JAPHET in «Himmel und Erde»

300+ Monologe als PDF-Datei

1. Akt, 3. Auftritt

Gebirge. Höhle und Felsen des Kaukasus. Japhet allein.

Buch kaufen

JAPHET: 
Wildniß, die endlos scheint, und Höhle du,
Die unergründlich gähnt, und du, Gebirg',
So mannichfaltig und so furchtbar schön.
In deiner rauhen Felsenmajestät,
Wo Bäume wachsen aus so jähem Hang
Daß zittern würd' des Menschen Fuß, kam' er
Dahin, wie ewig siehst du aus! Und doch
In wenig Tagen schon, vielleicht in Stunden
Bist von der Wassermenge du verrückt,
Zersprengt, dahingeschwemmt, und diese Höhle,
Die in die Unterwelt zu führen scheint,
Wird tief hinab durchwühlt sein von der Flut;
Delphine schwimmen in des Löwen Nest
Und ach! der Mensch – mein Mitgeschöpf, der Mensch,
Wer wird dann weinen an dem großen Grab?
Nur ich!! Wer ist sonst übrig noch zu weinen?
Ach meine Freunde! bin ich besser denn
Als ihr, daß ich euch überleben soll?
Wo werden dann die theuern Plätzchen sein,
Wo, als ich hoffte. Anah's ich gedacht?
Wo jene Orte, wen'ger kaum geliebt,
Im öden Plan, wo ich geklagt um sie?
Ist's möglich denn? Soll jener hohe Firn,
Deß Spitze glänzt wie ein entfernter Stern,
Versinken tief in Meer's gefräß'gem Schlund?
Soll nimmermehr die Morgensonne nahn,
Des Nebels lange Schleier wegzuglühn
Von seiner mächt'gen Stirn? Soll nimmermehr
Am Abend sich des Tages breit Gestirn
Wenn's ihn gekrönt mit seiner Farben Kranz,
Verstecken hinter seinem Haupt? Soll nimmer
Er Leuchtthurm sein der Welt, wo als dem Ort,
Der Sternen nächst, die Engel niedersteigen?
Und soll dies »Nimmermehr« auch dir und Allen,
Nur uns nicht gelten und den wen'gen, Thieren,
Die auf des Herrn Geheiß mein Vater noch
Zurückgestellt? Darf er denn sie erhalten,
Mir aber soll es nicht gestattet sein,
Die lieblichste der Erdentöchter dem
Gerichte zu entziehn, dem Schlangen selbst
Entgehn, daß fort sie pflanzen ihre Art?
Damit sie stechen in der neuen Welt,
Die naß und dampfend aus dem Schlamm einst steigt,
Der über all den Trümmern schlummern wird,
Bis dann der salzige Morast sich setzt
Als einzig Denkmal unterm Sonnenlicht
Als öder Grabeshügel der Myriaden,
Die heute noch so voll von Leben sind.
O wie viel Athem wird auf einmal stocken!
Du schöne Welt, die der Vernichtung schon
Geweiht, ich schaue mit zerriss'ner Brust
Dich täglich, nächtlich an und deine Tage
Und Nächte, die gezählt! Ich kann nicht dich,
Kann Sie selbst nicht erretten, deren Lieb'
Mir größ're Liebe eingeflößt zu dir.
Doch als ein Theil von deinem Staub kann ich
Des nahenden Gerichts nicht denken, ohne
Daß ich empfind' – o Gott!