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Bewertung und Kritik zu

DIE PRÄSIDENTINNEN
von Werner Schwab
 
Regie: Viktor Bodo
Premiere: 3. November 2018 
Deutsches Schauspielhaus Hamburg 

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Zum Inhalt: In ihrer kleinstbürgerlichen Wohnküche kübeln Erna, Grete und Mariedl hemmungs- und schamlos ihren Welt-Frust über einander aus. Zwischen Abort-Phantasien, Papst-Sendungen und Dackelliebe erspinnen sie sich ihre Wirklichkeit, und die lustvollen, mit Ressentiments und Bigotterie gespickten Sprachattacken sind ihnen Horizont und billig buntes Jahrmarktfest zugleich. Den eigenen Dreck allerdings kehren sie lieber unter ihren Budenteppich – bis endlich Mariedl, die jüngste der drei Damen, ihre Kolleginnen mit der Wahrheit des Daseins konfrontiert. Doch so viel Realität hält keine aus ...
Abgründig, bitterböse und gnadenlos komisch seziert Werner Schwab in seinem längst zum modernen Klassiker avancierten Fäkaliendrama die Welt der kleinen Leute: „Das sind Leute, die glauben, alles zu wissen, über alle zu bestimmen. Eine Form von Größenwahn. Ich stamme aus einer Präsidentinnen-Familie.“ Der ungarische Regisseur Victor Bodo, der im Malersaal bereits »Ich, das Ungeziefer« und »Pension zur Wandernden Nase« als rasante Grotesken inszenierte, nimmt sich diesmal das irrwitzige Sprachkunstwerk Werner Schwabs vor.

Mit Lina Beckmann, Ute Hannig, Bettina Stucky

Regie: Viktor Bodo
Bühne: Ildi Tihanyi
Kostüme: Fruzsina Nagy
Musik: Klaus Von Heydenaber
Video: Marek Luckow
Sounddesign: Gábor Keresztes
Licht: Andreas Juchheim
Dramaturgie: Sybille Meier, Anna Veress

TRAILER


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3.5/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Schauspielerinnenfutter mit pointierten Dialogen
  · 09.12.18
Schwabs Farce ist nicht nur glänzend gebaut mit gut geölter Dialogmaschinerie, sondern liefert auch exzellentes Schauspielerinnenfutter. Es ist eine Freude, Ute Hannig, Bettina Stuck und Lina Beckmann dabei zuzuhören und zuzusehen, wie sie sich über ihr verkorkstes Leben beklagen, in dem eine weggeworfene Pelzmütze oder ein Farbfernseher rare Höhepunkte sind, wie sie sich in ihre Phantasien hineinsteigern und schließlich nicht nur verbal zerfleischen.

Das starke Frauen-Trio verkörpert grotesk überzeichnete Figuren: Ute Hannig gibt die streng katholische, sich selbst kasteiende, verkrampfte Erna, eine Figur, wie sie auch Ulrich Seidl knapp zwanzig Jahre später in „Paradies: Glaube“ porträtierte. Bettina Stucky sitzt breitbeinig als Grete daneben. Sie war schon immer eine „Lustige“, wirft ihr Erna als vergiftetes Kompliment vor. Außer ihrem Schoßhund hat sie niemand in ihrem Leben, ist genauso einsam wie die ständig vor sich hin seufzende Erna, redet sich aber immer noch ein, dass sie eine unwiderstehliche erotische Anziehungskraft hat. Die dritte im Bunde ist Lina Beckmann als Mariedl, ein sehr einfach gestricktes Gemüt, die vom Leben nicht mehr erwartet, als dass sie den Dreck anderer Leute abräumen darf.

Kernstück des Abends ist die Dreifach-Phantasie eines Dorffestes: mit glühenden Wangen und glänzenden Augen steigern sich die Drei in ihre Illusionen hinein, wie aufregend ihre Zukunft werden könnte. Sie rutschen nervös auf ihren Stühlen herum, fallen sich gegenseitig ins Wort und vergessen einige Momente das schäbige, verqualmte Loch, in dem sie unter Abflussrohren hausen (Bühne: Ildi Tihanyi). Ausgerechnet Mariedl ist es, die den beiden anderen ihre Illusionen wie Luftballons platzen lässt und muss dafür sterben.

