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Bewertung und Kritik zu

VIEL GUT ESSEN
von Sibylle Berg
Regie: Marc Becker 
Premiere: 9. Dezember 2018 
Hans Otto Theater Potsdam 

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Zum Inhalt: Ein ganz normaler Mann im besten Alter. Sein Ziel im Leben: Der eigenen kleinen Familie Sicherheit und Geborgenheit zu bieten. Aber dann beginnt seine ganze Existenz auseinanderzubrechen. Sein Wohnviertel war einst ein vertrauter Ort für ihn. Doch jetzt wird gegenüber ein Asylantenheim gebaut. Und dahinter errichten hippe Familien mit Life-Style-Faktor schicke Appartements. Die alten Nachbarn verlassen die Gegend. Als an seinem Arbeitsplatz der Job eines Abteilungsleiters frei wird, bekommt nicht der Mann die Stelle, sondern eine junge Türkin – von wegen Quote und Migrationshintergrund. Schließlich wird er von seiner Firma entlassen. Und seine Frau zieht von zu Hause aus, nachdem sie festgestellt hat, dass sie ihn eigentlich gar nicht liebe. Der Mann versteht die Welt nicht mehr und fühlt sich vom Leben ungerecht behandelt. Aber jetzt reicht es ihm. Jetzt wird er wütend. Für seine eigene Misere macht er die anderen verantwortlich, die Ausländer, die Feministinnen, die Hipster, die Homosexuellen. 

Mit: Ulrike Beerbaum, Marie-Therése Fischer, Kristin Muthwill, Mascha Schneider, Philipp Mauritz, Andreas Spaniol und Moritz von Treuenfels 

Regie: Marc Becker 
Bühne: Harm Naiijer 
Kostüme: Alin Pilan 
Dramaturgie: Christopher Hanf 
Maske: Ute Born, Julia Moritz 

TRAILER


WIR EMPFEHLEN

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Es gibt nach wie vor verdammt viel miteinander zu reden
  · 11.12.18
''Becker ist daran gelegen, Grenzen zu verwischen zwischen den politisch angeblich richtigen und falschen Standpunkten. Erst werden die Starbucks-Kaffeetrinker und Selfie-Shooter aufs Korn genommen – dann plötzlich die Flüchtlinge, die in den Booten Leihbabys an sich drücken würden, um in Deutschland Sozialhilfe abzukassieren.

Ob Beckers differenzierte Sicht auf die Figur heute noch im Sinne Sibylle Bergs wäre, ist fraglich. In einem Interview sagte sie kürzlich, sie würde den Text heute anders schreiben – mittlerweile ginge es weniger darum, die sogenannten ''besorgten Bürger'' zu verstehen, als darum, sich geschlossen eine Antwort gegen deren Radikalisierung zu überlegen.

Hat sie damit Recht? Müsste Becker sich vehementer gegen diese homophobe, rassistische Figur stellen? Das mag man durchaus finden – beim weniger gesinnungslinken als bürgerlichen Potsdamer Publikum wirkt es jedoch richtig, so zu inszenieren. Becker meiert andere Meinungen nicht ab, sondern eröffnet zunächst einmal das Gespräch. Beinahe beifällig fällt zwischendurch der Satz: ''Wenn du deine tradierten Rollenbilder lebst, dann bist du ein Nazi, und wenn du einer Frau sagst, dass sie hübsch ist, ist das Sexismus.'' An dieser Stelle klatschte eine Frau im Publikum begeistert Zustimmung – schon das zeigt, dass es nach wie vor verdammt viel miteinander zu reden gibt.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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1 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Hassmonolog eines weißen Mittelklassemanns
  · 09.12.18
''In der Reithalle des Hans Otto Theaters hat nun Regisseur Marc Becker Sibylles Bergs Monolog auf mehrere Personen aufgeteilt. Das legt die Autorin mit der Besetzungs-Anweisung: „1 Mann oder viele“, die hier zum Anfang vom siebenköpfigen Ensemble zitiert wird, auch nahe. Man könnte also relativ frei damit verfahren oder sogar (wie Sebastian Nübling in seiner Züricher Inszenierung) eine Travestie mit Frauen in Männerrollen machen. Becker belässt es bei einer fast paritätischen Besetzung von vier Männern und drei Frauen, die als solche auch klar zu erkennen sind. Gespielt wird auf einer fast leeren Bühne mit einer Sichtbetonwand im Hintergrund. Darauf das Gemälde Gewitterfront des Leipziger Malers Neo Rauch. Ein Mann mit Trommel auf einem Acker vor dunklen Wolken. Die Farben des Bilds setzen sich auch in der Kostümierung des Ensembles fort. Die Assoziation verheißt den Aufruf zum letzten Gefecht. Für den männlichen Protagonisten herrscht also Kriegszustand.

Es beginnt mit einem chorischen Vortrag des besagten Europe-Songs, am Piano begleitet von Moritz von Treuenfels. Dann rollen die Ensemblemitglieder Teile einer langen Küchenzeile herein und beginnen zum Textvortrag Möhren zu schnippeln. Bei der Zubereitung eines Essens für Frau und Sohn, bei dem es für den Mann um die Wiederherstellung seines sich auflösenden Lebens geht, wird nun der Text in verschiedenen Konstellationen, mal chorisch, mal wechselnd monologisch vorgetragen. Das Spiel stellt sich da aber zunehmend in den Variationen als doch recht beschränkt dar. Was man halt so macht beim Kochen. Die Pointen des Textes werden einfach entsprechend bebildert. Fast harmlos lächerlich wirkt hier der wütende Mann, wenn er sich schließlich als einer von Milliarden zum rechten Populisten aufschwingt, für den es zu voll geworden ist auf der Welt, für die er sterben will. Die Armee der Internetkommentatoren steht dann in diesem Spießeroutfit zwar für die ganz normalen Mittelklasse-Abgehängten, die all den Frust, ihre Homophobie und ihren Fremdenhass (irgendwann gibt der Hintergrund auch die Silhouette einer Moschee frei) tagtäglich ins Internet kippen. Mit dem Udo-Jürgens-Song "Heute beginnt der Rest deines Lebens" wird das Potential dieses Mobs aus der Mitte der Gesellschaft und leider auch die Schärfe des Textes endgültig verwässert.'' schreibt Stefan Bock am 9. Dezember 2018 auf KULTURA-EXTRA
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3.4
Durchschnittsnote aller Stücke
5 10
4 27
3 36
2 12
1 1
Kritiken: 46
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