PHÄDRA in «Phädra» I.

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    1. Akt, 3. Auftritt 

    Phädra und Oenone 

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    PHÄDRA:
    Schon früher fing mein Unglück an. Kaum war
    Dem Sohn des Aegeus meine Treu verpfändet,
    Mein Friede schien so sicher mir gegründet,
    Mein Glück mir so gewiß, da zeigte mir
    Zuerst Athene meinen stolzen Feind.
    Ich sah ihn, ich erröthete, verblaßte
    Bei seinem Anblick, meinen Geist ergriff
    Unendliche Verwirrung, finster ward's
    Vor meinen Augen, mir versagte die Stimme,
    Ich fühlte mich durchschauert und durchflammt,
    Der Venus furchtbare Gewalt erkannt' ich
    Und alle Qualen, die sie zürnend sendet.
    Durch fromme Opfer hofft' ich sie zu wenden,
    Ich baut' ihr einen Tempel, schmückt' ihn reich,
    Ich ließ der Göttin Hekatomben fallen,
    Im Blut der Thiere sucht' ich die Vernunft,
    Die mir ein Gott geraubt – Ohnmächtige
    Schutzwehren gegen Venus' Macht! Umsonst
    Verbrannt' ich köstlich Räuchwerk auf Altären;
    In meinem Herzen herrschte Hippolyt,
    Wenn meine Lippe zu der Göttin flehte.
    Ihn sah ich überall und ihn allein,
    Am Fuße selbst der rauchenden Altäre
    War er der Gott, dem ich die Opfer brachte.
    Was frommte mir's, daß ich ihn überall
    Vermied – O unglückseliges Verhängniß!
    In des Vaters Zügen fand ich ihn ja wieder.
    Mit Ernst bekämpft' ich endlich mein Gefühl;
    Ich that Gewalt mir an, ihn zu verfolgen.
    Stiefmütterliche Launen gab ich mir,
    Den allzu theuren Feind von mir zu bannen.
    Ich ruhte nicht, bis er verwiesen ward,
    In den Vater stürmt' ich ein mit ew'gem Dringen,
    Bis ich den Sohn aus seinem Arm gerissen –
    Ich athmete nun wieder frei, Oenone,
    In Unschuld flossen meine stillen Tage,
    Verschlossen blieb in tiefer Brust mein Gram,
    Und unterwürfig meiner Gattinpflicht
    Pflegt' ich die Pfänder meiner Unglücksehe!
    Verlorne Müh! O Tücke des Geschicks!
    Mein Gatte bringt ihn selbst mir nach Trözene;
    Ich muß ihn wiedersehn, den ich verbannt,
    Und neu entbrennt die nie erstickte Gluth.
    Kein heimlich schleichend Feuer ist es mehr,
    Mit voller Wuth treibt mich der Venus Zorn.
    Ich schaudre selbst vor meiner Schuld zurück,
    Mein Leben hass' ich und verdamme mich,
    Ich wollte schweigend zu den Todten gehn,
    Im tiefen Grabe meine Schuld verhehlen –
    Dein Flehn bezwang mich, ich gestand dir alles,
    Und nicht bereuen will ich, daß ich's that,
    Wenn du fortan mit ungerechtem Tadel
    Die Sterbende verschonst, mit eitler Müh
    Mich nicht dem Leben wiedergeben willst.

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