ANDROMACHE in «Die Troerinnen» II.

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    6. Auftritt

    Andromache, Talthybios, Soldaten, Hekuba und Chöre.

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    ANDROMACHE:
    O Astyanax, mein Lieb, mein einzig Leben,
    Nun tragen sie dich fort. – Ich kann nicht mit.
    Wie viele schirmte deines Vaters Kraft einst,
    Und seine Hoheit war ein Hort wie vielen?
    Dir aber, seinem Sohn, ist sie der Tod.
    Verruchtes Fest, unselige Nacht des Glücks,
    Die mich in das Gemach der Liebe führte!
    Nicht trug ich freudigen Schmerzes dich im Schoße,
    Den ich zum Herrn der großen Asia träumte,
    Daß du als armes kleines Opfer stirbst.
     Weinst du, mein Lieb, vergießest kleine Tränen,
    Und weißt doch nicht, was kläglich deiner wartet!
    Hängst dich an Mutters Kleider, streckst die Händchen,
    Schlüpfst unter warme Flügel, süßes Vögelein!?!
    Dein Vater steigt nicht donnernd aus der Erde,
    Und greift nicht nach der hochgerühmten Lanze.
    Kein erzgeschienter Blutsfreund kommt, kein Phryger,
    Du mußt erbärmlich, Kind, dein Leben lassen.
    Zum Todesturm schleppt dich ein grauser Landsknecht.
    O Sohn, in Mutters weichem Arm, Geliebtes,
    O kleiner, süßer Atem mir am Munde!
    So war vergebens all das traute Leben,
    Die traute Freude und die traute Mühe,
    Da ich die Brust dir gab, und dich betreute,
    Und mich mit Leinen plagte, und dich wiegte.
    Kommt her, ihr armen Ärmchen, und umarmt mich,
    Zum letztenmal küßt mich, geliebte Lippen!!
    Hast du mich lieb? (Sie kann nicht weiter.)
    O Griechen, Teufel,
    In allen Martern Meister, ungeheure,
    Was tat dies Kind, daß ihr es müsset morden?
    O Helena, du bist Zeus' Tochter nicht!
    Ich nenne dich die Tochter vieler Väter,
    Doch sie zu zählen reicht mein Mund nicht aus.
    Der böse Geist der Welt, so heißt der eine,
    Die andern Neid und Bosheit, Mord und Tod,
    Und was an schwarzem Fluch die Erd erzeugt.
    Nein, eines Gottes Tochter bist du nicht,
    Die du die Pest aus schönen Händen streust,
    Aus schönen Augen ausgießt das Verderben,
    Und Elends Unmaß duftest durch die Welt.
    Fahr hin!!!! Sie hält den Knaben fest an sich gepreßt.
    Da nehmt ihn, reißt ihn von mir, tragt ihn fort,
    Zum Turm mit ihm, und weidet euch, ihr Tiere,
    An seinem Blut! Vernichtung ist der Ratschluß,
    Vernichtet sind wir, und ich kann Vernichtung
    Abhalten nicht von meines Sohnes Haupt.
    Plötzlich gibt sie das Kind dem Talthybios – maßlos.
    Zu Schiff mit mir! Ich will im Dunkel wohnen!
    Schlagt Finsternis mir um das Haupt als Schleier,
    Die Flut der Nacht ertränke jedes Licht!
    Stolz sei die Hochzeit, die ich heute habe ...
    Des Sohnes Leben ist die Morgengabe.
    (Der Wagen mit Andromache und Gefolge ab.)

     

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