Anna Karenina

Bewertung und Kritik zu

ANNA KARENINA 
von Lew Tolstoi
Regie: Luise Voigt 
Premiere: 29. Oktober 2021 
Theater Bonn 

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Zum Inhalt: Moskau gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Drei adlige Familien, deren Schicksale miteinander verwoben sind. Drei verschiedene Modelle von Ehe und Beziehung. Fürst Oblonskij, der Bruder Anna Kareninas, flüchtet sich nach langjähriger Ehe und fünf Kindern immer wieder in Seitensprünge. Der zunehmend gleichgültige Umgang und das fehlende Begehren füreinander belastet auch seine Frau Dolly, die ihren Mann zwar liebt, ihm seine Fehltritte aber nicht länger durchgehen lassen kann und die Scheidung verlangt.

Anna Karenina und ihr Mann, der erfolgreiche Staatsbeamte Alexej Karenin, genießen großes Ansehen in der höheren Gesellschaft, haben aber aufgrund ihrer Ehe, die nicht auf Liebe, sondern einzig auf der Verbindung zweier Menschen desselben sozialen Standes beruht, allenfalls Achtung füreinander. Der Gutsbesitzer Lewin liebt Kitty, die jüngere Schwester Dollys. Diese entscheidet sich erst im Verlauf der Handlung und nach enttäuschter Verliebtheit in den Grafen Wronski für ihn. Lewin, von Kitty vorerst abgewiesen, kehrt auf sein Landgut zurück, vergräbt sich in seine Arbeit und seine Pläne für Gut und Gesellschaft: Anna und der Graf Wronski verlieben sich leidenschaftlich ineinander. Nach ersten Zweifeln brennt Anna mit ihm durch und hat doch nicht den Hauch einer Chance, glücklich zu werden. Ihre bedingungslose Liebe scheitert und führt zu Eifersucht, Hass und Verzweiflung.

Inszenierung: Luise Voigt
Video: Stefan Bischoff
Bühne und Kostüme: Maria Strauch
Musik: Frederik Werth
Dramaturgie: Carmen Wolfram


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2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Mehr Schein als Sein
  · 30.10.21
''Insgesamt erscheint die Personenkonstellation recht unübersichtlich. Insbesondere die Bezüge zwischen den Figuren wirken diffus. Übertriebene Szenen verstärken den Eindruck allgemeiner Sinnentleertheit. Da gibt es eine belanglos wirkende Szene mit Anna und Wronski in Italien, in der viel Windgebläse die Haare der Akteure durcheinander wirbelt. In einer anderen Szene zittert und zuckt Kostja am ganzen Körper, ohne dass Beweggründe erkennbar werden. Wenn Alexej aus Wut über Anna ein Kleid in kleine Stofffetzen zerbeißt oder seine Fingerknochen und Wirbel krachend überdehnt, wirkt das reichlich albern. Gegen Ende schmückt sich Anna mit wuchtigen Ketten und Ringen, um in die Oper zu gehen. Jedes Anlegen eines Schmuckstücks wird durch laute Hallgeräusche künstlich verstärkt, als zöge sie in den Kampf. Tatsächlich erklärt sie kurz darauf sichtlich getroffen, sie sei beim Opernbesuch von einer Sitznachbarin angefeindet worden.

Die Wandlung Annas vom schillernden Auftreten im Lichte der Öffentlichkeit bis hin zu verzweifelten Suizidgedanken wird nicht deutlich. Fragen der Schuld und des Drucks der elitären, russischen Oberschicht werden zu wenig fokussiert. Was geschieht eigentlich mit der Tochter der Titelheldin, Annie? Luise Voigts Adaption belässt trotz schöner Bilder allzu vieles im Vagen.'' schreibt Ansgar Skoda am 30. Oktober 2021 auf KULTURA-EXTRA
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