AHOLIBAMAH in «Himmel und Erde» II.

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1. Akt, 2. Auftritt

Aholibamah, Raphael, Azaziel, Samiasa, Anah, Japhet und Noah

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AHOLIBAMAH: Sie mögen fliehn!
Die Stimme hör' ich, daß bald Alle hin
Und früher als die Väter einst gethan,
Daß Oben schon ein Ocean
Bereitet wird,
Und nach des Höchsten Rath
Die Tiefe steigt und bis zum Himmel irrt,
Daß Wen'ge finden Gnad'
Und Cains Geschlecht umsonst erhebt den Blick
Zu Adams Gott, zu wenden sein Geschick,
Da's, Schwester, so einmal
Und uns nur würde Spott,
Wenn wir gefleht zu Gott,
Zu schenken eine Stunde uns der Qual,
So laß uns missen, was wir so verehrt,
Den Wellen trotzen, wie wir's sonst dem Schwert,
Nicht unbewegt, doch auch nicht schwach hiebei,
Nicht uns beklagend, nein! nur die Partei,
Die übrig bleibt zu ew'ger Sklaverei
Und, wenn die Wasser ruhig ziehn daher,
Die heiß beweint, die dann nicht weinen mehr.
Flieht, Seraphs, fort nach eurem ew'gen Strand,
Wo Wind nicht heult, noch Wasser stürmt das Land.
Der Tod ist unser Loos,
Euch ewig's Leben floß.
Was besser sei: Die todte Ewigkeit,
Die lebende? – weiß nur, wer machte beid'.
Gehorchet Ihm wie wir,
Nicht eine Stunde möcht' ich länger hier
Verweilen, als der Herr beschließt,
Noch schaun, daß seine Huld für euch sich schwächt,
Um all die Gnade, welche Seth's Geschlecht
Vor uns genießt.
Entflieht!
Wie deine Schwinge dich zum Himmel weht,
Denk', daß mit dir hinauf die Liebe geht,
Samiasa!
Und schau' ich auf mit thränenlosem Lid,
Geschieht's, weil eines Engels Braut nicht flennt.
Leb' wohl! – Nun komm, du grausam Element!