Womöglich Weltfremd

Bewertung und Kritik zu

WOMÖGLICH WELTFREMD
Eine kinotheatrale Wiederverwertung
Regie: Arno Friedrich 
Online-Premiere: 9. Mai 2020 
TamS Theater München

Zum Inhalt: Zwei Frauen fahren auf einem Floß übers Meer. Sie sind schon sehr lange unterwegs, mindestens seit gestern abend oder einem halben Jahrhundert. Sie hatten ein Ziel und sie hatten eine Aufgabe, aber beides scheint sich langsam aufzulösen in der unendlichen Weite des Ozeans. Mit dabei haben sie Erinnerungen, gebannt auf Filmrollen, eine Sammlung von Szenen und Situationen, Figuren, Konstellationen, Räumen. Und einen Projektor haben sie, der diese Erinnerungen nachts auf dem Segel ihres Floßes zu Bildern werden lässt. Bilder aus einem Theater, in dem absonderliche Dinge passieren. Es sind Aufnahmen aus dem TamS Theater, aus Aufführungen eines halben Jahrhunderts: Valentinaden und Brandstiftereien, Weltuntergänge und Riesenblödsinn, Königsdramen, Kassenschlager und Katastrophen. Nacht für Nacht sehen sie sich diese Filme an. Versuchen sie ihre Erinnerung wachzuhalten oder ein Geheimnis zu ergründen, oder haben sie einfach nichts Besseres dabei?
Unbeirrt fahren sie über das Meer und transportieren diese Bilder und Erinnerungen von einem Ort an einen anderen, von einer Zeit in eine andere, als wären sie ein Vermächtnis.

mit Tine Hagemann, Sophie WendtInszenierung: Nicolas Stemann 

Regie und Konzept Arno Friedrich
Ausstattung Claudia Karpfinger, Katharina Schmidt

TRAILER


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Poetisches Potpourri
  · 11.05.20
''Ein poetischer, komischer und sanft melancholischer Beitrag zum Theater-Shutdown, dem nicht nur das Münchner Volkstheater mit einem innovativen Plan begegnet, sondern auch das kleine TamS, wo aufgrund des engen Zuschauerraums die erforderlichen Abstände keineswegs einzuhalten sind. Unmöglich immer nur jede vierte Stuhlreihe zu besetzen, so viele gibt es gar nicht. Ab Mitte Juni hat man sich deshalb was anderes überlegt, ein „Sommertheater“ der anderen Art. Das TamS spielt für jeweils nur einen einzigen Zuschauer, alle 10 Minuten ist Einlaß für einen anderen. Der wird durch die Räume des Theaters geführt. Es erwarten ihn verborgene Winkel und kleine Geheimnisse. Etwa ein Zeppelinlandeplatz auf dem Dach, ein geheimes Casino im Speicher, eine Tortenmanufaktur im Keller. Hinter der Bühne ein stillgelegter Güterbahnhof und unter dem Foyer ein Stadtbach.....Da wird ein winzig kleines Theater ganz groß!

Am Ende haben es sich die beiden Floßfahrerinnen gut eingerichtet in ihrem Heimkino. Braucht es eine außerirdiche Pille gegen Traurigkeit? Nein. Die beiden nehmen sich an der Hand und das Floß fährt auf gen Himmel wie in Peterchens Mondfahrt: We meet again!'' schreibt Petra Herrmann am 10. Mai 2020 auf KULTURA-EXTRA
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