Das Medium

Bewertung und Kritik zu

DAS MEDIUM 
von Gian Carlo Menotti
Regie: Maximilian Berling 
Premiere:  2. November 2021 
Staatstheater am Gärtnerplatz München

Zum Inhalt: Madame Flora ist eine Meisterin der Effekte. Mithilfe von Monica, ihrer Tochter, und Toby, einem Jungen, den sie bei sich aufgenommen hat, inszeniert sie spiritistische Séancen, in denen sie als Medium Kontakt zu den Seelen Verstorbener aufnimmt. Zu ihren treuen Kunden zählt das Ehepaar Gobineau, das regelmäßig mit seinem toten Kind kommuniziert. In Wahrheit aber ist alles nur Show. Oder doch nicht? Die festgefügte Realität entgleitet Madame Flora, als sie eines Tages eine kalte Hand an ihrer Kehle spürt. Ist es Einbildung, ihr schlechtes Gewissen, ein böser Spaß von Toby – oder eine Warnung aus der Geisterwelt? Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Übersinnlichem verschwimmen, und ein tödliches Spiel nimmt seinen Lauf.

Gian Carlo Menotti schrieb seine spannungsgeladene Kammeroper über Scharlatanerie, Zynismus und psychische Abgründe, nachdem er selbst Zeuge einer Séance gewesen war. Den großen Durchbruch erlangte das Werk 1947 mit der Broadway-Premiere in New York und eroberte seither die Bühnen der ganzen Welt.

Musikalische Leitung: Oleg Ptashnikov
Regie: Maximilian Berling
Bühne und Kostüme: Rainer Sinell
Licht: Michael Heidinger
Dramaturgie: Fedora Wesseler


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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Im Schwindel des Schwindels
  · 06.11.21
''Zwar wurde Menotti von Zeitgenossen immer wieder der Vorwurf gemacht, „Gebrauchsmusik“ zu schreiben. Größen wie Ivan Nagel allerdings sahen in seiner Musik eine ebenso virtuose wie spannende Wiederbelebung veristischen Operntheaters. „Das Medium ist an jenem gleichsam zeit- und geschichtslosen Punkt situiert, wo Theatereffekt in Genialität umschlägt, Theatergenie sich im Effekt erfüllt.“ Menotti selbst meinte bloß: „Ich will Öl in den Essig der modernen Musik gießen.“ Das ist ihm großartig gelungen. Den Beweis trat der Komponist am Gärtnerplatztheater bereits 1974 an, als er das Stück dort selbst inszenierte. Nun hat das Maximilian Berling übernommen und ein Kabinettsstückchen geschaffen, das mit wenigen Mitteln viel Atmosphäre schafft und auch Humor zulässt: als Toby tut, was er nicht darf, nämlich zum Spaß in Floras schwül-muffige Klamotten zu schlüpfen, da freuen sich auch die Jüngsten im Publikum.

Oleg Ptaschnikov führte das kleine Orchester mit präszisem drive, so dass sich Anna Agathonos in der Rolle der Madame Flora sowohl stimmlich als auch schauspielerisch voll entfalten konnte. Andreja Zidaric als Tochter Monica gab ihrem Part jugendliche Wärme und Empathie, Christian Schleinzer in der stummen Rolle des Toby flogen die Herzen zu. Die Kunden Mrs. und Mr. Gobineau (Elaine Ortiz Arandes und Timos Sirlantzis) sowie Mrs. Nolan (Ann-Katrin Naidu) rundeten das ausgezeichnete Ensemble ab. Kleine Oper ganz groß! Man kann auch mit Kindern hingehen, sie dauert nur eine Stunde.'' schreibt Petra Herrmann am 6. November 2021 auf KULTURA-EXTRA
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