Die Hydra

Bewertung und Kritik zu

DIE HYDRA
Texte von Heiner Müller
Regie: Tom Schneider 
Premiere: 11. Oktober 2019 
Schauspielhaus Bochum 

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Zum Inhalt: Herakles war der erste Arbeiter der Menschheit. Ein Auftragsarbeiter: Zwölf Aufgaben wurden ihm auferlegt, darunter auch die Tötung der neunköpfigen Hydra, und so sind sie bekannt als die „Arbeiten des Herakles“. Auch den Dramatiker Heiner Müller inspirierte diese Sagengestalt. In seiner Erzählung Herakles 2 oder Die Hydra beschreibt er den Gang Herakles’ durch den Wald auf der Suche nach dem mehrköpfigen Monster, um am Ende sich selbst zu finden – und sein Verhältnis zur Welt.

Mit: Moritz Bossmann, Michael Graessner, Sandra Hüller und Sandro Tajouri

Regie: Tom Schneider
Bühne und Kostüme: Michael Graessner
Musik: Moritz Bossmann, Sandra Hüller und Sandro Tajouri
Lichtdesign: Wolfgang Macher
Dramaturgie: Tobias Staab


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Ironisch-unterspielt
  · 20.03.21
Hier ein kleines Proben-Geplänkel mit den Musikern Moritz Bossmann, Michael Graessner und Sandro Tajouri über den richtigen Sound und die optimale Ausrichtung der Anlage, dort ein paar Reflexionen über Gott, die Welt, die Kunst, das Arbeitsethos bei Max Weber. War die Bühne anfangs völlig leer, so wird im Lauf der Inszenierung eifrig gewerkelt und geräumt, werden alte, schwere Möbel verschoben oder verrückt, Im nächsten Moment schlüpft Hüller in ein pinkes Kostüm und lässt ihre Müller-Rezitation pantomimisch von ihren männlichen Side-Kicks in clownesken Kostümen begleiten.

Tom Schneiders Inszenierung setzt darauf, die Erwartungen ironisch zu unterlaufen. Oft wird nur ganz beiläufig gesprochen, das schroffe Heiner Müller-Pathos wird bewusst unterspielt. Nach ihrer bejubelten „Bilder deiner großen Liebe“-Konzert-Version, die vom Zürcher Theater Neumarkt aus über die Festivals der deutschsprachigen Theaterszene tourte, ist diese zweite Zusammenarbeit von Schneider und Hüller eine skurril-versponnene Müller-Hommage.

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Niemand und nichts existiert allein
  · 27.11.19
''Das Geschehen wird beinahe dauerhaft von der anfangs erwähnten, sich steigernden akustischen Rückkopplungsschleife begleitet. Das Publikum wird bald Zeuge, wie die ganze, gerade noch aufgebaute Wohnungseinrichtung zusammenbricht. Schränke und Geräte fallen um, eine Windmaschine weht Rauch über die Darsteller hinweg. Alsbald liegt alles in Trümmern, so wie es bisher auch mit fast allen anderen Produkten menschlicher Arbeit geschehen ist. Und sollte etwas die Zerstörung überstanden haben, so ist es nun doch seines Kontextes beraubt.

Im dicht vorgetragenen Text wird deutlich, wie sehr die Menschen von ihrer Situation abhängen und wie relativ die Standpunkte sein können. Noch lange wirkt das wohl stärkste, von Hüller sanft vorgetragene Bild nach: Herakles geht in den Wald, wo sich die Hydra aufhalten sollte, um diese dort zu töten. Bereits auf dem Weg dorthin ist er im Zweifel, ob seine Beine schwer sind oder der Boden ihn ansaugt. Diese Loslösung vom üblichen Standpunkt wird im Wald immer mehr gesteigert. Am Ende ist der Wald selbst die Hydra und Herkules ein Teil des Ganzen.

In der antiken Sage werden die zwölf Arbeiten dem Herakles zur Sühne auferlegt, weil er in geistiger Umnachtung seine Kinder tötete. Bei Heiner Müller wird Herakles Tötung seiner Familie aber als dreizehnte Arbeit an den Schluss gesetzt. Hüller spricht diesen Teil mahnend gegen Ende der etwa 85-minütigen Vorführung auf der Vorbühne, sichtlich bewegt mit Tränen in den Augen. Ein szenisches Erlebnis.'' schreibt Ansgar Skoda am 25. November 2019 auf KULTURA-EXTRA
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