Theater Bonn
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    Die Glasmenagerie



    Bewertung und Kritik zu

    DIE GLASMENAGERIE
    von Tennessee Williams
    Regie: Matthias Köhler 
    Premiere: 29. Oktober 2020
    Theater Bonn 

    Zum Inhalt: Tennessee Williams frühes Kammerspiel ist eine eindringliche Studie über das Verhältnis von Sehnsucht und Wirklichkeit, Lebenslügen und Realitätsflucht, Alltag und Traum:

    Die einst umschwärmte Amanda Wingfield lebt mit ihren beiden erwachsenen Kindern in einer kleinen Wohnung in eher ärmlichen Verhältnissen. Seitdem ihr Mann die Familie verlassen hat, stellen sich die drei dem täglichen Überlebenskampf. Der Tristesse des Alltags und der Trostlosigkeit ihrer Lebens-Aussichten entflieht jedes Familienmitglied auf seine eigene Weise: Die Mutter schwärmt von charmanten Verehrern in der verlorenen Zeit ihrer Jugend, in der sie sich gesellschaftlich anerkannt fühlte. Ihr Sohn Tom, der sich Fabrikjobs suchen muss, um die Familie zu ernähren, flüchtet allabendlich in die Traumwelt von Kinofilmen. Er schreibt heimlich Gedichte und will einfach nur weg aus der Enge dieser Existenz. Die gehbehinderte Tochter Laura konzentriert sich auf ihre Sammlung zerbrechlicher Glastiere – ihre Glasmenagerie, die eine eigene phantastische Welt darstellt und sie ihr graues Leben kurzzeitig vergessen lässt. Für sie ist die Mutter auf der Suche nach einem Ehemann und Versorger. Als Tom, auf Amandas verzweifelte Bitten hin, seinen Kollegen Jim O‘ Connor nach Hause mitbringt, erscheint ihr dieser als idealer Heiratskandidat. Doch dann zerbricht, nach anfänglicher Annäherung der beiden jungen Leute, nicht nur eines von Lauras geliebten Glastierchen, sondern auch das fragile Familienkonstrukt, ein Gespinst von Lebenslügen und Verdrängungen.

    Inszenierung: Matthias Köhler
    Bühne und Kostüme: Ran Chai Bar-zvi
    Musik: Philipp Pleßmann
    Licht: Ewa Górecki
    Dramaturgie: Carmen Wolfram


    WIR EMPFEHLEN

    4.0 von 5 Sterne
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    Träume, Isolation, Zerbrechlichkeit
    2 years ago
    Kritik
    ''Wie ein Symbol für eine Abgrenzungsmöglichkeit wirkt ein breites, flaches, dunkel gehaltenes Wasserbecken, das die Bühne zum coronabedingt spärlich besetzten Zuschauerraum trennt. Tom und Laura begehen das Wasser, um von ihrer Mutter unbeobachtete Momente zu genießen. Auf Insistieren der Mutter lädt Tom einen Kollegen, Jim O’Connor (markant und lässig: Sören Wunderlich), zu sich nach Hause ein. Amanda erhofft sich eine gute Partie für ihre Tochter. Er kommt durch das Gewässer zum Haus. Später zeigt Laura Jim ihre Glasmenagerie auf dem Wasser. In Matthias Köhlers Produktion sind die Tiere der Glasmenagerie unscheinbare Lichtreflexe auf dem Wasser. Glas erscheint als Stoff für Lauras Träume sehr zerbrechlich. Ein gelungenes Bild: Ebenso schimmernd wie Glas spiegelt das Wasser ein klares Abbild der Bühne oder schimmernde Verzerrungen, wenn der Sohn oder Jim durchs Wasser zum Haus gehen oder es verlassen. Neben der aufwendigen Kulisse überrascht die pausenlose Vorführung auch durch eine extravagante Staffage vom israelischen Bühnen- und Kostümbildner Ran Chai Bar-zvi. Beim Besuch Jims tragen so alle vier Darsteller weite, weiße Brautkleider. So wird auf bildlicher Ebene bewusst Amandas Hintergedanke einer möglichen Verkupplung ihrer Tochter übertrieben. Wer könnte hier wen freien? Objekt einer Brautwerbung könnten auch die Mutter oder der Sohn oder der betont selbstsicher auftretende Jim werden. Es kommt dann ja natürlich doch anders, als man denkt. Bereichert wird Matthias Köhlers sehenswerte und sorgfältig komponierte Inszenierung durch eine nuancierte Lichtregie (Licht: Ewa Górecki) und selten zu aufdringliche Ton- und Musik-Einspieler u. a. von verträumten Popsongs von CocoRosie oder Lana Del Rey (Musik: Philipp Pleßmann). Schade, dass gleich nach der Premiere die kommenden November-Vorstellungen aufgrund der gegebenen Umstände entfallen.'' schreibt Ansgar Skoda am 1. November 2020 auf KULTURA-EXTRA
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