Widerstand

Bewertung und Kritik zu

WIDERSTAND 
von Lukas Rietzschel
Regie: Enrico Lübbe 
Online-Premiere: 14. Mai 2021 
Schauspiel Leipzig 

Zum Inhalt: Gegenwart. Land. Eine der Gegenden, die zu lange „Die fünf neuen Bundesländer“ genannt worden sind. Viele sind weg, viele sind aber auch noch dort. Manche kommen zurück. Zum Beispiel Isabell. Um mal zu schauen, wie es den Eltern geht. Denn die sind noch da.
Die Arbeit? Ist schon auch weg. Zumindest die gewohnte Arbeit. Neue Arbeit ist eigentlich genug da. Paketdienst geht immer. Die Frage ist, ob die alten Beziehungen und Freundschaften noch da sind. Zwischen Isabell und ihren Eltern, ihrem Schulkameraden, zwischen Isabell und der neuen Freundin des Vaters.
Die Häuser sind abbezahlt, oder sie sind viel zu groß, um sie allein zu unterhalten. Denn Alleinsein, das ist auch so ein Thema. Man begegnet sich auf der Straße, man grillt, abends sitzt man in der Garage zusammen beim Bier. Aber in dem, was geredet wird, verbirgt sich viel an Ungesagtem. Manches wird auch gar nicht erst gesagt, sondern gleich verschwiegen. Die Suche nach Nähe führt nicht nur Isabell immer wieder zur Mutter, aber die ist eh fast nicht mehr da.

Sprachlosigkeit wird greifbar, und Verständnislosigkeit. Zwischen den Generationen, innerhalb der Generationen. Sehnsucht wird greifbar, Unsicherheit. Begründet liegt die Unsicherheit in den Figuren selbst, nicht so sehr in den Umständen (den realen und den gefühlten). Auch, wenn das den Figuren lieber wäre. Umso mehr stellen sich manche die Frage, ob die früheren Zeiten nicht doch bessere waren und wie man auf die neuen Zeiten reagieren sollte. Will man sich wieder alles gefallen lassen? Denn Widerstand, den hat man doch jetzt gelernt, heißt es in der Garage: „Da gibt es tausend Möglichkeiten. Heute sowieso.“

Regie: Enrico Lübbe
Dramaturgie: Torsten Buß
Bühne: Hugo Gretler
Kostüme: Teresa Vergho
Musik: Peer Baierlein
Video: Kai Schadeberg
Licht: Thomas Kalz
Theaterpädagogische Betreuung: Babette Büchele


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Düsteres Porträt abgehängter Regionen und politischer Radikalisierung
  · 14.05.21
Raunende Stimmen aus dem Off begleiten Isabells Rückkehr ins Elternhaus. Lukas Rietzschel schildert in seinem Auftragswerk, das er für die Diskothek des Schauspiels Leipzig schrieb und das coronabedingt als Theaterfilm online uraufgeführt werden musste, Tristesse pur. An einem namenlosen Ort irgendwo tief in der ostdeutschen Provinz, ohne jegliche wirtschaftliche Perspektive, den alle Jüngeren und besser Gebildeten verlassen haben, regiert das Gefühl, abgehängt und verlassen zu sein.

Lukas Rietzschel, der in Görlitz lebt und 2018 mit seinem Roman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ bekannt wurde, zeichnet in diesem Auftragswerk ein düsteres Bild abgehängter ostdeutscher Regionen und politischer Radikalisierung.

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