Archipel

Bewertung und Kritik zu

ARCHIPEL
Ein Spektakel der Vermischungen
Choreografie: Stephanie Thiersch 
Premiere: 18. Juni 2021 (Düsseldorfer Schauspielhaus/Central - Festival Theater der Welt) 
Berlin-Premiere: 20. August 2021 (MaHalla/Tanz im August) 

Zum Inhalt: Die Natur ist ein Artefakt geworden, Menschen und Pflanzen haben sich verschwistert – sie sind eine neue provokante Verbindung eingegangen. Nach dem Ende der Zurichtung der Welt, wie wir sie kannten, wird das neuhumanoide Dasein zutage treten und in einem Archipel der Möglichkeiten seine Kräfte ertasten: unsichtbare biologische Verflechtungen und Symbiosen, in denen Blutsverwandtschaft und Reproduktion der menschlichen Spezies der Vergangenheit angehören. Elektrisierte Wesen bilden hybride, raumerfassende und tentakelhafte Schnittstellen. Sie folgen einer Sensorik der Unruhe, bereit, sich zu transformieren. Architektur, Tanz und Musik nehmen diese Vision auf und gehen in Archipel eine vollkommen neue Allianz ein: Die vom japanischen Architekten Sou Fujimoto geschaffene Skulptur ist nicht nur Bühne, Landschaft und Schutzraum, sie ist auch Musikinstrument, dessen Klänge Tänzer*innen und Musiker*innen gemeinsam hervorrufen, aufnehmen und weiterspinnen. Die Choreografie von Stephanie Thiersch und die Musik von Brigitta Muntendorf arbeiten mit der Vermischung der Genres auf der Suche nach Verständigung. Wir alle sind verbunden.

Mit: MOUVOIR: Fabien Almakiewicz, Neus Barcons Roca, Julien Ferranti, Kelvin Kilonzo, Gyung Moo Kim, Margaux Marielle-Tréhoüart, Alexandra Naudet, Camille Revol, Joel Suárez Gómez, Malu Thiersch
Ensemble Garage & Gäste: Carola Schaal (Klarinette), Pablo Giw (Trompete), Till Künkler (Posaune), Yuka Ohta (Perkussion), Jonathan Shapiro (Perkussion), Joss Turnbull (Perkussion), Isaac Espinoza Hidrobo (Violine), Moritz Baerens (Kontrabass)
Asasello Quartett: Rostislav Kozhevnikov (Violine), Justyna Śliwa (Viola), Teemu Myöhänen (Cello)
Det Norske Solistkor / The Norwegian Soloists’ Choir: Silje Aker Johnsen, Ingeborg Dalheim, Mari Johanne Müller, Camilla Wiig Revholt (Sopran), Camilla Marie Bjørk Andreassen, Marianne Bye Granheim, Maria Dale Johannessen, Frøydis Fegran Kopperud (Alt), Håvard Gravdal, Paul Kirby, Øystein Stensheim, Markus Tähti Dunseth (Tenor), Timothy Ferguson, Hugo Herrman, Olle Holmgren, Peder Arnt Kløvrud (Bass)

Künstlerische Leitung / Choreografie: Stephanie Thiersch
Künstlerische Leitung / Komposition: Brigitta Muntendorf
Architektur: Sou Fujimoto
Dramaturgie: Stawrula Panagiotaki, Juliane Votteler
Kostüm: Sita Messer, Lauren Steel
Lichtdesign: Begoña Garcia Navas
Klangregie: Sebastian Schottke
Live-Elektronik / Programmierung: Maximiliano Estudies, Lucia Kilger
Videogestaltung: Warped Type


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Brigitta Muntendorf, Stephanie Thiersch, Sou Fujimoto
  · 20.06.21
''Über ganze Strecken tanzt jede und jeder für sich allein zur Melange aus Elektronik und traditionellen Instrumenten. Kommunikation ist eher die Ausnahme als ein Grundprinzip. Dafür variieren die Tempi von extremer Langsamkeit bis zu hektischer Hyperaktivität. Die Tänzer kreisen um ihre Achse, strecken die Arme hoch, trippeln über die Bühne, zappeln, krümmen sich, werfen sich auf den Boden, schütteln ihre Haarpracht nach vorne und zurück, manchmal solistisch, manchmal synchron. Zu den wiederkehrenden Verfahren gehört die Phasenverschiebung der Töne und elementarer Körperbewegungen – Steve Reich und Anne Teresa De Keersmaeker lassen grüßen.

Die Akteurinnen und Akteure nehmen sich fürchterlich ernst. Auf diesem Archipel ist kein Platz für Witz und Humor. Der Mensch figuriert in dieser Choreographie als Teil einer Maschine, ohne kritische Distanz.

Zwar ist der Abend laut Programmzettel in drei Teile gegliedert, deren Titel, in denen bezeichnenderweise von Ritualen die Rede ist, wohl nicht zufällig an Strawinskis Sacre du printemps erinnern, aber dass einem die 90 Minuten, mit oder ohne Maske, länger vorkommen, liegt wohl daran, dass in Wahrheit keine Entwicklung stattfindet. Es gilt das Prinzip der Reihung und damit der Beliebigkeit. Die Vorstellung könnte an jeder Stelle enden. Kurz vor dem tatsächlichen Ende, ehe sich in die Choreographie doch noch etwas Groteske mischt, erklingen Balkanphrasen: Goran Bregović statt John Cage und Merce Cunningham. Das hat was.'' schreibt Thomas Rothschild am 20. Juni 2021 auf KULTURA-EXTRA
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