Reigen

Bewertung und Kritik zu

REIGEN 
nach Arthur Schnitzler
Regie: Yana Ross 
Premiere: 28. Juli 2022 
Salzburger Festspiele 
Koproduktion Schauspielhaus Zürich

Zum Inhalt: In Schnitzlers Reigen treffen prototypische Figuren der Wiener Gesellschaft in einem Kaleidoskop der Liebesweisen aufeinander, das quer durch Klassen, Geschlechter und Alter diejenigen im Geheimen verbindet, die in der öffentlich legitimierten Ordnung einer Gesellschaft nicht zusammenfinden können. Yana Ross ist unserem Zeitgeist auf der Spur, den heutigen Tabus und täuschenden Maskierungen und bringt die zehn Überschreibungen in einer polyphonen Inszenierung zusammen.

Mit Sibylle Canonica, Urs Peter Halter, Tabita Johannes, Michael Neuenschwander, Matthias Neukirch, Lena Schwarz, Yodit Tarikwa Inga Mashkarina, Valentin Novopolskij, Vladimir Serov

Regie: Yana Ross
Bühne: Márton Ágh
Kostüme: Marysol del Castillo
Musik: Knut Jensen
Video: Algirdas Gradauskas
Licht: Tamás Bányai
Dramaturgie: Laura Paetau


 

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Unbefriedigend
  · 07.08.22
''Nettes Geplauder beim Hochzeitstagsessen oder eine nicht ganz einfache lesbische Liebesbeziehung komplettieren den Reigen der Belanglosigkeiten. Nur der russische Autor Mikhail Durnenkov hat seine Episode nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine komplett neugeschrieben. Ein erwachsener Sohn aus Moskau telefoniert via Skype mit seiner Mutter in Tomsk. Die Szene wird als Video auf eine Lamellenjalousie projiziert. Erst macht die Mutter ihrem Sohn Vorwürfe wegen des schwulen Freunds und Paten seines Kindes, dann versucht sie seinen Unmut wegen des Kriegs zu zerstreuen, der für sie nur ein „militärische Spezialoperation“ ist. Der Sohn will mit seiner Familie Russland verlassen. Da bleibt viel unausgesprochen. Ein Beitrag, der ein eigenes Stück wert wäre.

Am Ende taucht die Glock vom Anfang wieder auf. Hier erfährt man, womit der Graf und Kunstmäzen aus der Szene zuvor sein Geld verdient. Er sucht neben Prostituierten nach seltenen Metallen auf fremden Kontinenten. Da tritt die Wirklichkeit in die Betriebsseligeit der Salzburger Festspiele. Es waren der Schweizer Autor Lukas Bärfuss und die Regisseurin Yana Ross, die das problematische Sponsoring der Festspiele offen kritisierten. Man hat sich in Salzburg auf den Druck hin von der Firma Solway als Sponsor getrennt. Das Schweizer Bergbauunternehmen zerstört in Guatemala nicht nur die Natur, sondern auch die Gesundheit der Arbeiter und Bevölkerung. Mit dem neu vorgelegten Regen wird dem Publikum aber nun weder politischer Aktionismus, noch Schnitzler, mit oder ohne Sex, oder zumindest ausreichend befriedigende Kunst geboten.'' schreibt Stefan Bock am 7. August 2022 auf KULTURA-EXTRA
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