MANNHEIM



Bewertung und Kritik zu

Der fliegende Holländer

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DER FLIEGENDE HOLLÄNDER 
von Richard Wagner
Regie: Roger Vontobel 
Premiere: 24. April 2022
Nationaltheater Mannheim 

Zum Inhalt: Ein Fluch lastet auf dem Fliegenden Holländer: Bis in alle Ewigkeit muss er die Weltmeere durchsegeln, ohne jemals Ruhe zu finden. Nur alle sieben Jahre darf er an Land, um eine Frau zu suchen, die ihn durch bedingungslose Liebe von seinem Schicksal erlöst. In der verträumten Senta – auch sie eine Ruhelose, die sich in eine von wirtschaftlichen Interessen bestimmte, bürgerliche Welt nicht einfügen will – findet er endlich, was er so lange suchte: Treue bis in den Tod.

Auf die Sage des Fliegenden Holländers war Richard Wagner 1838 durch Heinrich Heines »Memoiren des Herren von Schnabelewopski« gestoßen. Nach einer stürmischen Überfahrt von Riga bis London – Wagner befand sich wieder einmal auf der Flucht vor Gläubigern – wählte er den Stoff für seine nächste Oper und begann die Komposition unter dem noch frischen Eindruck der unberechenbaren Kraft des Meeres. Vor der Folie dieser wilden Natur entfaltet Wagner im »Holländer« die Utopie einer ins Transzendente weisenden Liebe als Gegenentwurf zu dem von Industrialisierung und Ökonomisierung geprägten Zeitgeist des 19. Jahrhunderts – und findet damit zu einem der zentralen Themen seines Opernschaffens.

Knochenarbeit oder Der Tod und die Mädchen

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KNOCHENARBEIT oder DER TOD UND DIE MÄDCHEN 
von Vanessa Stern
Premiere (Online): 26. Juni 2021
Nationaltheater Mannheim 

Zum Inhalt: Drei Maden haben es satt. Sie wollen auch mitmischen in der postindustriellen Ökonomie der Anreicherung von Waren mit Geschichten und Traditionen. Schließlich wissen sie Bescheid und haben sich nicht nur jahrelang mit Friedrich Schiller auseinandergesetzt, sondern ihn auch zersetzt, bis auf die Knochen. Ihnen würde niemals eine Verwechslung von Schillers Schädel mit dem einer alten, buckligen Hofdame unterlaufen! Das Problem ist nur: keiner sieht sie, keiner hört sie, keiner gibt ihnen eine Bühne – also schreiben sie selbst einen Projektantrag, der Hand und Fuß hat, und schreib erst mal einen Projektantrag, wenn Du eine Made bist! Da muss man sich Hand und Fuß erst mal erarbeiten! 200 Jahre lang sind sie jeden Buchstaben mit Tinte auf ihren Leibern einzeln abgekrochen. Aber es hat sich gelohnt. Jetzt sind sie hier!

Wounds Are Forever (Selbstporträt als Nationaldichterin)

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WOUNDS ARE FOREVER (SELBSTPORTRÄT ALS NATIONALDICHTERIN) 
von Sivan Ben Yishai
Regie: Marie Bues 
Premiere: 23. Juni 2021 
Online-Premiere: 24. Juni 2021 
Nationaltheater Mannheim
Berlin-Premiere: 8. Juni 2022
Deutsches Theater Berlin 

Berliner Autor:innentheatertage (2022) 

Zum Inhalt: Die Reise – oder nein: der Ritt beginnt an einer Straßenecke in Jaffa, Tel-Aviv. Das Jahr: 2014, die Zeit: vier Uhr morgens, die Heldin: Sivan Ben Yishai – Moment mal: Sivan? Die Autorin Sivan Ben Yishai? Ja, genau die. Die ehemalige Hausautorin Sivan Ben Yishai. Auf dem Rücken einer Deutschen Schäferhündin reitet sie durch Raum und Zeit, durch die Abgründe, Verstrickungen und Verbrechen der deutsch-israelisch-palästinensischen Geschichte. Von Jaffa 2014 ins Jahr 1938 in Deutschland, von Kuba an die russische Front, von Slowenien nach Mailand, durch das Mittelmeer nach Palästina. Von der Autorin verwandelt sie sich in eine Holocaustüberlebende, in eine sowjetische Partisanin, in eine Asylsuchende unter Wasser, in eine überzeugte Zionistin, in eine von Kopf bis Fuß bandagierte, mit Orden und Waffen behängte Kriegerin; Opfer und Täterin zugleich, Anklagende und Angeklagte, über allem stehend und mit allem verstrickt. Ihr zur Seite stehen ihr die Schäferhündin, eine tote, klagende Klezmerin und ein Kaleidoskop von Stimmen, Erfahrungen und widersprechende Perspektiven, die ihre Geschichte miterzählen. »Wounds Are Forever« ist Spurensuche und Selbstbefragung zugleich; das Offenlegen der individuellen Wunden macht die kollektiven Wunden sichtbar. Brutal, komisch, rasant und politisch schreibt sich Sivan Ben Yishai das 20. und 21. Jahrhundert auf den eigenen Körper. Nach der Uraufführung ihres Stückes »Liebe / Eine argumentative Übung« ist dies ihre zweite Arbeit für das Supranationaltheater Frauheim, dessen Hausautorin sie in der Spielzeit 2019/20 war.

