Lohengrin

Bewertung und Kritik zu

LOHENGRIN 
von Richard Wagner
Regie: Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito 
Premiere: 9. April  2022 
Osterfestspielen Salzburg 

Zum Inhalt: Romantische Oper in drei Aufzügen.

Musikalische Leitung: Christian Thielemann
Inszenierung: Jossi Wieler, Anna Viebrock und Sergio Morabito
Ko-Bühnenbildner: Torsten Gerhard Köpf
Licht: Sebastian Alphons

Besetzung:
Heinrich der Vogler ... Hans-Peter König
Lohengrin ... Eric Cutler
Elsa von Brabant ... Jacquelyn Wagner
Friedrich von Telramund ... Martin Gantner
Ortrud ... Elena Pankratova
Der Heerrufer des Königs ... Markus Brück
Vier Brabantische Edle: Alexander Hüttner, Franz Supper, Simon Schnorr und Roland Faust Sächsischer Staatsopernchor Dresden
(Einstudierung: André Kellinghaus)
Bachchor Salzburg
(Einstudierung: Christiane Büttig)
Chor des Salzburger Landestheaters
(Einstudierung: Ines Kaun und Carl Philipp Fromherz)
Sächsische Staatskapelle Dresden


 

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Viel Klunker und wenig Hirn
  · 15.04.22
''Thielemann lässt die einzelnen musikalischen Phrasen immer wieder aus der Stille auftauchen. Nichts von einem auftrumpfenden Wagner, nur seltene Fortissimi. Manche Kritiker meinten, das geschehe aus Rücksicht auf die Sängerinnen. Woher wissen sie das so genau? Vielleicht wollte Thielemann das so. Selten waren Chor und Orchester so passgenau auf einander abgestimmt. Überhaupt der Chor – genauer, die drei Chöre: ihnen hat die Regie nicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt als den Solisten. Sie hält sie ständig in Bewegung und füllt, wie die Kulisse, die ganze Breite der Bühne. Lohengrin zeigt sich, nachdem er den Schwan verabschiedet hat, eher unheldisch in einer Andeutung einer Rüstung, bevor er sich mit Telramund einen Zweikampf liefert, der ohne Berührung auskommt. König Heinrich schaut unbewegt zu, ein Kriegsherr, der er ja der Story nach tatsächlich ist, im Militärmantel und ohne Krone.

Nach der Pause wähnt man sich in Marcel Carnés Quai des brumes. Alles steuert auf die berühmte Gralserzählung zu, die Eric Cutler wiederum wie von fern her antönt und zum Höhepunkt des Abends macht. Jacquelyn Wagner gibt neben ihm eine klangschöne, eher lyrische Elsa von Brabant, deren nicht sehr voluminöse Stimme kaum an den Namen des Komponisten und ihren eigenen Namen erinnert. Sie wird, wenn auch nicht vom Libretto, so doch gesanglich von Elena Pankratova als Ortrud ein wenig in den Schatten gestellt. Die kostet denn den Applaus am Ende auch voll aus. Welcher Russin ist das in diesen Tagen schon gegönnt. Obwohl sich die Anachronismen im Vergleich zu anderen Inszenierungen von Jossi Wieler – etwa zu Norma oder zu L’incoronazione di Poppea – in Grenzen hielten, äußerten zahlreiche ältere Herrschaften ihren Unmut. Dass ein großer Teil des Publikums die Chorleiter für das Regieteam hielt und ausbuhte – geschenkt. Dass es das Team, als es sich schließlich verneigte, erst recht ausbuhte: ein Offenbarungseid der kuchenfressenden Pelztiere. Salzburg ist tiefste Provinz. Viel Klunker und kein Hirn.'' schreibt Thomas Rothschild am 10. April 2022 auf KULTURA-EXTRA
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