CHOR DER FRAUEN in «Lysistrate»

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2. Akt. 

Chor der Frauen und Chor der Männer. 

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CHOR DER FRAUEN: (drohend) 
Sieh nur zu, daß wenn du heimkommst, deine Mutter dich noch kennt! –
Doch wohlan, betagte Schwestern, machen wir's zuvor uns leicht!
(Sie legen die Oberkleider ab. Gegen das Publikum) 
[...] Laß dir nun, Bürgervolk, sagen ein verständig Wort,
Das der Stadt frommen mag!
Sie verdient's, denn auf erzogen hat sie mich in Prunk und Lust!
Sieben Jahr alt trug ich schon
Herses Heiligtum beim Fest,
Mit zehn Jahren mahlt' ich dann
Opfermehl der Artemis,
Ward im Safrankleid in Brauron ihr geweiht beim Bärenfest,
Ward sodann als hübsche Jungfrau
Festkorbträgerin,
In der Hand die Feigenschnur!
[...] Sollt' ich nun der Stadt nicht dienen, wenn ich kann, mit gutem Rat?
Zwar ich bin ein Weib, doch seht ihr, hoff' ich, drum nicht scheel mich an,
Wenn ich Bess'res biet', als was ihr alle Tage seht und hört:
Steur' ich doch mein Teil zum Ganzen, meine Söhne bring' ich dar!
Aber ihr, elende Greise, steuert nichts: ihr habt sogar
Durchgebracht die ›Persersteuer‹, die die Väter euch vererbt,
Und aus eigenem Vermögen tragt ihr ohnedies nichts bei.
Ja, ihr bringt's dahin, daß nächstens wir zertrümmert untergehn.
Ihr, ihr wollt noch mucksen? – Trittst du im geringsten mir zu nah,
Mit dem ungeschlachten Holzschuh schlag' ich dir die Zähne ein!
(Die Frauen ziehn ihre Oberkleider wieder an)
[...] Bring' mich nicht in Hitze, sonst, beim Himmel,
Lass' ich meine wilde Sau los! Wart, ich will dich striegeln!
Bis der Nachbarschaft zum Schrecken du: ›Zu Hilf! Zu Hilfe!‹ schreist! –
Werft auch ihr, o Frau'n, die Mäntel wieder weg: anriechen soll
Man uns Frau'n sogleich das wilde, hitzigscharfe Temperament!
[...] Komm' mir nur einer jetzt her: der hat
Zwiebeln gegessen zum letztenmal,
Bohnen auch – schwarze – zum letztenmal!
Schimpfst du noch einmal – die Galle, siehst du, läuft mir über! –
Wie dem Adler einst der Käfer,
Nehm' ich dir die Eier aus!
[...] Pah, ich lach' euch aus, solange meine Lampito noch lebt,
Und Ismenia, die liebe, rüstige Thebanerin!
Wirb ein Kriegsheer: keines kriegst du, wenn du's zehnmal auch beschließt;
Denn du bist verhaßt, Elender, bei den Nachbarn ringsherum! –
Als der Hekate zu Ehren gestern ich ein Freudenfest
Gab und gern bei meinen Kindern hätt' ein Nachbarskind gesehn,
Gar ein artigleckres Bürschchen aus Boiotien – einen Aal:
Ja, da hieß es: ›Nein!‹ – weil euer Volksbeschluß es nicht erlaubt.
Und mit solchen Volksbeschlüssen ruht ihr nicht, bis euch einmal
Einer nimmt am Bein und niederschleudert, daß ihr brecht den Hals!