Mailles

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MAILLES 
Tanz-Performance von Dorothée Munyaneza
Premiere: 23. Oktober 2020 (Charleroi, Belgien) 
Deutschland-Premiere (Online): 21. Juni 2021 (Nationaltheater Mannheim) 
Berlin-Premiere: 14. August 2021 (Volksbühne Berlin) 

Zum Inhalt: Die Musikerin und Choreografin Dorothée Munyaneza bringt sechs Schwarze Frauen zusammen, die ihr in ihrer künstlerischen Laufbahn begegnet sind. Sie alle kommen aus unterschiedlichen Ländern. Bei der Begegnung bilden sie mit ihren individuellen Geschichten einen Chor aus verschiedenen Sprachen und Erinnerungen. Was verbindet diese Frauen? Gibt es eine weibliche Kraft, die über die Grenzen von Kulturen und die länderspezifischen Unterschiede hinaus wirkt? In der Verflechtung ihrer Lebensläufe entsteht ein kollektiver Körper, in dem sich das Universelle im Intimen manifestiert. Die sechs Frauen weben zusammen einen Teppich aus Freude und Resilienz. In früheren Arbeiten hat Dorothée Munyaneza oft ihre eigene Vergangenheit, den Völkermord in Rwanda und die Kriegsverbrechen an Frauen zum Thema gemacht. Mit »Mailles« verschafft sie anderen Frauen Gehör und Raum. Im Programm der 21. Internationalen Schillertage läuft eine Aufzeichnung der Inszenierung als Theater-Stream.

Die Jungfrau von Orleans

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DIE JUNGFRAU VON ORLEANS 
nach Friedrich Schiller
Regie: Ewelina Marciniak 
Online-Premiere: 17. Juni 2021 
Bühnen-Premiere: 22. Juni 2021 
Nationaltheater Mannheim 

Eingeladen zum 59. Berliner Theatertreffen (2022)  

Zum Inhalt: Gotteskriegerin, Bauernmädchen mit Halluzinationen oder Rebellin? Die historische Jeanne d’Arc wurde erst zur Heerführerin ernannt, dann als Hexe verbrannt und schließlich zur Heiligen verklärt. Wer war diese junge Frau, der es gelang, einem autoritären System die Stirn zu bieten und eine ganze Gesellschaft mitzureißen? War sie fanatisch, durchtrieben oder entschlossen? In der »romantischen Tragödie« von 1801 zeigt Friedrich Schiller seine »Jungfrau von Orleans« als Zerrissene zwischen ihrer Mission und ihren eigenen Gefühlen. Heldinnen dürfen nicht lieben – und nicht scheitern. Schiller erfindet ein alternatives Ende und lässt Johanna heroisch auf dem Schlachtfeld fallen. Seine Version des Mythos von Jeanne d'Arc nimmt die junge polnische Regisseurin Ewelina Marciniak zum Anlass, über heldische und einflussreiche Frauen heute nachzudenken. Wer sind die Johannas der Gegenwart? Soldatinnen? Aktivistinnen? Und wie geht unsere Welt mit ihnen um? In ihrer Heimat Polen ist Ewelina Marciniak bereits ein Regiestar. Seit 2018 arbeitet sie auch an deutschen Theatern, u. a. am Hamburger Thalia Theater und am Theater Freiburg. Ihr Interesse an neuen Erzählformen verbindet sie mit der Erforschung weiblicher Perspektiven auf Theatertexte.

Maria Stuart

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MARIA STUART 
von Friedrich Schiller
Regie: Claudia Bauer 
Premiere: 20. Juni 2019 
Nationaltheater Mannheim 

Zum Inhalt: Maria Stuart, Königin von Schottland, wird der Beihilfe an der Ermordung ihres Mannes verdächtigt. Sie flieht nach England und sucht Schutz bei ihrer entfernten Verwandten Elisabeth, der Königin von England. Diese sieht in Maria jedoch vor allem die politische, intellektuelle und erotische Konkurrentin. Sie lässt Maria einsperren und verurteilt sie zum Tode.
Schillers Drama zeigt die letzten Tage im Leben der Maria Stuart. Noch einmal versuchen gleich mehrere Männer, die schottische Königin zu retten. Drei Tage lang wankt Elisabeth. Wie die Erzfeindin aus dem Weg schaffen, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen? Die beiden Frauen behaupten sich in einem von Männern erschaffenen System, indem sie zugleich zum Spielball der Macht werden. Ist »weibliche Politik« nur so denkbar – durch Anpassung an die Regeln des Patriarchats? Claudia Bauers Inszenierung zeigt die beiden Frauen als Akteurinnen und Getriebene zugleich und Schillers Stück als Spiel um die Frage: Was bedeutet es, die Königin zu sein?


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