Vernon Subutex



    Bewertung und Kritik zu

    VERNON SUBUTEX
    nach dem Roman von Virginie Despentes
    Regie: Alexander Eisenach 
    Premiere: 26. September 2019 
    Schauspielhaus Graz 

    Zum Inhalt: Vernon Subutex, Besitzer eines Plattenladens, war immer ein cooler Hund. Doch dann kamen die Digitalisierung, das Internet, unverschämte Mieterhöhungen – und plötzlich ist sein Laden pleite. Eine Weile hält sich der Endvierziger mit dem Verkauf von Restbeständen auf eBay über Wasser, dann mit Gelegenheitsjobs und Arbeitslosenhilfe. Doch als der Popstar Alex Bleach stirbt, der bis dahin seinem Freund die Miete zahlte, wird Vernons Wohnung gepfändet. Als Obdachloser übernachtet er bei ehemaligen Geliebten, alten Freunden und neuen Bekannten auf der Couch, bis er ahnungslos seinen größten Schatz, quasi seine Lebensversicherung, verliert: die Aufzeichnung eines Interviews mit Alex Bleach kurz vor dessen Tod, das brisante Details enthält. Das Video ist Gold wert und bald wird Vernon von einer Meute verfolgt, die es ihm abjagen will. Und das ist nur Teil 1 der Romantrilogie. In Teil 2 und 3 wird Vernon u. a. als Obdachloser die Galionsfigur einer utopischen Gemeinschaft, die in der Musik und im Tanz Erlösung sucht.

    Mit: Norbert Wally, Clemens Maria Riegler, Julia Gräfner, Anna Szandtner, Evamaria Salcher, Fredrik Jan Hofmann, Katrija Lehmann, Franz Solar, Florian Köhler, Rudi Widerhofer, Beatrice Frey, Henriette Blumenau, Alex Deutinger, Franz Xaver Zach, Raphael Muff, Nico Link, Maximiliane Haß, Marta Navaridas, Thomas Achitz.

    Regie: Alexander Eisenach
    Bühne: Daniel Wollenzin
    Kostüm: Claudia Irro
    Mitarbeit Kostüm: Jenny Theisen
    Komposition und musikalische Leitung: Benedikt Brachtel
    Mitarbeit Musik: Lukas Rabe
    Video: rocafilm
    Licht: Thomas Trummer
    Choreographie: Marta Navaridas, Alex Deutinger
    Dramaturgie: Karla Mäder

    TRAILER


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    Panorama französischer Gesellschaft
    2 years ago
    Kritik
    Wie schon bei Stefan Puchers Inszenierung an den Münchner Kammerspielen zieht sich die Exposition der Figuren in die Länge. Das siebzehnköpfige Ensemble des Abends stellt sich in kleinen Szenen vor, die zu sehr aneinandergestückelt werden. „Vernon Subutex“ ist ein Abend, der viel Kraft und Konzentration erfordert, um in dem Wimmelbild der Figuren den Überblick zu behalten. In der zweiten Hälfte dominieren die Gruppenszenen, die Aufführung wird atmosphärisch dichter und bietet einen panorama-artigen Streifzug durch Phänomene, die die französische Gesellschaft und Kultautorin Despentes umtreiben: Roman-Vorlage und Theater-Adaption erzählen vom Alltags-Rassismus, vom Islamismus, von queeren Lebensentwürfen, von radikalem Feminismus. Begleitet von viel Live-Kamera-Einsatz und Musik säumen die schillernden Gestalten den Weg der Titelfigur, die Norbert Wally von der Grazer Indie-Rock-Band The Base verkörpert. Ähnlich wie in einer Castorf-Inszenierung wechseln sich Leerlauf und eindrucksvolle Momente an diesem sehr langen Abend ab. Dabei nimmt der Regisseur Eisenach seine Figuren ernst und verfällt weniger oft in Slapstick als in seinen Berliner Arbeiten. Weiterlesen
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