Der ungarische Regisseur Viktor Bodo vertraut ganz auf die Stärke des Textes und seiner drei Spielerinnen und bietet im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses einen unterhaltsamen,  handwerklich tadellosen Abend, der mit Getrampel und „Zugabe“-Rufen belohnt wurde. Dass der Regisseur keine eigenen Akzente setzte, fällt deshalb weniger ins Gewicht.

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In der Volksküche
  · 14.01.19
In der Volksküche
 
Die "Präsidentinnen" herrschen nur über ihr kleines Reich in Ernas Küche. Hier unter dem Fernseher, der eine Rede des Papstes ausstrahlt, treffen sich die drei Frauen, um sich gegenseitig ihre strikten Glaubenssätze kund zu tun. Die heimische Küche ist ihr Revier und zugleich ihr Kampfplatz. Da ist Erna (Ute Hannig), die streng gläubige, geizige und verbitterte Mutter, deren Lieblingsklagen sich um ihren missratenen Sohn Hermann ranken: Ein Alkoholiker, der sich dem "Verkehr" mit Frauen verweigert und damit die Hoffnung auf Enkelkinder seiner Mutter zunichte macht. Daneben sitzt die sinnenfrohe Greta (Bettina Stucky), die allen leiblichen Genüssen sehr offen gegenüber steht und sich gerne ihre erotischen Attraktivität bestätigen lassen würde, aber ihren Dackel Lydia im Zweifelsfall allen Menschen vorzieht. Und Mariedl (Lina Beckmann), die für ihren Herrn Jesus und den Herrn Pfarrer in gläubigem Eifer auf himmlische Entlohnung die verstopften Aborte der Stadt reinigt und als reine Seele dazu keinerlei Gummihandschuhe als Schutz vor Dreck bedarf.
Als Erna und Greta wegen einer Nichtigkeit in einen Streit ausbrechen, sich gegenseitig als "zugenähte Klosterschwester" und "Nazihure" beschimpfen und gegenseitig an die Gurgel gehen, bittet Mariedl zaghaft um die Wiederherstellung der Harmonie. Bei dem anschließenden Glas Wein feiern sie ein Fest ihrer kühnsten Fantasien. Greta lernt auf einem Dorffest den flotten Freddy kennen, Erna bändelt mit dem Schlachter Woitila an und Mariedl darf unter den Beifallsbekundungen der gesamten Gästeschar die Klos von den Verstopfungen befreien. Erst als die Jüngste feststellen muss, dass sie bei ihrer Drecksarbeit wieder einmal hinter den Schwestern zurückstehen muss, setzt sie zur späten Rache an und holt die Beiden in die ernüchternde Realität zurück.
Viktor Bodo hat eine textreue Inszenierung des Schwab-Stoffes der "Präsidentinnen" hingelegt, die die Entgleisungen der Frauen in blutige Gewaltakte eskalieren lässt. Bodo begnügt sich nicht damit ihre seelischen Abgründe mit Worten bloß zu legen, sondern nimmt sie zum Anlass für auf die Herdplatte gedrückte Wangen, aufgeschlitzte Halsschlagadern und zersägte Leichenteile. Wenn dann noch die Müllmänner mit dem abgetrennten Kopf der Mariedl Fußball spielen, ist Schwab endgültig zum schenkelklopfenden Volksstück geworden, das die Zwischentöne unter einer Splatterfirnis gut verborgen hält. Bodo verzichtet leider darauf, den Text in all seiner Kunstfertigkeit, Sprachverliebtheit, Boshaftigkeit und Schärfe für sich sprechen zu lassen. Dass man den drei Frauen dennoch gerne zusieht, liegt an den drei hervorragenden Darstellerinnen, die es selbst bei all den Oberflächeneffekten schaffen von ihren Verletzungen, ihrer Engstirnigkeit, ihrer Verbitterung und ihrer Beschränktheit zu erzählen.
Birgit Schmalmack vom 14.1.19
www.hamburgtheater.de
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3.7
Durchschnittsnote aller Stücke
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