Don Karlos

Bewertung und Kritik zu

DON KARLOS
von Friedrich Schiller
Regie: Jürgen Flimm
Online-Premiere: 18. Dezember 2020 
Schauspiel Köln 

Zum Inhalt: Der Ausruf des Marquis von Posa »Geben sie Gedankenfreiheit, Sire« ist nicht nur der Schlüsselsatz des Dramas Königin Elisabeth, sondern mittlerweile auf so mancher Corona-Demo zu vernehmen. Auch die politische Dimension der spanischen Inquisition, ihre Instrumente der Unterdrückung und Verschleierung zur Machterhaltung finden sich in abgewandelter Form derzeit wieder, schaut man nach Belarus oder in die USA. Von der Aktualität des Stoffes ist im Spanien des 16. Jahrhunderts noch nichts bekannt. Dort wüten Glaubenskriege und am Hof die Familientragödie.

Königin Elisabeth ist unglücklich in seine Stiefmutter verliebt. Ursprünglich war Elisabeth von Valois ihm versprochen, bis sie in die politisch motivierte Ehe mit seinem Vater, König Philipp II., einwilligte. Dieser entzieht Königin Elisabeth nicht nur die Frau, sondern auch die Chance auf politische Verantwortung. Da taucht sein Jugendfreund Marquis von Posa auf. Der glühende Idealist hofft, einen Mitstreiter zu finden, der die Flandrischen Provinzen von der spanischen Krone befreit. Es entspinnt sich eine Serie an Intrigen, die Eifersucht und Einsamkeit befeuert und die moralische Überzeugung vor dem unterdrückten Wunsch nach Macht zurücktreten lässt.

Regie: Jürgen Flimm
Bühne: George Tsypin
Kostüm: Polina Liefers
Video: Rocafilm
Licht: Michael Gööck
Dramaturgie: Lea Goebel
Komposition, Live-Musik: David Schwarz


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Ausgedünntes Historiendrama
  · 19.12.20
Die Inszenierung kommt nicht über ein auf zwei Stunden ausgedünntes historisches Kostümdrama hinaus, ein überzeugender Zugriff fehlt, so dass der Abend als <viertelironische Kolportage> endet.. Marek Harloff und Bruno Cathomas bleiben in den Hauptrollen blass.

Wie Andreas Willink auf Nachtkritik treffend beschrieben hat, verkümmert Harloffs &quot;Don Karlos&quot;zu einem verunsicherten <Schreihals> mit <jämmerlichem Aufbegehren, pubertärem Wallen, sich entblößender Emphase und stotternd weinerlichem Ich-Tamtam>, Bruno Cathomas wirkt wie ein <Zirkusdirektor>  und muss sich mit großem Pathos selbst auspeitschen.

Am Ende gibt es als Bonus einen kleinen Auftritt des Comedians Ralph Morgenstern, dessen Karriere auf Kölner Off-Bühnrn begann, in der Rolle des Großinquisitors.
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