Koralli Korallo

Bewertung und Kritik zu

KORALLI KORALLO 
von Milena Michalek und Ensemble
Premiere: 14. September 2021 
Kosmos Theater Wien 
Berlin-Premiere: 9. Juni 2022
Deutsches Theater Berlin 

Berliner Autor:innentheatertage (2022) 

Zum Inhalt: Sie sind kompliziert und wunderschön. Korallen sind schwer zu vereinzeln, uralt und sie sterben, weil die Meere zu warm sind. Eine kleine Gruppe von Dichtern mit Rucksäckchen setzt sich gemeinsam in Bewegung. Ein Ausflug, ein kühnes Vorhaben, zerfallen sie dabei doch ständig. Ein Monument erweist sich als schillernder Friedhof ohne Infotafel. „Die Kombination aus dem steilen Abgrund links neben uns und deinen am Rücken gefalteten Armen kommt mir fahrlässig vor“, spricht Mensch. Und wie spricht Koralle? Vielleicht so: „Wir wissen nicht wo wer aufhört, wo wer anfängt.“
Wie kann man sich verwandt machen zwischen den Spezies? Wie trauern um den Verlust der Korallen? Was passiert, wenn wir Menschliches- und Natursterben eng miteinander verbunden sehen auf der Suche nach einer Sprache des Sterbens, in der es immer auch um eine Sprache des Lebendigen geht. Denn Sterben tun wir lebendig. Das ist ja die Krux.

Mit: Aline-Sarah Kunisch, Rahel Ohm, Christoph Radakovits, Daniel Wagner, Johanna Wolff

Regie: Milena Michalek
Ausstattung: Sina Manthey
Dramaturgie & Assistenz: Elena Höbarth
Mitarbeit Ausstattung: Luna Becker

TRAILER


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Skurril-mäandernd mit einigen starken Szenen
  · 11.06.22
Sehr lustig beginnt die Stückentwicklung „Koralli Korallo“, die Milena Michalek und ihr fünfköpfiges Ensemble zum Spielzeitauftakt im September 2021 auf der Off-Bühne Kosmos Theater Wien präsentierten.

Als Chor bauen sie sich vor dem Publikum auf und holen uns in der Situation ab, in der wir gerade sind: die einen erwartungsvoll, die anderen skeptisch, gemeinsam im Theater versammelt. Einen Schiller, also klassisch-bildungsbürgerlichen Stoff soll es geben, raunen die Spieler*innen. Aber: statt des Theaters steht nur noch ein schillerndes Korallenriff an dem vertrauten Ort.

Die restlichen 80 Minuten sind skurril-mäandernd, reißen viele Motive an, die selten verknüpft werden. Am besten gelingt dies in einer Szene kurz vor Schluss: Rahel Ohm spricht einen eindringlichen „Ihr sterbt mich“-Monolog, in der sie ihre Kritik an der Naturzerstörung der Korallenriffe und das Leiden einer pflegebdürftigen Frau, die an ihre Kinder appelliert, geschickt verknüpft.

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