KÖNIG EDUARD in «König Eduard II.»

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5. Akt, 1. Auftritt 

König Eduard, Leicester, Bischof von Winchester und Trussell. 

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KÖNIG EDUARD:
Lester, wenn gutes Wort mich trösten könnte,
hätte dein Zuspruch längst mein Leid gelindert,
denn immer warst du gut und liebevoll.
Der Bürger Schmerzen sind gar bald gestillt,
doch die der Könige nicht. Der wunde Hirsch
rennt um ein Kraut, das seine Wunde schließe;
doch klafft das Fleisch dem königlichen Leun,
reißt er und rauft es mit der grimmigen Pranke,
und außer sich vor Wut, daß niedere Erde
sein Blut soll trinken, bäumt er sich gen Himmel;
so stehts um mich, des unerschrockenen Sinn
der Ehrgeiz Mortimers zu beugen trachtet
und dieser Königin Mißart, Isabells
der Falschen, die mich so gefangen setzte.
Ach, solches Überleid sättigt die Seele,
daß ich auf Fittichen des Grolls und Ekels
mich oft genug zum Himmel schwingen möchte,
um beide vor den Göttern zu verklagen.
Bedenk ich dann, daß ich ein König bin,
dünkt mir, ich soll mich für die Unbill rächen,
die Mortimer und Isabell mir taten.
Doch was sind Könige, wenn die Macht dahin?
Nur scharfe Schatten eines Sonnentages!
Die Lords regieren, und ich heiße König,
trage den Reif und bin beherrscht von ihnen,
von ihm und meiner ungetreuen Königin,
die mir das Ehebett mit Schmach befleckt,
dieweil ich diese Gruft des Grams bewohne,
wo Sorge mir am Ellenbogen steht
und Jammer meinem Herz Gesellschaft leistet,
das in mir blutet ob des schnöden Wechsels.
Doch sagt mir, muß ich jetzt der Kron entsagen,
den Räuber Mortimer zum König machen?