k. ein Internet-Projekt

Bewertung und Kritik zu

K. EIN INTERNET-PROJEKT
nach Texten von Franz Kafka
Regie: Philipp Preuss 
Premiere: 4. April 2020
Schauspiel Leipzig 

Zum Inhalt: Eine neue Spezies Mensch ist derzeit im Entstehen beobachtbar: das „Zoon Zoomicon“ – auf Videokonferenzplattformen tummeln sich Heimarbeiter, Partygänger, isolierte Existenzen auf der Suche nach einer Struktur, immer wieder unterbrochen durch Verbindungsschwankungen, Bildstörung, kommunikatives Stottern.
So sucht auch K., der Protagonist aus Kafkas „Schloss“, im Dorf nach Zugängen, Wegen, Netzknoten, Verbindungen zu den Bewohnern. K.s Irrlauf durch die Welt des Schlosses wird zu einer surrealen Parabel auf die neu entstandene hermetische Welt der Isolation. K. versucht, die Regeln der „Fearology“ zu entschlüsseln, die die Medien der Stunde generieren.

Mit: Alina-Katharin Heipe, Roman Kanonik, Anna Keil, Andreas Keller, Markus Lerch, Marie Rathscheck, Felix Axel Preißler, Annett Sawallisch

Regie: Philipp Preuss
Kostüme: Eva Karobath
Video/Moderation: Konny Keller
Musik: Kornelius Heidebrecht
Dramaturgie: Georg Mellert


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Videokonferenz im Internet
  · 05.04.20
''Seine Not mit der Isolation hat auch Kafkas Romanfigur, der Landvermesser K., der als Fremder in ein Dorf kommt und sein Ziel, das Schloss, wo er seine Auftraggeber wähnt, nicht erreichen kann. Ein typisches Kafka-Sujet, das der momentanen Situation vieler im Homeoffice oder in Quarantäne Befindlicher sehr nahe kommt. So sitzt man dann auch allein vor dem Bildschirm und schaut zunächst auf die leeren Sitze im Zuschauerraum, bis Musiker Kornelius Heidebrecht auf dem Klavier zu spielen beginnt. Eine melancholische Melodie, die gut zum winterlichen Hintergrund mit andauerndem Schneetreiben passt.

Davor öffnen sich dann nach und nach weitere Videofenster, in denen K. (Felix Axel Preißler) mit Pelzkragen und andere Romanfiguren auftauchen und Kafkas Texte sprechen, die sich um die Ankunft des Landvermessers im Dorf drehen. Auch das Internet ist ja so eine Art globales Dorf, in dem man nicht überall Zugang erhält und sich auch mal recht verloren vorkommen kann. Hier erscheinen immer wieder handelnde Figuren, wie die beiden Gehilfen, der Dorfsekretär, Hr. Klamm, Frieda oder Barnabas, der Bote des Schlosses schemenhaft oder mit animierten Masken überblendet in den parallel geschalteten Videofenstern auf.

Das wirkt fürs erste noch etwas provisorisch und wackelig, die Ästhetik der kleinen Videospielerei ist aber durchaus ansprechend gemacht und vermittelt auch ganz gut das kafkaeske Feeling, dem man sich nun in den nächsten drei Folgen weiter hingeben kann.'' schreibt Stefan Bock am 5. April 2020 auf KULTURA-EXTRA
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Ruckelndes , tastendes Online-Experiment
  · 04.04.20
Meist sind nur die Konturen des Hauptdarstellers Felix Alex Preißler als „K.“ klar auf dem Bildschirm zu erkennen. Seine Gehilfen, der Wirt, Frieda und der Dorfsekretär bleiben schemenhaft oder sind gar nur als Stimmengewirr zu hören. „K.“ bekommt seine Umgebung nicht zu fassen und muss sich in der fremden Wirklichkeit ebenso völlig neu orientieren und nach Halt suchen wie wir alle in der Corona-Pandemie.

Der erste Teil der „K.“-Serie folgt dem Protagonisten zu sanfter Klaviermusik durch einen Schneesturm. Das Format steckt sichtlich noch in den Kinderschuhen, die Bilder ruckeln gewaltig, vom Live-Theater-Erlebnis oder der Bildqualität eines Kinoabends ist dieses aus der Not geborene Experiment noch weit entfernt.

Das Publikum ist eingeladen, den „K.“ beim Herumirren zu begleiten und mitzuerleben, wie sich das Schauspiel Leipzig an neue Live-Formate im Netz herantastet. Vielleicht reift das Projekt in den kommenden Wochen noch heran.

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