Maria Magda

Bewertung und Kritik zu

MARIA MAGDA 
von Svenja Viola Bungarten
Regie: Theresa Thomasberger 
Online-Premiere: 5. Juni 2021 
Theater Münster

Zum Inhalt: In Bungartens drittem Stück MARIA MAGDA trifft Horror auf Diskurs. Maria ist eine Schläferin und wird von ihren verzweifelten Eltern auf ein Kloster-Internat für schwer erziehbare Mädchen geschickt. Es heißt im Kloster der Magdalenerinnen sei einst der Hexenjäger Heinrich Kramer bei lebendigem Leibe verbrannt worden. Es heißt sein Geist geht um. Oder ist es doch der heilige Geist höchstpersönlich? Erst vor zwei Monaten ist ein Mädchen verschwunden. Das Mädchen, in dessen Bett nun Maria schlafen soll. Was verheimlicht ihre neue Zimmernachbarin Magda, welche verborgenen Kräfte schlummern in ihrer Freundin Hildie und was summt die Oberschwester Mutter Väterin nachts allein auf dem Gang vor sich hin? Wer ist hier Hexe und wer ist Nonne? War die unbefleckte Empfängnis in Wirklichkeit eine Vergewaltigung? Und ist Gott eigentlich ein Hund namens Chayenne? In MARIA MAGDA dekonstruiert Bungarten schonungslos misogyne, antifeministische und ausbeutende Erzählungen von Weiblichkeit und Sexualität. Dieses Stück ist ein Gewaltakt und eine Persiflage auf das Patriarchat.

Mit: Regine Andratschke, Marlene Goksch, Rose Lohmann, Ulrike Knobloch, Lea Ostrovskiy, Leon Maria Spiegelberg.

Inszenierung: Theresa Thomasberger
Bühne & Kostüme: Mirjam Schaal
Video: Louis Caspar Schmitt
Komposition / Musik: Oskar Mayböck
Dramaturgie: Barbara Bily


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Internats-Grusel trifft auf feministische Umwertung biblischer Motive
  · 12.06.21
Einen starken Siegerinnen-Text hat die Jury des Heidelberger Stückemarkts im Mai 2021 ausgewählt: Svenja Viola Bungarten verknüpft in ihrem dritten Theaterstück feministische Theorie, Internats-Grusel-Schauer und eine Umwertung christlicher, biblischer Motive überzeugend.

Gelungen ist vor allem die letzte halbe Stunde: Gottes Stimme ertönt aus dem Off (Leon Maria Spiegelberg), setzt immer wieder zur Vergewaltigung der Jungfrau an, mit filmisch-ironischen „Oder doch nicht“-Zwischentiteln bricht die Szene jedes Mal wieder ab und wird in sechs Varianten erzählt, bis sich das weibliche Ensemble zu einem Schlusschor versammelt und einen feministischen Kanon aus Literatur- und Theorie-Geschichte von Donna Harraway über Virginia Woolf bis Mary Shelley beschwört.

Svenja Bungartens "Maria Magda" ein interessanter, facettenreicher Text, der christliche Mythen frontal angreift, mit Horror- und Genre-Motiven spielt und der sich nach André Mumots Meinung deutlich von den Selbstbespiegelungen der anderen Texte des Heidelberger Stückemarkt-Jahrgangs abhob.

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