Stage Musicals

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Bewertung und Kritik zu

GESPENSTER oder DENKWÜRDIGKEITEN EINES NERVENKRANKEN 
nach Henrik Ibsen
Regie: Philipp Preuss 
Premiere: 31. März 2018 
Schauspiel Leipzig
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Zum Inhalt: Ein nicht enden wollender Regen verschleiert düster den Landsitz der Familie Alving, als Osvald, der Sohn des Hauses, schlaftrunken aus Paris heimkehrt. Anlass seiner Rückkehr ist die Einweihung eines Kinderasyls zu Ehren seines verstorbenen Vaters. Mit dieser Stätte soll die Erinnerung weggerückt werden und Osvald nie erfahren, welch einen Abgrund die Ehe seiner Eltern barg. Als sich die Geschichte aber zu wiederholen droht und Osvald mit dem Stubenmädchen, das ihm näher steht, als er zu glauben vermag, anbandelt, beschließt seine Mutter, dies zu verhindern. Doch die Vergangenheit scheint bereits zu deren unwiderruflicher Zukunft geworden zu sein: Osvald wurde attestiert, dass seit seiner Geburt etwas Wurmstichiges in ihm hause. Er wird eingeholt von der Krankheit des Vaters, aber vielmehr noch von den Geistern der Vergangenheit. Eine Hinterlassenschaft, derer man sich nicht entledigen kann.

Dieser fiktiven Familiengeschichte steht die reale der Leipziger Familie Schreber gegenüber. Auch Daniel Paul Schreber, Sohn des berühmten Pädagogen und Arztes Moritz Schreber, scheint die Vergangenheit befallen und eingenommen zu haben. Sein Geist wird zersetzt von einer überbordenden Macht, von Zellen, Stimmen und Visionen. Halluzinationen hält er für übersinnliche Wunder, nicht für die Ausgeburt seiner Phantasie. Festgehalten hat er seine jahrzehntelange Erkrankung, die Klinikaufenthalte sowie detailreiche Beschreibungen seiner Wahnbilder in den „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“.

Regie: Philipp Preuss 
Bühne & Kostüme: Ramallah Aubrecht 
Live-Video: Konny Keller 
Musik: Kornelius Heidebrecht 
Dramaturgie: Christin Ihle 
Licht: Carsten Rüger

TRAILER


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Familiendrama und Geistespsychosen
  · 07.05.18
''Preuss lässt in den Ibsenszenen den Plot um den Bau eines Waisenheims zur Verwischung des amoralischen Lebenswandels des alten Alving, der mit seinem Dienstmädchen ein uneheliches Kind zeugte, recht werkgetreu spielen. Jene Regine (Julia Preuß) lebt nun im Haushalt der Alvings. Der heimgekehrte Sohn Osvald (Felix Axel Preißler) hat ein Auge auf sie geworfen, was dessen Mutter Helene (Anna Keil) die Gespenster der Vergangenheit in ihnen sehen lässt. Tischler Engstrand (Tilo Krügel), der Helene gegen Geld als sein Kind angenommen hat, versucht aus seinem Wissen Kapital für ein Seemannsheim zu schlagen, während Pastor Manders (Markus Lerch) im schwarzen Talar den bigotten Verdränger der Schuld und Erhalter der alten Moralvorstellungen gibt. 

In den gemeinsamen Gesprächen zucken alle in slapstickartigen Turnübungen, wie um einerseits den von Schreber senior propagierten Bewegungszwang zu karikieren, anderseits aber auch die inneren Verrenkung der Figuren sichtbar zu machen. Der stete Wiederholungszwang alter Verhaltensmuster drückt sich auch in einer loopartigen Szene aus, in der bei drehender Bühne durch Helene und Osvald immer neue Champagnerflaschen geöffnet werden. Mit Andreas Keller und Denis Petković verdreifacht Regisseur Preuss schließlich sogar die Figur des Osvald. Maskentragend agieren sie wie der ewig anwesende Geist des alten Alving. Zusammen mit der hochintensiven Musik des live spielenden Levitation String Ensemble verdichtet sich der Abend zu einem düsteren Gesellschaftsbild. Nachdem der Brand des Kinderheims bekannt wird und Rauch die Bühne vernebelt, singen alle im Chor „Relex, it’s only a ghost, Relax, try to be it's host“ von Phantom/Ghost. 

Mit seinen Denkwürdigkeiten ist es Daniel Paul Schreber zumindest ansatzweise gelungen, sich seinen inneren Geistern zu stellen. Wie um ins dunkle Innere ihres Sohns Osvalds vorzudringen, versucht Helene Alving nach der Pause in einen riesigen Ballon, auf den dessen Gesicht projiziert wird, hineinzukriechen. Zu Schrebers Sonnenkult- und Naturvisionen legt das Ensemble Riemen und Gurte aus Moritz Schrebers Gruselkabinett der Körperertüchtigung an Gliedmaßen und Gesichter an. Sie imitieren dabei die Stimmen verschiedenster Vögel, die sich Sohn Schreber in seinen Wahnvorstellungen offenbarten. Der Schrei der verwirrten Seele, in dem sich für Elias Canetti und Walter Benjamin auch die Krise des 20. Jahrhunderts mit all ihren Katastrophen wiederspiegelte.'' schreibt Stefan Bock am 6. Mai 2018 auf KULTURA-EXTRA
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