Die Politiker

Bewertung und Kritik zu

DIE POLITIKER
von Wolfram Lotz
Regie: Marie Bues 
Premiere: 27. September 2020 
Schauspiel Hannover

Zum Inhalt: „Die Politiker die Politiker die Politiker / die Politiker – / Die Politiker die Politiker die Politiker / die Politiker die Politiker – / Die Politiker gehen die verschneiten Abhänge hinab / ich sehe sie aus der Entfernung / Was haben sie vor?“ So beginnt das Theatergedicht von Wolfram Lotz. In poetischen Sprachbildern und musikalischen Wortkaskaden beschreibt der u.a. mit dem deutschen Dramatikerpreis ausgezeichnete Autor die an die Bezeichnung „Politiker“ gebundenen Erwartungshaltungen. Immer tiefer bohrt sich das, was die Politiker können, müssen, dürfen, sollen, nicht sollen und nicht dürfen und überhaupt nicht dürfen, durch das Gehör ins Gehirn und setzt sich bis ins Private fort. Ohne Punkt und Komma fragt Lotz nach unserer eigenen Verantwortlichkeit und der von denen da oben und verwischt diese Grenzen in der nächsten Zeile gleich wieder mit Wumms und Verve. Ein eiskalter Platzregen unbändiger Sprache mit einem Furor, einer Not, einer Trauer und – einem übermütig hüpfenden Witz. Lotz denkt und redet und lacht an gegen Vorurteile und ruft dazu auf, Schuld nicht bei anderen zu suchen und Verantwortung zu deleg­ieren, sondern selbst zu handeln. Der Text ist ein Hilferuf aus der Quarantäne, deren Einsamkeit nur kurz vom Besuch einer Katze unterbrochen wird. 

Mit Bernhard Conrad, Bärbel Schwarz

Regie: Marie Bues
Bühne: Carolin Gödecke
Kostüme: Lara Nikola Linnemeier
Dramaturgie: Barbara Kantel


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Entschleunigte Version funktioniert nicht
  · 22.12.20
Im Sommer 2019 hetzte Cordelia Wege in höllischem Tempo und sprachakrobatisch durch die Uraufführung dieses Textes von Wolfram Lotz am DT Berlin. In einem halbstündigen Solo pflügte sie durch die knapp 100 Textseiten. Nach zwei zähen <Lear>-Stunden, die wie auf Valium dahinplätscherten, war dieser <Hallo, wach>-Nachklapp die Inszenierung von Sebastian Hartmann.

Ein Jahr später versucht es Marie Bues mit einer entschleunigten Version, die fast drei Mal so lange dauert, mit ein paar Stand-up-Comedy-Einlagen aufgelockert und von Songs unterbrochen wird. Die surrealen, dadaistischen Verse verlieren viel von ihrem Reiz. Der Text wirkt, in normalem Tempo gesprochen, <breitgetreten>, wie Jan Fischer auf Nachtkritik treffend feststellte. Die Reime holpern und klappern.
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