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Theater Bonn
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Telefon: 0228 778008
SPIELPLAN & KARTEN

Der Gott des Gemetzels

Bewertung und Kritik zu

DER GOTT DES GEMETZELS 
von Yasmina Reza 
Regie: Simon Solberg 
Premiere: 23. Januar 2026 
Theater Bonn -  Bad Godesberg

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Zum Inhalt: Zwei 11-jährige Jungen prügeln sich im Park, der eine schlägt mit dem Stock zu, der andere verliert zwei Schneidezähne. Nichts Dramatisches, eigentlich. Unter zivilisierten Menschen, wie die Eltern es sind, klärt man solche Dinge – natürlich auch versicherungstechnisch – im persönlichen Gespräch bei Espresso und Selbstgebackenem. Also treffen sich Alain und Annette mit Véronique und Michel, um zu beraten, wie man pädagogisch richtig auf die Kinder einwirkt, so konsensbemüht und politisch korrekt, wie es sich heutzutage in unseren westlichen Gesellschaften gehört. Schnell ist dann auch das Schuldeingeständnis in die Maschine getippt. Nach ein paar Minuten scheint alles einvernehmlich geklärt zu sein. Schnell noch einen Kaffee, ein wenig Alkohol – und erledigt ist die kleine Panne. Doch dann zieht sich das hin. Mehr und mehr. Ein paar Worte hier, dort einige Na-Ja-Bemerkungen, ein Satz ergibt den anderen, und dieser an sich friedliche Familienbegegnungsnachmittag gerät plötzlich außer Kontrolle. Welcher der beiden Jungs war denn nun tatsächlich der Schuldige? Deutet Ferdinands rabiates Verhalten nicht auf Eheprobleme zwischen Alain und Annette hin? Was ist schlimmer: dass die hypernervöse Annette quer über Véroniques Kunstbände kotzt, oder dass Véronique das Wohlergehen ihrer Bücher deutlich mehr am Herzen liegt als das ihres Gastes? Dass Michel den Hamster seiner Tochter ausgesetzt hat, oder dass Alain einen Pharmakonzern mit einem gesundheitsgefährdenden Medikament juristisch vertritt, und zwar ständig, am Handy. Sehr laut und deutlich. Was zu so einigen nervlichen Anspannungen führt. Irgendwann brechen alle moralischen Dämme. Sticheleien werden zu Wortgefechten, verbale Attacken zu Handgreiflichkeiten. Und plötzlich befinden sich diese vier anständigen Erwachsenen mittendrin – im Disput um ihre eigenen Unzulänglichkeiten. Wobei ständig die Positionen und Koalitionen wechseln. Es wird immer lauter. Und komischer. Mit diabolischem Humor und erbarmungsloser Treffsicherheit spießt Yasmina Reza in ihrem Stück die moderne bürgerliche Gesellschaft auf, die hin- und hergerissen ist zwischen aufgeklärter Vernunft und allzu menschlichem, egoistischem Konkurrenzkampf. So verbindlich und watteweich wir uns auch geben mögen, am Ende behält einer die Oberhand: Der Gott des Gemetzels.

Regie und Bühne: Simon Solberg
Kostüme: Ines Burisch
Kostümmitarbeit: Tanja Mürlebach
Licht: Ansgar Evers
Video: Lars Figge
Dramaturgie: Nadja Groß
Musikalische Leitung Schauspiel: Lucas Croon

1 Kritik

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Sturm im Wasserglas
3 Tage her.
Kritik

''Solberg inszeniert am Bonner Theater Slapstick- und revueartige Einlagen seiner Figuren gekonnt. So bewegen sich Kählert und Stock mal zu einer Instrumentalversion von Whigfields „Saturday Night“ im Groove der Beats, um Dampf abzulassen (musikalische Leitung: Lucas Croon). Inmitten des bissig-enthemmten Kammerspiels stimmt Julia Kathinka Philippi am Flügel im Bühnenhintergrund „Chandelier“ von Sia an. Im nächsten Moment singt und tanzt sie dazu ausgelassen. Während der Konflikt immer wieder aufs Neue hochkocht, betritt ein zwei Meter großer Hamster im Ganzkörperkostüm mehrfach die Bühne. Klamaukig und albern erscheint auch, wenn Veronika immer wieder angestrengt Tisch und Boden kehrt und wischt, diese Flächen jedoch weiterhin dreckig bleiben, oder Michael mit einem Handfeger die Gäste abstaubt.

Gänzlich abstrus erscheint es, wenn die Elternpaare den Boden der Küche aufbrechen und mit Brettern in der Wohnung hantieren, um Andreas' Handy wiederzufinden. In die geöffnete Ebene fallen dann Wasserfontänen von der Bühnendecke, in denen die Figuren baden. Da ist es dann nur noch ein Schmankerl, wenn Annette das Handy ihres Gatten bewusst ins Wasser wirft. Es kommt auch noch zu einer Kissenschlacht und intimen Zärtlichkeiten. Die Wohnung wird von auftretenden Requisiteuren kurzzeitig etwas demontiert, und es raucht gefährlich aus dem Backofen der Küche. Bald tragen alle Figuren minutenlang Gasmasken. Am Ende wird eine Piano-Version von „Mad World“ von Tears for Fears eingespielt. Währenddessen verbrennen die beiden Elternpaare den ausgedruckten Entwurf der Tatschilderung für die Versicherung gemeinschaftlich. Ein versöhnliches Ende nach einem reinigenden Gewitter, oder eine erschütternde Einsicht vor dem Gott des Gemetzels?

Während die dezenten Hinweise auf Bonn als Ort des Geschehens der Aufführung noch ein gewisses Lokalkolorit zu geben vermögen, zeigt Solberg mit den über die Wohnung hereinbrechenden Naturkatastrophen ein überdrehtes und übertriebenes Spektakel, welches sich vom subtilen, schwarzhumorigen Witz von Rezas Gesellschaftssatire um Längen entfernt hat und andererseits jedoch die ökologischen Kipppunkte lediglich grob-klamaukhaft daraufsetzt.'' schreibt Ansgar Skoda am 25. Januar 2026 auf KULTURA-EXTRA

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