Claus Guth
Ausstattung: Christian Schmidt
Choreografie: Ramses Sigl
Video: Arian Andiel
Licht: Bernd Purkrabek
Dramaturgie: Yvonne Gebauer


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Dinner for six
  · 13.05.21
''Guth inszeniert das alttestamentarisch Überprüfbare schlicht und ergreifend als 'ne eindringliche Eindringlingsgeschichte:

Kommt ein Jüngling so daher und sorgt für familiären Stress. Ein Vater mit zwei Töchtern, einem Sohn und einem angestellten Hausprediger sieht sich urplötzlich mit einem jugendlichen Impetus, sowohl in sexueller wie erbschleicherischer Richtung, sondergleichen konfrontiert, kurzum: er fürchtet um seine bis da unangefochtene Autorität. Nun gut (meint Guth), es kam und kommt, was kommen musste...

Alle, oder fast alle, begehren diesen Eindringling, und alle, oder fast alle, wollen auch mit ihm schlafen; und die unverhohl'nen Appetitsvorstellungen sind irgendwie total verständlich, wenn man Jake Arditti dann so sieht und hört.'' schreibt Andre Sokolowski am 9. Mai 2021 auf KULTURA-EXTRA
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