Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)

Bewertung und Kritik zu

SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE (LEICHT GEKÜRZT)
von Adam Long, Daniel Singer & Jess Winfield
Regie: Roland Riebeling 
Premiere: 25. September 2020
Theater Bonn 

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Zum Inhalt: Natürlich ist es ein Ding der Unmöglichkeit, alle Rollen aus allen Stücken Shakespeares an nur einem Abend darzustellen. Oder? Die Amerikaner Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield wollten 1987 genau das möglich machen und entwickelten aus allen 37 Dramen Shakespeares – die im Normalfall zusammengenommen eine Spiellänge von 120 Stunden hätten – die Komödie „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“. Und um den Schwierigkeitsgrad dieses irrwitzigen Unternehmens noch zu erhöhen, werden alle Rollen an diesem temporeichen Abend von nur drei Schauspielern in unter zwei Stunden gespielt. In Sekundenschnelle verwandeln sie sich von Romeo, Julia und Pater Lorenzo in Macbeth und Macduff oder in Hamlet und Ophelia. Alle 18 Komödien werden direkt zu einem Stück zusammengefasst und alle Monarchen der Königsdramen stehen sich zum Revierderby auf dem Fußballplatz gegenüber. Ohne Bühnenbild und lediglich mit schnellen Kostümwechseln sind die Schauspieler auf das wesentliche reduziert: sich selbst - ihre Spielfreude und ihr Talent.

Mit: Markus J. Bachmann, Timo Kählert und David Hugo Schmitz

Regie: Roland Riebeling
Kostüme: Nini von Selzam
Kämpfe: Klaus Figge
Musik: Ruben Philipp
Licht: Markus Haupt
Dramaturgie: Nadja Groß



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"No profit grows where is no pleasure ta´en"
  · 10.10.20
''Als Kulisse dienen vor allem Kleiderständer im Hintergrund des Geschehens, ein seitlich platziertes Piano und später auch ein weißes Holzpferdeungetüm. Verwechslungen und Verwirrungen in Shakespeares Komödien werden im Schnellvorlauf durchexerziert. Es gibt Fechtszenen und musikalische Einlagen wie Klavierspiel und Percussion auf dem Bühnenboden zu bestaunen. Das Trio deklamiert oder singt mehrstimmig und solo im Wechsel. Die Zuschauer werden vielfach mit einbezogen, etwa um die Komplexität der Figur von Polonius‘ Tochter Ophelia aus Shakespeares vielleicht bedeutendsten Werk Hamlet zu würdigen. Es gilt das Ich, Es, und Über-Ich Ophelias mit Merksätzen bewusstzumachen; schwanke sie doch insgeheim zwischen Friseur, Kloster und Kinderwunsch. Auch die drei Hexen aus Macbeth kommen zum effektvollen dahintorkelnden und rappenden Einsatz. Alle Monarchen bei Shakespeare kicken schließlich um ihr Leben während eines Fußballspiels mit Bühnenrequisiten.

„Seven nation army“ von den White Stripes und „Big in Japan“ von Alphaville werden lustvoll vorgetragen. Souffleuse Angelika Schmidt übernimmt bald eine handlungstragende Rolle. Spätestens beim berühmten Hamlet-Monolog „Sein oder Nichtsein“ kommt es zu allerlei Aussetzern und demonstrativen Selbstanalysen der Figuren-Darsteller. Da gibt es offen und experimentell allerlei Peinlichkeiten, Zänkereien und Zickigkeiten zu bestaunen. Auch Sandra Hüller wird übrigens idealisiert, um sich von ihr abzuheben. Lebendige Schauspielkunst und eine rasante Vorführung voll gelungener und schöner Pannen, die der Kunst, Größe und dem Genie Shakespeares allemal das Wasser reicht. Da brauch man nicht einmal nach Berlin für zu gehen.'' schreibt Ansgar Skoda am 10. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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