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Bewertung und Kritik zu

UNTERLEUTEN  
nach dem Roman von Juli Zeh
Regie: Tobias Wellemeyer
Premiere: 19. Januar 2018 
Hans Otto Theater Potsdam 
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Berlin-Premiere: 28. April 2019 
Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater, Berlin 
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Zum Inhalt: Unterleuten, das liegt im Norden Brandenburgs; kaum hundert Kilometer von Berlin entfernt, dennoch auf einem andern Planeten. Unterleuten hat den Weltuntergang schon mehrmals erlebt: Bombenkrieg, Umsiedler, Mauer, Kollektivierung, Fall der Mauer, Treuhand. Die Bewohner haben gegen die Verhältnisse, die sie nicht ändern können, ihre Haltung entwickelt: Fatalismus. Sie halten sich den Staat vom Leibe und lösen Probleme auf ihre Weise. In Unterleuten sollen Windräder aufgestellt werden, viele. Die Pacht würde an die fließen, deren Flächen ausgewählt werden. Der Kampf entbrennt: Dörfler gegen Städter, Ossis gegen Wessis, die »Ökologica «, die frühere LPG, die das halbe Dorf ernährt, gegen Privateigentümer. Jedes Mittel ist erlaubt. Ein Dorf bewegt sich widerstrebend in die neue Zeit. Doch die ist nicht zu haben, solange das Vergangene nicht vergangen ist. Gombrowski, Chef der Ökologica, ist Sohn des Gutsbesitzers, den Kron in die LPG zwang mit Feuer und Knüppel. Die beiden sind erbitterte Widersacher seit einem halben Jahrhundert. Aber kann man gleichzeitig in verschiedenen Wirklichkeiten leben? Wer vergibt die Schuld von gestern? Wer steckt hinter dem Windpark-Deal von heute? Und wer hat in jener Gewitternacht 1991, mitten in der LPG-Umwandlung, das tödliche Verbrechen begangen, das das Dorf noch immer heimsucht? – Die alten Geister müssen endlich weichen, Gombrowski oder Kron, und das bedeutet Krieg im ganzen Dorf …

Regie: Tobias Wellemeyer
Bühne: Alexander Wolf
Kostüme: Ines Burisch
Dramaturgie: Ute Scharfenberg
Theaterpädagogik: Kerstin Kusch
Musik: Marc Eisenschink

Eine Produktion des Hans Otto Theaters, Potsdam

TRAILER


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Der Wald vor lauter Bäumen
  · 06.05.19
''Lautes Geschrei der Figuren und viel Sprechen zum Publikum hin sollen wohl während der Vorführung die suboptimale Akustik im Saal kaschieren. Die Figurenführung erscheint etwas beliebig und einfallslos. Insbesondere Dirk Schoedon in der Hauptrolle des Gombrowski spricht leider zu monoton und wenig akzentuiert. Auch Jule Fließ-Weiland wirkt als junge Mutter mit Baby im Arm recht blass und deplatziert, insbesondere da sie die ganze Zeit ein grünschillerndes, rückenfreies Abendkleid trägt, was in ihrer Rolle sehr unpassend erscheint. Vielleicht soll so jedoch auch angedeutet werden, dass sie schwärmerisch ökologisch ambitioniert ist. So erklärt sie bei einer Versammlung, dass den Vögeln die Seelen der Toten gehören. Auch Katrin Hauptmann zeigt viel nackte Haut, wenn sie die Linda Franzen als Vamp zeichnet. Es sind Highlights des Theaterabends, wenn Hauptmann in ihrer Rolle zweimal temporeich kleine Solo-Tanznummern vorführt. Nur leider passt diese Darstellung nicht wirklich zum Inhalt des vorgeführten Stückes, in dem Linda einen Pferdehof aufbauen möchte. Vieles ist nicht nachvollziehbar, etwa wenn sich Linda mit ihrem Freund Frederik über die Opfer der Loveparade in Duisburg streitet. Frederik behauptet auch, er habe „komische Gefühle“, wenn Linda versucht den Investor Meiler und den Vogelschützer Gerhard Fließ in Sicherheit zu wiegen, gleichzeitig aber doch ihren Vorteil aus einem Grundstückverkauf ziehen möchte. Sie kontert daraufhin, wie könne man „groß reden“ und „klein handeln“ und warum müsse ausgerechnet sie einen „Moral-TÜV“ bestehen. Das chaotische Personentableau scheint nicht nur hier mehr als nötig auf Boulevard gebürstet. 

Eine deutlich liebevollere, pointiertere und mit weniger Darstellern auch übersichtlichere Inszenierung von Juli Zehs voluminösen Roman zeigte 2017 das Theater Bonn in der Regie Jan Neumanns, mit der Wellemeyers Adaptation in keiner Weise mithalten kann.'' schreibt Ansgar Skoda am 6. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Mehr Tiefe wäre gut gewesen
  · 22.01.18
''Die Handlung ist komplex, die Dialogtexte wirken überfrachtet, das vom Regisseur geforderte Spieltempo ist hoch. Mit diesen Herausforderungen geht Jon-Kaare Koppe am besten um. Er spielt den ehemaligen LPG-Vorsitzenden Gombrowski  mit der Ruhe eines einsamen Westernhelden. Den Hass, der ihm im Dorf entgegenschlägt, lässt er einfach an sich abperlen. Sein Kontrahent Kron hingegen ist ein dauererregter Choleriker.

