LUKA in «Nachtasyl» II.

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    3. Aufzug

    Luka, Natascha, Bubnow und der Baron

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    LUKA: (nachdenklich zu Bubnow) Du sagst – die Wahrheit … Die Wahrheit ist aber nicht immer gut für den Menschen … nicht immer heilst du die Seele mit der Wahrheit … Zum Beispiel folgender Fall: ich kannte einen Menschen, der glaubte an das Land der Gerechten. (...) Es muß, sagte er, auf der Welt ein Land der Gerechten geben … in dem Lande wohnen sozusagen Menschen von besonderer Art … gute Menschen, die einander achten, die sich gegenseitig helfen, wo sie können … alles ist bei ihnen gut und schön! Dieses Land der Gerechten also wollte jener Mensch immer suchen gehen … Er war arm, und es ging ihm schlecht …und wie's ihm schon gar zu schwer fiel, daß ihm nichts weiter übrigblieb, als sich hinzulegen und zu sterben – da verlor er noch immer nicht den Mut, sondern lächelte öfters vor sich hin und meinte: Hat nichts zu sagen – ich trag's! Noch ein Weilchen wart ich – dann werf ich dieses Leben ganz von mir und geh in das Land der Gerechten … Seine einzige Freude war es – dieses Land der Gerechten … (...) Nun wurde nach eben jenem Ort – die Sache ist nämlich in Sibirien passiert – ein Verbannter gebracht, ein Gelehrter Mensch … mit Büchern und mit Plänen und mit allerhand Künsten … Und jener Mensch spricht zu dem Gelehrten: Sag mir doch gefälligst, wo liegt das Land der Gerechten, und wie kann man dahin gelangen? Da schlägt nun der Gelehrte gleich seine Bücher auf und breitet seine Pläne aus … und guckt und guckt – aber das Land der Gerechten findet er nirgends! Alles ist sonst richtig, alle Länder sind aufgezeichnet – nur das Land der Gerechten nicht! (...) Der Mensch – will ihm nicht glauben … Es muß drauf sein, sagt er … such nur genauer! Sonst sind ja, sagt er, alle deine Bücher und Pläne nicht 'nen Pfifferling wert, wenn das Land der Gerechten nicht drin verzeichnet ist … Mein Gelehrter ist beleidigt. Meine Pläne, sagt er, sind ganz richtig, und ein Land der Gerechten gibt's überhaupt nirgends. – Na, da wurde nun der andere ganz wütend. Was? Sagt er, da habe ich nun gelebt und gelebt, geduldet und geduldet und immer geglaubt, es gebe solch ein Land! Und nach deinen Plänen gibt es keins! Das ist Raub … und zu dem Gelehrten sagt er: Du nichtsnutziger Kerl! Ein Schuft bist du und kein Gelehrter! Und gab ihm eins übern Schädel, und noch eins … (Schweigt ein Weilchen) Und dann ging er nach Hause … und hängte sich auf … (Alle schweigen.)

     


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