Egmont

Bewertung und Kritik zu

EGMONT
von Christian Jost
Regie: Keith Warner 
Premiere: 17. Februar 2020 
Theater an der Wien

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Zum Inhalt: Die spanischen Niederlande werden von Aufständen gegen die Herrschaft Philipps II. erschüttert. Die Menschen haben sich teilweise dem neuen protestantischen Glauben angeschlossen, sie fordern Religionsfreiheit und größere Selbständigkeit für ihr Land. Spaniens Statthalterin, Philipps Halbschwester Margarete von Parma, versucht immer wieder Kompromisse zu finden und das Land zu beruhigen. In ihr hoffen die niederländischen Adligen eine Verbündete für eine diplomatische Lösung zu haben. Vor allem Prinz Egmont von Gaure ist einer derjenigen, der mit ihrer Hilfe einen für die Niederlande und Spanien befriedigenden, gerechten Frieden aushandeln will. Er hofft, mit seiner Geliebten Clara dann endlich ein gemeinsames Leben beginnen zu können. Da Margarete von Egmont sehr angetan ist, erscheint es ihm durchaus möglich, die Politik beeinflussen zu können. Philipp II. wünscht aber den harten Kurs beizubehalten, mehr Eigenständigkeit der Niederlande und gar Religionsfreiheit kommen für ihn auf keinen Fall in Frage.Er selbst zeigt sich jedoch nicht in den  krisengeschüttelten Provinzen, sondern sendet den als gnadenlos bekannten Herzog von Alba zu seiner Schwester, er soll das Taktieren beenden und mit Waffengewalt Ruhe schaffen. Egmont mag nicht glauben, dass Philipp so unnachgiebig ist, er sieht die Quelle aller Brutalität nur in Alba, der König ließe gewiss mit sich reden, stünde man ihm persönlich gegenüber. Clara ist weniger idealistisch, sie rät dem Geliebten zur Flucht, was Egmont ablehnt. Er spürt keine Gefahr für sich, schließlich ist er Margaretes Schützling. Aber schnell wird klar, wie vergeblich dies ist: Alba lässt Margarete heimlich ermorden. Nun steht seiner Unbarmherzigkeit niemand mehr entgegen, und er nimmt den unvorsichtigen Egmont fest. In dieser Situation können der Gefangene und Clara nur noch auf Hilfe durch Albas Sohn Ferdinand hoffen, weil dieser sich von Egmonts Freiheitsideen fasziniert zeigt. Der junge Mann  muss sich nun entscheiden, ob er der Freiheit den Weg bahnen oder rücksichtslos die eigene Karriere durchsetzen will – wird er den Kreislauf von Unterdrückung und  Ausbeutung um des Machterhalts willen unterbrechen oder ihn nur weiter antreiben?

Musikalische Leitung: Michael Boer
Inszenierung: Keith Warner

Ausstattung: Ashley Martin-Davis
Licht: Wolfgang Göbbel
Choreografie: Ran Arthur Braun


 

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Katholischer Fundamentalismus
  · 20.02.20
''Jost komponiert weitgehend gemäßigt atonal, aber expressiv. Am Anfang stehen, vom unsichtbaren Arnold Schönberg Chor unter ihrem bewährten Leiter Erwin Ortner gesungen, Cluster, die an Ligeti erinnern. Stellenweise gibt es tonale Zitate. Wenn Macchiavell Margarete karessiert, ertönt aus dem Orchestergraben, wo Michael Boder das ORF Radio-Symphonieorchester Wien dirigiert, eine Phrase, die an Miles Davis' Sketches of Spain, also an Joaquin Rodrigo erinnert. Das Ensemble meistert die nicht einfache Partitur bravourös. Edgaras Montividas verleiht der Titelrolle eine fast lyrische Note. Wie Don Carlos ist er nicht wirklich ein Kämpfer. Seine Redlichkeit drängt ihn fast an den Rand des Geschehens. Ihm steht mit prächtiger Stimmfülle Bo Skovhus als Alba gegenüber. Den eigentlichen schmierigen Intriganten Macchiavell singt Károly Szemerédy. Die Frauenrollen sind mit Theresa Kronthaler in der Hosenrolle von Albas Sohn Ferdinand, Angelika Kirchschlager als Margarete von Parma und, prima inter pares, der fabelhaften Maria Bengtsson als Clara beglückend besetzt. Wer in erster Linie wegen der Sängerinnen und Sänger in die Oper geht, muss hier keine Abstriche machen. Egmont ist eine Auftragskomposition. Auch so kann man Beethoven ehren. Es müssen nicht immer alle neun Symphonien sein.'' schreibt Thomas Rothschild am 20. Februar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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