Und alle Tiere rufen

Bewertung und Kritik zu

UND ALLE TIERE RUFEN: DIESER TITEL RETTET DIE WELT AUCH NICHT MEHR 
von Thomas Köck
Regie: Marie Bues 
Premiere: 28. August 2021 (Kunstfest Weimar) 
Deutsches Nationaltheater Weimar - E-Werk

Zum Inhalt: Die verschwundenen Tiere dieser Welt melden sich zu Wort. Es erklingt ein vielstimmiger Abgesang an die Fauna und die Menschheit: ein Requiem-Manifesto. Sie sprechen vom Aussterben und von Erinnerungen »an zukünfte, die noch überhaupt nicht existiert haben — erinnerungen an leben und existenzen, die nie werden gelebt worden sein«.
Das Manifest versucht, sich loszulösen von den tagesaktuellen Diskursen, vom bloßen Ist-Zustand, es versucht, das Wirtschaftssystem hinter sich zu lassen und wieder aufs große Ganze zu schauen — denn ist nicht auch die Menschheit nur eine Art auf dieser Welt? Thomas Köck, der zweifache Gewinner des MÜLHEIMER DRAMA­TIKERPREISES, reflektiert in seinem neuen Stück einen anderen Begriff von Zeit(lichkeit), von Verantwortlich­keit. Denn gerade europäische Kolonialinteressen waren wesentliche Faktoren in der Geschichte des Artensterbens.Vielleicht könnte die Frage wie wir eine Zukunft für Generationen nach uns gestalten zu einem anderen Umgang mit Ressourcen führen, als die bloße Orientierung am Hier und Jetzt. Oder steht die Erde letzten Endes besser da, wenn die Art Mensch auch ausgestorben sein wird?

Mit Astrid Meyerfeldt | Sarah Sophia Meyer | Nico Link | Janus Torp

Text — Thomas Köck
Regie — Marie Bues
Hörspielregie — Anouschka Trocker
Bühne — Frank Holldack Dramaturgie — Marlies Kink


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Anklage gegen eine über Leichen gehende Wirtschaftsordnung
  · 29.08.21
Thomas Köcks Anklage gegen die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die über Leichen geht, und das Artensterben lief heute als Koproduktion mit dem Kunstfest Weimar auch live auf DLF Kultur.

„Und alle Tiere rufen: dieser Titel rettet die Welt auch nicht mehr“ ist ein kleiner Zwischenruf in die hitzigen Debatten um „Extinction Rebellion“, die Mahnungen des Weltklimarats und das Weiter-So der GroKo, gegen das im Frühjahr selbst das Bundesverfassungsgericht Einspruch erhob. Er lebt von den Fantasienamen der Tiere, die in die Anklage ausgestorbener Tiere einstimmen, und vom Spiel mit gewagten Grammatik-Konstruktionen, die sich durch den stark verdichteten Text ziehen.

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