RAHEL in «Die Jüdin von Toledo»

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2. Aufzug  

Rahel, Esther und später der König.

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RAHEL: (kommt zurück mit einem Bild ohne Rahmen)
Hier ist des Königs Bild, gelöst vom Rahmen
Das nehm ich mit. [...]
Das Bild gefällt mir. Sieh, es ist so schön,
Ich häng es in der Stube nächst zum Bette.
Des Morgens und des Abends blick ich's an
Und denke mir – was man nun eben denkt
Wenn man der Kleider Last von sich geschüttelt
Und frei sich fühlt von jedem läst'gen Druck.
Doch daß sie meinen nicht, ich stahl es etwa, –
Bin ich doch reich und brauche Stehlens nicht –
Du trägst mein eigen Bild an deinem Hals,
Das hängen wir an dieses andern Stelle,
Das mag er ansehn, so wie seines ich
Und mein gedenken, hätt' er mich vergessen.
Rück mir den Schemel her, ich bin die Kön'gin,
Und diesen König heft ich an den Stuhl.
Die Hexen sagt man, die zur Liebe zwingen,
Sie bohren Nadeln, so, in Wachsgebilde,
Und jeder Stich dringt bis zum Herzen ein,
Und hemmt und fördert wahrgeschaffnes Leben.
(Sie befestigt das Bild an den vier Ecken mit Nadeln an die Lehne des Stuhls.)
O gäbe jeder dieser Stiche Blut,
Ich wollt' es trinken mit den durst'gen Lippen
Und mich erfreun am Unheil das ich schuf.
Nun hängt es da und ist so schön als stumm,
Ich aber red ihn an als Königin
Mit Mantel und mit Krone die mich kleiden.
(Sie hat sich auf den Schemel gesetzt und sitzt vor dem Bilde.)
Ihr ehrvergeßner Mann, stellt Euch nur fromm,
Ich kenne dennoch jeden Eurer Schliche.
Die Jüdin, sie gefiel Euch, leugnet's nur!
Und sie ist schön, bei meinem hohen Wort,
Nur mit mir selber etwa zu vergleichen.
(Der König, von Garceran und Isaak gefolgt, ist gekommen und hat sich hinter den Stuhl gestellt, die Arme auf die Rücklehne gelegt, sie betrachtend.)
Ich, Eure Königin, nun duld es nicht,
Denn eifersüchtig bin ich wie ein Wiesel.
Ob Ihr nun schweigt, das mehrt nur Eure Schuld.
Gesteht! Gefiel sie Euch? Sagt ja!
(Der König nickt. Rahel fährt zusammen, blickt nach dem Bilde, dann aufwärts, erkennt den König und bleibt regungslos auf dem Schemel.)