Tinder – Das Musical

Bewertung und Kritik zu

TINDER
Das Musical
Regie: Ingmar Otto 
Premiere: 5. April 2019 
Kammertheater Karlsruhe

Zum Inhalt: Traum_Klaus_42 sitzt auf einer Forschungsstation in der Arktis, die nächste Frau, die ihn treffen möchte, ist 578 km entfernt. Sie verabreden sich lose, er weiß nicht, wann er weg kommt, bis dahin zwitschern Emojis durch die Stratosphäre. Camilla sitzt in einem Café, Tinder zeigt ihr 827 Treffer in einem Umkreis von zwölf Metern an, sie guckt sich um und kann sich mit keinem dieser Männer einen gemeinsamen Kaffee vorstellen. Also bestellt sie sich einen Single Malt auf Eis. Im gleichen Café sitzt Sabine. Sie trifft auf Tinder die Liebe ihres Lebens, nur einen Meter fünfzig entfernt, Rainer, den sie vor zwanzig Jahren geheiratet hat. Und hoch oben, über all den sich „wegswipenden“, den „raus oder in ihr Leben“ wischenden, auf Matchjagd surfenden Tinder-Nutzern, fliegen Tasja und Eric gemeinsam in ihren ersten gemeinsamen Urlaub, ganz real, mit echter Sonne, echtem Sand und echter Liebe... und alles nur, weil Eric sich vertippt hat. Der Mensch, ständig ist er auf der Suche: nach seinen Autoschlüsseln, dem Traumjob, einer neuen Wohnung. Vor allem aber nach der großen Liebe. Nie gab es so viele Singles wie heute, jeder fünfte Deutsche lebt allein. Laut einer Studie des Hamburger Analyse-Instituts Nielsen nutzen inzwischen die Hälfte der Singles Flirt-Portale wie Tinder – achtmal so viele wie vor zehn Jahren. Wie es sich mit der Liebe verhält, wenn sie von der virtuellen in die reale Welt übergehen soll, besingen die sieben Figuren mal rockig, mal gefühlvoll in dieser von Kammertheater-Intendanten Ingmar Otto eigens für die Bühne des Kammertheaters geschriebenen Musical-Komödie.

Mit: Oliver Hoß, Nina Links, Nele Neugebauer, Markus Schöttl, Casandra Schütt, Daniela Tweesmann und Lena Weiss sowie der Band mit David Epremian/Nicolas Mischke (Keys), Simon Zimmer (Gitarre), Miriam Raab/Marco Maier (Bass) und Philipp Walker/Nils Drixler (Drums) u.a. 

Text & Inszenierung: Ingmar Otto 
Musikalische Leitung: Stephan Ohm 
Choreografie: Patrick Nitschke 
Ausstattung: Michael Hofer-Lenz 


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  · 21.05.19
''Die fünf Laura Loves schwärmen von den Vorzügen und dem Abenteuerflair von Tinder. Sie befragen forsch das peinlich berührte Publikum nach den Erfahrungen bei der Nutzung der Dating-App. Bald kommen sie mit einer im Publikum platzierten „Raffaela“ ins Gespräch und bitten später sogar einen jungen Herrn aus den Zuschauerreihen auf die Bühne. Der recht vielversprechende und unverhoffte Anfang weicht alsbald ein bisschen altbackenen Liebesplänkeleien. Die fünf Darstellerinnen Nina Links, Nele Neugebauer, Casandra Schütt, Daniela Tweesmann und Lena Weiss wechseln flugs die Kostüme. Sie spielen nicht nur Laura Love, sondern verkörpern nacheinander verschiedene liebeshungrig sehnsüchtige Nutzertypen der App. Ihnen zur Seite stehen originelle Pappmaschee-Männerfiguren und bald auch reale, flirtfreudige Männer (Oliver Hoß, Markus Schöttl), die recht konventionelle Klischees bedienen. 

Neben Alice Merton werden auch Songs von Tonbandgerät „Mein Herz ist ein Tourist“, der 2018er Grand-Prix-Gewinner „Toy“ von Netta aus Israel und „Bück dich hoch“ von Deichkind bemüht. Wechselnde Tanzchoreographien und Bühnenbilder, stylishe Projektionen, eingängige Live-Musik und solide Gesangsleistungen täuschen nicht über einen recht vorhersehbaren Plot hinweg. Die Charaktere werden kaum tiefer entwickelt. Probleme von Dating-Apps wie der Hang zur Selbstdarstellung, Stalking oder das Schummeln bei Alter, Gewicht oder Beruf werden im kurzweiligen und temporeichen Musical kaum thematisiert. Die Verwicklungen rund um die schönste Sache der Welt bleiben recht harmlos und werden in leicht verdaulichen Häppchen erzählt. Am Ende darf das Publikum über das Glück eines zentralen Paares mit abstimmen. Gemäß der geradezu für Tinder werbenden Behauptungen im Programmheft, dass ein Drittel aller Hochzeiten durch Online-Dating zustande kommen und Paare länger zusammenbleiben, wenn sie sich über Online-Portale kennengelernt haben, findet auch im Musical versöhnlich (fast) jedes Töpfchen sein Deckelchen.'' schreibt Ansgar Skoda am 20. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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