Der Vorname

Bewertung und Kritik zu

DER VORNAME 
von M. Delaporte und A. de La Patellière
Regie: Moritz Peters 
Online-Premiere: 30. Januar 2021 
Hans Otto Theater Potsdam 

Zum Inhalt: Pierre und seine Frau Elisabeth wollen zu Hause ein gemütliches Abendessen mit ihren engen Vertrauten verbringen. Beide sind beruflich mit Literatur beschäftigt; sie hat sich ihm zuliebe und der beiden Kinder wegen mit dem Lehrerberuf begnügt und ihn großzügig unterstützt, Professor zu werden. Es soll ein entspannter Plauderabend werden, nach dem man leicht berauscht und zufrieden ins Bett fällt. Eingeladen sind Elisabeths Bruder Vincent, seine schwangere Lebensgefährtin Anna und ihr gemeinsamer Jugendfreund Claude. Weil Anna sich verspätet, kommt die Konversation über ihren „Zustand“ in Gang und die Frage, ob denn schon ein Vorname für das Baby gefunden sei. Natürlich wird es ein Junge, und Vincent beginnt ein Ratespiel mit den Anwesenden. In Streitlust oder aus einer Laune heraus provoziert er schließlich mit der Bekanntgabe, dass sein noch ungeborener Sohn Adolphe heißen soll. Vincents indifferente Haltung, ob man seinem Kind den Vornamen des größten Kriegsverbrechers aller Zeiten geben darf, ist nur der Anfang einer Reihe unliebsamer Wahrheiten, die der Abend über den Zustand der Runde zutage fördern wird. Wie steht es wirklich um Pierre und Elisabeth? Sucht sie Anerkennung mit exotischen Kochkünsten? Warum wird Claude, der stille Musiker, wie ein rohes Ei behandelt? Weil sich Fragen mit Rücksicht auf seine vermeintliche sexuelle Neigung verbieten? Und was steckt wirklich hinter dem egomanischen Vincent, der das größte Auto fährt und den teuersten Wein spendiert, nur um im Mittelpunkt zu stehen? Es ist ein Abend voller Überraschungen, der die Beziehungen dieser so beispielhaften Freundesrunde nach den scharfen Wortgefechten in einem neuem Licht erscheinen lässt und jedem die Chance bietet, seine Lebenssituation zu überprüfen. 

Mit Franziska Melzer, Philipp Mauritz, Hannes Schumacher, Henning Strübbe, Ulrike Beerbaum

Regie: Moritz Peters
Bühne und Kostüme: Nehle Balkhausen
Musik und Sounds: Marc Eisenschink
Dramaturgie: Carola Gerbert

TRAILER


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
0 von 0 Personen fanden die Kritik hilfreich
Schauspiel auf den Punkt
  · 11.03.21
''Komödien verlangen von den Akteuren hohes Können, das Tempo muss stimmen, die Gags müssen sitzen, sonst gibt's nichts zu lachen. Die zwei Schauspielerinnen und drei Schauspieler in Potsdam reizen oft zum Lachen, einem meist schmerzverzerrten allerdings. Gut so. Alle agieren intensiv, zeichnen wirkliche Charaktere und keine Karikaturen. Jede und jeder agiert körperlich und mimisch auf den Punkt genau. Herausgehoben sei Franziska Melzer als zunächst gefügige Gattin, die Kinder und Küche meistert und ansonsten kein Eigenleben zu haben scheint. Wenn die von ihr gespielte Elisabeth gen Ende explodiert, und beispielsweise althergebrachte Geschlechter-Klischees als solche entlarvt, hält man vor Spannung den Atem an – und bekommt viel Stoff für das Nachdenken über den Theaterabend hinaus.'' schreibt Peter Claus auf rbbKultur
War die Kritik hilfreich?
Um eine Kritik zu schreiben musst du dich einloggen.