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Bewertung und Kritik zu

DER GOTT DES GEMETZELS
von Yasmina Reza
 
Regie: Karin Beier 
Premiere: 18. Dezember 2013 
Deutsches Schauspielhaus Hamburg 

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Zum Inhalt: Ferdinand verprügelt Bruno. Auf dem Schulhof. Einer hat gepetzt, einer verliert zwei Schneidezähne, und es lässt sich nicht recht nachvollziehen, welche präpubertären Verwicklungen noch in diese Aggression hineinspielten. Wieso auch? Aber die Eltern der beiden wollen es genau wissen. Sie treffen sich, um die Sache zu besprechen; um die Sache auszuräumen – wie sie meinen. Dabei beweisen sie einmal mehr, dass die angeblich sympathisch-intakten Paare zuvor ihre eigenen Probleme klären sollten. Statt der harmonisierenden, pädagogisch korrekten Aussprache ufert das Treffen aus in Schuldzuweisungen, Eheproblemen und allerlei dem Thema Gewalt innewohnenden Irrationalitäten, besonders zwischen Männern und Frauen: Gibt es gute Gewalt und schlechten Frieden? Sind Ivanhoe und Spiderman noch vorbildtauglich? Und könnten „irgendwie“ beide Seiten im Unrecht sein? Zunehmend wechseln die Bündnispartner, schließlich auch zwischen den Paaren, denn was ist schlimmer: dass die hypernervöse Annette quer über Veroniques Kunstbande kotzt, oder dass Veronique das Wohlergehen ihrer Bücher deutlich mehr am Herzen liegt als das ihrer Gäste? Dass Michel den Hamster seiner Tochter ausgesetzt hat, oder dass Alain einen Pharmakonzern mit einem gesundheitsgefährdenden Medikament juristisch vertritt, und zwar in Echtzeit, am Handy: Sticheleien, Wortgefechte, Verbalhandel, Handgreiflichkeiten, Saalschlacht.

Mit Markus John, Anja Laïs, Maria Schrader, Michael Wittenborn

Regie: Karin Beier
Bühne: Thomas Dreißigacker
Kostüme: Maria Roers
Licht: Michael Frank
Dramaturgie: Götz Leineweber

TRAILER


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Gute Unterhaltung
  · 09.05.14
Zivilisiert wolle man die Sache regeln, wie es unter guten Bürgern der Pariser Mittelschicht so üblich sei. Der Sohn von Alain (Marcus John) und Annette (Anja Lais) hatte dem Sohn von Veronique (Maria Schrader) und Michel (Michael Wittenborn) zwei Zähne ausgeschlagen. Man bat zum Gespräch bei Kaffee und Kuchen. 

Noch ist das Wohnzimmer ordentlich und sauber aufgeräumt. Noch strahlen die fünfzig, schön arrangierten, weißen Tulpen in ihren Glasvasen. Noch streitet man sich allerhöchstens über einzelne Formulierungen der Angelegenheit. Doch bald gerät die Klärung des Sachverhaltes zu einem Bohren nach Schuld und Verantwortung. Vorwürfe werden geäußert und mit Gegenvorwürfen pariert. Veronique entpuppt sich als moralisierende Gutbürgerin, die sich als letzte Instanz der westlichen Werte versteht. Alain verkörpert für sie dagegen als neureicher Pharmaanwalt, der die Wahrheit ganz nach Kundenwünschen zu verdrehen versteht, all das, wogegen sie sich zu kämpfen berufen fühlt. Annette und Michel zeigen, dass im Laufe ihres Ehelebens gelernt haben, sich mit den Haltungen ihrer Gatten zu arrangieren und schlagen sich ganz nach Bedarf mal auf die eine oder andere Seite. Dabei entlarven alle vier mit zunehmender Fortdauer des Kaffeebesuches die Oberflächlichkeit ihrer vermeintlich guten Sitten. 

Annette kotzt auf die Kunstbücher ihrer Gastgeberin, Alain pafft trotz ausgesprochenen strikten Rauchverbots direkt auf Veronique, Michel benennt die Ehe als schlimmste Prüfung der Menschen und Kinder als größte Katastrophe und Veronique bezeichnet ihren Mann als ambitionslosen Langeweiler. Zum Schluss sitzen sie betrunken, bekleckert, ermattet und ernüchtert über die ganze Bühne verstreut - ihre Zivilisationsattribute ebenso ramponiert wie sie selbst.

Karin Beier schafft es, dass die vielgespielte Komödie von Yasmina Reza endlich einmal keinen Moment des Fremdschämens für die Regie enthielt. Sie hielt es nicht für nötig, jede vermeintliche Pointe zur absoluten Erniedrigung ihrer Personen zu nutzen, weil man dies fälschlich für eine gekonnte Demaskierung dieser Gesellschaft hielt. Nein, Karin Beier lässt auch alle peinlichen Momente so gekonnt in der Schwebe, dass der Wiedererkennungswert für den Zuschauer erhalten bleibt. Das Ausweichen ins unbeschwerte Lustigmachen bleibt so verwehrt. Dass Karin Beiers intelligente, leichte Regie so gut funktioniert, liegt aber nicht zuletzt an der perfekten Besetzung. Marcus John brilliert als Macho-Selfmademan, Michael Wittenborn als bodenständiger Kriecher, der sofort die Chance zum Gegenschlag erkennt und nutzt, Maria Schrader als gutmenschelnde Moralistin und Anja Lais als scheinbar emanzipierte Ehefrau, die sich doch so gerne vom Erfolg ihres Mannes verführen lässt. Ein rundum gelungener Abend, der zeigt, wie gute, kluge Unterhaltung funktioniert.

Birgit Schmalmack vom 9.5.14
www.hamburgtheater.de
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