Christoph Hohmann spielt ihn mit so viel Druck, dass die Figur fast zur Karikatur wird. Und das trifft auch auf andere Darsteller zu: Man sieht, dass der Regisseur sie dazu angehalten hat, ihr Spiel zuzuspitzen. Mehr Tiefe wäre gut gewesen.

Aber durch ihr Tempo und die vielen unerwarteten Wendungen reißt die Inszenierung trotzdem mit. Sie ist spannend wie ein Krimi und zugleich ein pessimistisches Gesellschaftsporträt. Das Theaterstück macht, genau wie der Roman von Juli Zeh, eines ganz klar: Dramen wie in Unterleuten gibt es auch anderswo.'' schreibt Oliver Kranz auf kulturradio.de
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Wovon die Westler meist keine Ahnung haben
  · 26.06.18
Der Roman „Unterleuten“ von Julie Zeh wurde diese Wochen im Potsdamer Hans-Otto-Theater uraufgeführt.  Ich bin zwar eher gegen die Moderichtung  „Dramatisierung von Romanen“, da es oft zu Lasten der Aufführung wertvoller Theaterliteratur geht, jedoch eignet sich dieser Stoff sehr gut zur Dramatisierung und ist es hier sehr gut gelungen!
Das Mehrpersonenstück stellt, wie im Roman, zunächst alle Protagonisten vor, um dann zur Entfaltung einer aktuellen Handlung zu kommen, deren Wurzeln weit in die Geschichte zurückgehen,  vor Existenz der DDR, als es noch Großgrundbesitz gab, denn der Hauptkonflikt zwischen dem  Kommunisten Kron und dem gewendeten LPG-Vorsitzenden Gombrowski ist ein Klassenwiderspruch, der seinen Ursprung in der Ausbeutung  der kleinen Landarbeiter durch die Großgrundbesitzer hat.
Klassenwidersprüche sind langlebig
Kron kommt aus dieser Richtung,  Gombrowski aus jener, beide haben ihre Vorstellungen von richtig und falsch, die werden eindrucksvoll, manchmal sehr stark in Zuspitzung, dargestellt.  Interessant in diesem Zusammenhang, über die Zusammenhänge informiert eine ausführliche Replik im Programmheft, dass der ehemalige Großgrundbesitzersohn Gombrowski, nachdem er dem Abbrennen des Hofes seines Vaters zugesehen hat, selbst schließlich zum Leiter der LPG aufsteigt und nun in der Wende wieder die neue GmBH in Unterleuten anführt.  Klassenwidersprüche sind langlebig.  Widerstand und Protest dagegen auch.
Krimi und psychologisch-gesellschaftliche Studie
Das Stück ist aber, wie auch der Roman, ein Mehrgenerationenstück, es soll heutige Gesellschaft abbilden, wie Julie Zeh sagt,  dafür stehen die vielen jungen Leute im Dorf, deren Zusammenhänge und Verflechtungen zu den alten eine interessant-verschachtelte Geschichte geben.  Dann sind Roman und Stück noch Krimi und psychologisch-gesellschaftliche Studie, beides ist in Potsdam spannungsvoll umgesetzt worden.  Die Schauspieler sind allesamt absolut erstklassig, selten sah man in den letzten Jahren so schön widersprüchliche, witzige und makaber-tragische Charakterstudien glaubhaft umgesetzt.
Dramatisierung gut
Das, woran das Buch ein wenig krankt, ist, dass es wenig über die Autorin selbst sagt, dafür aber eine sehr typisierte, manchmal etwas klischeehafte, sogar fast arrogante Draufsicht auf  die Charaktere bietet, ist in der Dramatisierung weniger fühlbar. So gefällt mir fast das Stück besser als das Buch.  Da ich das Buch aber vor Ansehen des Stückes ausführlich studiert habe, fiel es mir natürlich nicht schwer sämtliche Zusammenhänge zu entschlüsseln, es kann aber sein, dass, wenn man den Roman nicht kennt, dieses schwerer fällt.
Das Ende etwas kurzgeschlossen
Dass am Ende der wütende Kommunist Kron durch Reichtum bestochen und wundersam gewandelt wird, und man ihn in der letzten Szene mit seiner Enkeltochter sieht, für die er wundervolle Aufstiegschancen antizipiert, das ist etwas kurzgeschlossen und auch unlogisch, da die Mutter doch sowieso schon Ärztin war.  Dass der vom Großgrundbesitzersohn über den LPG-Vorsitzenden zum GmbH-Chef  gekommene Gombrowski, sich als einen sieht, der sich immer nur aufgeopfert hat und am Ende im Trinkwasserschacht sein Leichengift in alle Haushalte spült, ist sehr gewagt, aber soll aus einer Zeitungsnotiz stammen und wirklich vorgekommen sein.
Wovon die Westler meist keine Ahnung haben
Es zeigt, wie schwer die DDR-Gesellschaft als Ganzes unter dem Gang der jüngsten Geschichte gelitten hat, wovon die Westler meistens keine Ahnung haben. Auch die kriegen ihr Fett weg, denn der 68er-Professor wandelt sich über den Aussteiger-Vogelschützer zum Totschläger. Das Stück lohnt sich sehr, das Hans-Otto-Theater auch.
Unkäuflich
Brecht sagte zu Hans-Otto einmal: „Ein Mann seltener Art, unkäuflich!“ Dieses Theater versucht diesem Spruch gerecht zu werden, indem es verständlich und realistisch Zeit abbildet, und den überaus elitären Hang zum Nicht –Verständlichen, der heute in den bürgerlichen Theatern Triumphe feiert, nicht mitmacht. Empfehlenswert!

http://www.anjaroehl.de
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