Andares



    Bewertung und Kritik zu

    ANDARES 
    von Héctor Flores Komatsu
    Premiere: 25. Juni 2021 (Festival Theater der Welt) 
    Düsseldorfer Schauspielhaus

    Zum Inhalt: Ein Junge kann nicht mit seiner Großmutter sprechen, weil er Maya, ihre Muttersprache, nicht beherrscht. Ein anderer fühlt sich zu seinen männlichen Freunden hingezogen und entdeckt, dass er »muxe«, ein drittes Geschlecht, ist. Ein junger Mann ist beschämt, weil er nicht in der Lage ist, einen Hirsch zu erlegen, wie es seine Vorfahren lange vor ihm getan haben.
    Andares (Wege) präsentiert die außergewöhnlichen Geschichten dreier Schauspieler*innen mit Maya-, Zapoteken- und Wixarika-Herkunft aus Mexiko. Zusammengewoben aus persönlichen Anekdoten, traditionell überlieferten Mythen und dem Schrei nach Gerechtigkeit, enthüllt diese außergewöhnlich berührende Erzählung die Freude, den Zorn und die Trauer, die sich in den heutigen Heimatländern der Darsteller*innen, die ihre Ursprungsheimat verlassen haben, entfalten. Begleitet von einem Live-Musiker führen die drei Schauspieler*innen das Publikum durch ein fesselndes und hochpolitisches Panorama der Realitäten im Zentrum des modernen indigenen Lebens.

    Mit Josué Maychi, Lupe de la Cruz, Domingo Mijangos, Tania Chan

    Regie, Text, Musikalische Leitung und Bühne: Héctor Flores Komatsu
    Malerei: Jesus Giles
    Licht: Bryan Guerrero


    WIR EMPFEHLEN

    4.0 von 5 Sterne
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    Héctor Flores Komatsu
    1 year ago
    Kritik
    ''So dichterisch und metaphernverliebt Andares sich freilich gibt: es ist keineswegs unpolitisch. Tania Chan widmet eine Liedeinlage ausdrücklich „allen Frauen, die noch vermisst werden“. Frauen sind nicht in einem oberflächlichen Sinn das Thema dieses Abends, aber sie kommen in vielfältiger Form vor: als die Großmutter, die sich mit ihrem Enkel nicht verständigen kann, weil sie die fast ausgerottete Sprache der indigenen Maya spricht, als das Geschlecht, dem sich ein zweiter Erzähler im Körper eines Mannes zugehörig fühlt. Hier schöpfen drei Schauspieler und eine Musikerin, alle selbst indigener Herkunft, aus ihren persönlichen Erfahrungen und ihren kollektiven Überlieferungen. Auf den ersten Blick könnte man eine Verwandtschaft mit authentizitätsfixierten Unternehmungen wie Rimini Protokoll vermuten. Davon jedoch unterscheidet das kleine Ensemble der Mangel an Nabelschau und die poetische Kraft. Gerne wüsste man jedenfalls von jenen deutschen Rezensenten, die voll des Lobes sind für die Einheit von Figur und Darsteller und zugleich begeistert, wenn man – beim Handspring Puppet Theatre – eine Holzfigur für einen lebendigen Menschen halten kann, was ihr ästhetisches Credo ist. Haben sie eines? Oder folgen sie bloß bedingungs- und ahnungslos dem Supermarktprinzip eines Festivals, das als Angebot und Bestandsaufnahme seine Berechtigung hat, vom Kritiker jedoch eine Positionierung einfordert. Alles andere ist Opportunismus.'' schreibt Thomas Rothschild am 26. Juni 2021 auf KULTURA-EXTRA
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