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Bewertung und Kritik zu

IVANOV
von Tschechow
 
Regie: Karin Beier 
Premiere: 18. Januar 2020 
Deutsches Schauspielhaus Hamburg 

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Zum Inhalt: „Was ist los mit mir?“, fragt Ivanov seinen Nachbarn Pavel Lebedev. Ivanov versteht sich selbst nicht mehr. Früher hat er sich sozial engagiert, ließ Schulen bauen, setzte sich für politische Reformen ein. Mittlerweile ist ihm das alles egal, das ganze Leben ist ihm egal, selbst die hohen Schulden, die sein Gut belasten, rütteln ihn nicht wach. Einst hat er seine Frau Anna geliebt, die wegen dieser Liebe von ihrer jüdischen Familie verstoßen und enterbt wurde. Jetzt liebt er sie nicht mehr, kann sie nicht mehr lieben, obwohl er weiß, dass sie bald an Tuberkulose sterben wird. Genervt von den bedrückenden Verhältnissen zu Hause treibt es ihn abends aufs Nachbargut der Lebedevs. Zwischen deren Tochter Saša und ihm bahnt sich eine Liebelei an, doch sobald Ivanov mit ihr zusammen ist, möchte er allein sein, treibt es ihn wieder fort. Ivanov quält eine ziellose Energie, eine seelische Leere. Das provoziert seine Umwelt, die er gleichermaßen fasziniert und abstößt, wobei sich hinter dieser Fixierung auf ihn verbirgt, was diese Gesellschaft selbst aushöhlt, unterminiert: Ivanovs psychische Labilität spiegelt die Kälte, die Aggression, den Egoismus und die Kopflosigkeit einer Welt, die Zukunftsängste plagen, die spürt, dass ein grundlegender Wandel notwendig wäre, sich aber überfordert fühlt, die die Orientierung verliert und so in der Hoffnungslosigkeit landet.

Mit: Paulina Alpen, Lina Beckmann, Jonas Hien, Vlatko Kucan, Eva Mattes, Angelika Richter, Eva Maria Nikolaus, Bastian Reiber, Maximilian Scheidt, Ernst Stötzner, Devid Striesow, Aenne Schwarz, Samuel Weiss und Michael Wittenborn

Regie: Karin Beier
Kostüme: Astrid Klein
Mitarbeit Kostüme: Janin Lang
Mitarbeit Ausstattung: Selina Puorger
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Annette ter Meulen
Choreografie: Thomas Stache
Dramaturgie: Rita Thiele


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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Lethargische Tschechow-Figuren mit Comedy-Einsprengseln
  · 16.11.20
Das Innenleben der Figuren ist so leer wie die kahle Bühne, auf der sich das große, mit Stargästen wie Eva Mattes und Devid Striesow gespickte Ensemble tummelt. Einer spricht dies immer wieder aus und versucht, sich und den anderen den Spiegel vorzuhalten: Nikolaj Aleksejevitsch Iwanow, den Striesow in manchen Momenten etwas zu zappelig anlegt, wie Wolfgang Höbel in seiner SPIEGEL-Rezension zurecht kritisierte.

Den stärkeren Eindruck hinterlassen deshalb deshalb die Frauen: Josefine Israel, die von Aenne Schwarz die Rolle der jungen Braut Sascha übernommen hat, und trotzig aufstampfend darauf beharrt, dass man anders leben müsse; Angelika Richter, die hustend und zombiehaft als seine an Tuberkulose erkrankte Frau Anna Petrowna über die Szenerie geistert; Eva Mattes, die als seine künftige Schwiegermutter Sinaida Sawischna so patent wirkt, wenn sie tonnenweise Stachelbeerkonfitüre heranschleppt, sich aber als berechnende alte Hexe entpuppt; oder natürlich Lina Beckmann, die große Komödiantin im Ensemble, die aus ihrer kleinen Nebenrolle eine typische Lina Beckmann-Figur macht.

Beckmann, aber auch Bastian Reiber und Michael Wittenborn garantieren dafür, dass der Abend nicht in Tschechow-Melancholie versinkt. Mit ihren kleinen Comedy-Einlagen lassen sie immer wieder die Komödie durchschimmern, als die „Ivanov“ von Tschechow ursprünglich angelegt war, bevor er das Stück überarbeitete und schließlich unter der Gattungsbezeichnung Tragödie veröffentlichte.

Das erlesene Ensemble aus Publikumslieblingen des Hauses und eingeladenen Stars kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser „Ivanov“ von Karin Beier dieselbe Schwierigkeit wie so viele Tschechow-Abende hat: Wie kann man von der Lethargie, Oberflächlichkeit und inneren Leere erzählen, ohne dass die Inszenierung in tiefe Spannungslöcher fällt und sich die knapp drei Stunden oft ziehen wie Kaugummi?

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Tod durch Erschöpfung
  · 19.01.20
''Unvermittelt lässt Karin Beier das Stück, in das sie mit ihrer Dramaturgin Rita Thiele behutsam ein paar Fremdtexte montiert hat, nach seiner Einleitung mit Musik, Choreographie, Licht und Haltungen ins Groteske kippen. Ob das die Sicht Ivanovs oder der Regisseurin ist, bleibt offen. Jedenfalls wird die Gesellschaft, an der Ivanov krankt, somit in scharfen Kontrast zu ihm selbst gesetzt. Sie wirkt wie ein Albtraum.

Nach der Pause erklingt bruchstückhaft die Warschawjanka. Kündigt das Revolutionslied den bei Tschechow immer nur geahnten Umbruch an? Ivanov jedenfalls wird ihn nicht erleben. Ehe er sich erschießt – in Hamburg hat man sich, anders als Peter Zadek in Wien, für die spätere Version entschieden –, vollzieht das großartige Ensemble eine Art Totentanz. Tschechows erstes Stück ist immer noch sein deprimierendstes.'' schreibt Thomas Rothschild am 19. Januar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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