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Bewertung und Kritik zu

DIE RÄUBER
nach Friedrich Schiller
Regie: Simon Solberg
Premiere: 31. Januar 2020
Theater Bonn 

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Zum Inhalt: Der Familienstreit im gräflichen Hause Moor wird in Friedrich Schillers „Räubern“ fast ein Jahrzehnt vor der Französischen Revolution 1789 zu einem Sinnbild für gesellschaftliche Konflikte, denen Revolutionen folgen werden: In der Familie Moor begehren „die Jungen“ gegen väterliche Wertvorstellungen und die damit verbundenen Machtstrukturen auf. Während Karl mit seinen „Räubern“ in den „böhmischen Wäldern“ für mehr Gerechtigkeit und Freiheit kämpfen will, versucht Franz im väterlichen Schloss, die Macht an sich zu reißen. Zwischen beiden steht Amalia, von Karl verlassen und auch von Franz geliebt, sucht sie selber nach einem Weg für sich im Leben.

In der Inszenierung von Simon Solberg wird das Haus Moor, mit seinem ungleichen Geschwisterpaar (hier Bruder und Schwester) zur Metapher für unsere heutige Gesellschaft, die für manchen genauso zerrüttet scheint, wie zur Entstehungszeit des Stücks. Immer mehr und gerade auch junge Menschen empfinden sich als hilflose Spielbälle weniger Mächtiger, anstatt an einer lebenswerten Welt aktiv mitgestalten zu können, teilen sie das Gefühl, nicht zu genügen und auch nicht gebraucht zu werden, im Gegenteil: austauschbar zu sein. Diese scheinbare Ohnmacht vor (staatlicher und industrieller) Willkür, gepaart mit Perspektivlosigkeit und dem Auseinanderdriften von Arm und Reich, führt dabei oft zu einer Verrohung, die sich an der Sprache ablesen lässt und bis zu Gewalt-Entladungen und Übergriffen auf Menschen anderer Gesinnung, anderer Sozialisation reicht. All das kann auch zu radikalen und sogar demokratiefeindlichen Strömungen führen, wie sie in diesem Land nicht mehr möglich schienen.

Regie und Bühne: Simon Solberg
Choreografie: Takao Baba und Solomon Quainoo
Kostüme: Sophie Peters
Licht: Sirko Lamprecht
Dramaturgie: Carmen Wolfram


 

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Sehnsucht nach martialischer Zerstörung
  · 11.02.20
''Die Darsteller agieren sehr physisch, wenn energiegeladen viel gezappelt wird. Takao Baba und Solomon Quainoo gestalteten eindrucksvolle choreographische Einlagen zu Sounds von The Prodigy („Smack my bitch up", „Breathe“) bis hin zu Billie Eilish („You should see me in a crown”). Gustav Schmidt rappt als Spiegelberg seinen Überfall auf ein Nonnenkloster im Gangster-Style. Er betätigt sich sogleich auch gekonnt als Breakdancer. Streetdance-Gesten und -Bewegungsabfolgen setzen Bezüge zur Gegenwart. Christian Czeremnych unterstreicht als Schweizer seine Erzählung der Befreiung eines Kumpans höchst gestenreich. Sein hymnisch-düsterer Verweis auf einhergehende Gewalttaten erinnert an das Musikgenre Heavy Metal. Annina Euling gibt die Amalia, die zwischen den Geschwistern steht, recht mädchenhaft und trotzdem ausgebufft. Schlussendlich wird das Ensemble auch noch durch zwei Schauspielstudierende der Alfterer Alanus-Hochschule verstärkt: Magali Vogel und Larissa Ruppert.

Die pausenlose, etwa hundertminütige Vorführung entwickelt ein hohes Tempo. Fremdtexte und gestrichene Passagen setzten Gegenwartsbezüge, insbesondere auch zum Freiheitsthema. Choreographische und körperliche Einlagen schaffen einen knallig-spektakelhaften Unterhaltungswert, wirken manchmal aber auch etwas aufgesetzt. Sie erschweren es mitunter, über Schillers diffizilen Botschaften nachzudenken. Insbesondere das souveräne Spiel der ausdrucksstarken Geschwister-Darsteller, Annika Schilling und Daniel Stock, die sich in ihrem maßlosen Eifer oft spiegeln, entschädigt für so manche Plattheit. Auch Simon Solbergs Ideenreichtum, etwa zentrale Passagen der Hauptfiguren synchron von mehreren Darstellern sprechen zu lassen, bereichert das Bühnenerlebnis.'' schreibt Ansgar Skoda am 11. Februar 2020 auf KULTURA-EXTRA
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