Hannelore Kohl – ein Leben im Schatten

Bewertung und Kritik zu

HANNELORE KOHL – EIN LEBEN IM SCHATTEN 
von Sascha Schmidt
Regie: Ina-Kathrin Korff 
Premiere: 3. März 2022 
Kleines Theater Bad Godesberg 

Zum Inhalt: Eine Frau sitzt am Schreibtisch. Der Raum ist dunkel, schwere Vorhänge verhindern, dass Licht herein fällt. Sie sitzt mit dem Rücken zum Publikum, hält eine Taschenlampe in der Hand. Das Licht flackert während sie Briefe schreibt. Abschiedsbriefe. Nach einer Weile dreht sie sich um. Leuchtet mit der Taschenlampe in das Publikum. Bittet um etwas Geduld. Sie sei gleich fertig mit dem Schreiben. Sie will das Publikum nicht warten lassen – denn sie weiß, was es bedeutet zu warten.

mit Christina Rohde

Inszenierung: Ina-Kathrin Korff
Ausstattung: Wesko Rohde


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Schlagschatten
  · 06.03.22
''In den Cartoons der Medien war der massige Gatte stets nur die „Birne“, sie wurde als „Barbie aus der Pfalz“, „Landpomeranze mit Betonfrisur“ oder „Pfannkuchengesicht“ belächelt. Zerstreut nimmt sie ein Sprichwort zur Rate: „Was juckt es die Eiche, wenn die Sau sich an ihr reibt.“ Auch andere Witze über ihre Ehe breitet die Frau im Dunkeln genussvoll aus. Kohl wird gefragt, was ihm im Zusammenhang mit dem Wort Liebe einfällt. Er antwortet: „Ja, Spastiker.“ Der konsternierte Journalist bittet um weitere Ausführungen. Kohl erklärt: „Neulich beim Sex sagte meine Hannelore: Na macht’s Spaß, Dicker?“

Den Höhepunkt erreicht die Solo-Performance, wenn Hannelore kurz schmerzvoll in sich zusammensinkt. Sie ist sichtlich menschlich enttäuscht, dass sie der Hochzeit des Sohnes Peter in Istanbul nicht beiwohnen durfte, angeblich wegen ihrer seltenen Krankheit, einer Lichtallergie und später einhergehenden Depression.

Der Abschiedsbrief scheint einer Rücksichtnahme geschuldet, wenn sie an Helmut Kohl kurz vor ihrem einsamen, stillen Tod schreibt: „Ein langes Siechtum in Dunkelheit will ich mir und Dir ersparen.“ Die kurzweilige, liebevoll gestaltete Vorführung am kleinen Theater Bad Godesberg würdigt eine sozial engagierte, zuletzt einsame Frau, der erst durch ihren Suizid eine gewisse größere Aufmerksamkeit zuteil wurde.'' schreibt Ansgar Skoda am 6. März 2022 auf KULTURA-EXTRA
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