Bewertung und Kritik zu

Don Carlo

Bewertung und Kritik zu

DON CARLO 
von Giuseppe Verdi
Regie: Robert Carsen 
Premiere: 12. März 2022 
Aalto Theater Essen 

Zum Inhalt: Das Spannungsfeld zwischen familiärem und politischem Drama droht zu explodieren: Während Europa durch Kriege auf eine harte Probe gestellt wird, ist die Vater-Sohn-Beziehung zwischen König Filippo von Spanien und seinem Sohn, Infant Don Carlo, durch die Liebe zur selben Frau, Elisabetta von Valois, getrübt. Eigentlich hätte die Ehe zwischen Elisabetta und Filippo endlich den lang ersehnten Frieden besiegeln sollen, doch die französische Prinzessin und der spanische Infant haben sich heimlich ineinander verliebt. Liebe und Politik machen sich schließlich gegenseitig zu Spielbällen – bis am Ende niemand mehr gewinnen kann.

Ausgehend von Friedrich Schillers "Königin Elisabeth, Infant von Spanien" brachte Giuseppe Verdi dieses Stück 1867 zunächst in Paris als spektakuläre fünfaktige Grand Opéra heraus, inklusive einer viertelstündigen Balletteinlage. Doch schon im Zuge der Uraufführung wurde dem Komponisten bewusst, dass sein Werk noch nicht ausgereift war und so viel Prunk und Pracht der Sprengkraft der Oper entgegenstand. Denn der Rückgriff auf Schillers 1787 uraufgeführtes Drama war durchaus kein Zufall: Die Zerbrechlichkeit von sozialen und privaten Utopien stellte für den politisch so engagierten Verdi in den Wirrungen des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Thema dar. So brachte er die Oper auf vier Akte gekürzt und diesmal auf Italienisch 1884 an der Mailänder Scala ein weiteres Mal heraus. Schlussendlich sollten nicht weniger als sieben verschiedene Fassungen entstehen. In Essen steht "Don Carlo" in der Mailänder Fassung auf dem Programm, die sich in besonderer Weise auf die Psychologie der Figuren konzentriert. Wie lesen wir das Stück heute, wo Europas Gleichgewicht aufs Neue auf dem Prüfstand steht?

Der Fall der Götter

Bewertung und Kritik zu

DER FALL DER GÖTTER 
nach dem Film „Die Verdammten“ von Luchino Visconti
Regie: Jan Neumann 
Premiere: 21. April 2018 
Grillo Theater - Schauspiel Essen 

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Der TheatermacherZum Inhalt: Baron von Essenbeck, Familienoberhaupt und Stahlwerkchef, feiert gerade seinen Geburtstag im Kreise der Familie, als die Nachricht vom Reichstagsbrand eintrifft. Der greise Patriarch reagiert sofort: Um sein Unternehmen zu sichern, ernennt er seinen Sohn Konstantin, Mitglied der SA und überzeugter Nationalsozialist, zu seinem Stellvertreter. Doch Sophie, die Witwe seines ältesten, im Krieg gefallenen Sohnes, verfolgt mit ihrem Liebhaber Friedrich Bruckmann und dem SS-Mann Aschenbach andere Pläne: Sie wollen die Führung der Essenbeck-Werke an sich reißen. Der alte Baron wird ermordet – und Sophies Sohn Martin erbt das Unternehmen. Wunschgemäß ernennt der labile und stark auf seine Mutter fixierte junge Mann daraufhin Friedrich zum Vorsitzenden. Dieser und Sophie scheinen am Ziel ihrer Träume, doch weder nimmt Konstantin seine Demontage untätig hin, noch liegt Hauptsturmführer Aschenbach wirklich etwas am Aufstieg Friedrichs. Und so geraten alle Beteiligten im leidenschaftlichen Kampf um Erhalt und Sicherung des Familienunternehmens und persönliche Machtansprüche in einen vernichtenden Strudel aus Intrigen, Hass und Verletzungen, den die meisten von ihnen mit dem Leben bezahlen werden.


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