Liberté

Bewertung und Kritik zu

LIBERTÉ
von Albert Serra
Regie: Albert Serra
Premiere: 22. Februar 2018 
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Zum Inhalt: Anno 1774, kurz vor der Französischen Revolution. Irgendwo zwischen Potsdam und Berlin entkommt eine Gruppe französischer Libertins der neuen ultrakonservativen Regierung Ludwigs des XVI. Gemeinsam treffen sie sich mit dem legendären deutschen Freidenker und Verführer Duc de Walchen (Helmut Berger). In einem Land, das von einem bigotten Tugendregime beherrscht wird, haben die von der durchtriebenen Duchesse de Valselay (Ingrid Caven) geführten Expats eine Mission: die Libertinage nach Deutschland zu exportieren, eine Philosophie, die auf der Ablehnung moralischer Grenzen und Autoritäten beruht. Auf der Suche nach Partnern entdecken die Expats, dass diese verkommene Parklandschaft der Treffpunkt einer Gruppe dekadenter lokaler Libertines und freidenkender Höflinge Friedrich des Großen ist. Doch da die eigentümlichen Deutschen für einen derartig radikalen Trend noch nicht zu begeistern sind, entwickelt die ehrgeizige Herzogin de Valselay raffinierte Strategien zur besseren Vermarktung der Libertinage. Albert Serra inszeniert ein tableau vivant des alten Europa, in der neue Moden und moderne Wirtschaftspraktiken groteske Formen annehmen.

Mit: Ingrid Caven, Helmut Berger, Stefano Cassetti, Johanna Dumet, Ann Göbel, Leonie Jenning, Catalin Jugravu, Günther Möbius, Jeanette Spassova, Anne Tismer, Laurean Wagner

Regie: Albert Serra
Künstlerische Mitarbeit: Montse Triola
Bühne: Sebastian Vogler
Kostüme: Rosa Tharrats
Licht: Johannes Zotz
Video: Artur Tort, Ariadna Ribas, Xavier Pérez
Musik: Marc Verdaguer
Dramaturgie: Giulio Bursi, Alan Twitchell

TRAILER




 
Meinung der Presse zu „Liberté“

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz


FAZ
★☆☆☆☆

rbb
★☆☆☆☆

taz
★☆☆☆☆

nachtkritik
★☆☆☆☆


Berliner Zeitung
★★☆☆☆

Die Welt
★☆☆☆☆

Zitty
★☆☆☆☆

tip
★☆☆☆☆

DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Erschreckend dürftig
  · 23.02.18
''Ein Dramaturg hatte in der "Einführung" fürs Publikum vor der Premiere behauptet, man könne den Abend auch als Kommentar auf die #MeToo-Debatte lesen. Ein Statement gegen alle Tugendwächter also, ein Hoch auf die sexuelle Befreiung? Bei so viel Prüderie und verquasten Worten auf der Bühne? Oder doch eine Mahnung an die Moral – sonst folgt die Syphilis? Irgendwann wird einem auch das gleichgültig.

Ein erschreckend dürftiger (sowohl sprachlich als auch inhaltlich und inszenatorisch), nur kunstangestrengter Abend, der einen beinahe fassungslos darüber zurücklässt, was einem hier als große, internationale Theaterinnovation verkauft werden soll. Das Publikum reagierte unruhig, Zwischenrufe wurden laut, nicht wenige Zuschauer verließen vorzeitig den Saal. Am Ende klang es, als würden sich die Dercon-Befürworter und -Gegner einen Buh- und Bravo-Wettkampf liefern. Den entschieden die Gegner allerdings für sich.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Kinolegenden im Dämmerlicht
  · 04.03.18
Eine Kinolegende im Dämmerlicht: Trotz des sehr minimalistischen Plots funktionierte diese Rezeptur in Albert Serras Film „The Death of Louis XIV.“ einigermaßen. Das Dahinsiechen des Sonnenkönigs, verkörpert von der Nouvelle Vague-Ikone Jean-Pierre Léaud, und die ratlosen, um ihn herumwimmelnden Hofschranzen verströmten zwar die gewünschte düstere Atmosphäre, die ihren Reiz hatte. Auf die Dauer stellte sich aber schon bei diesem Kunstkino-Experiment, das 2016 in Cannes Premiere hatte und anschließend das „Around the World in 14 films“-Festival in der Kulturbrauerei eröffnete, gepflegte Langeweile ein.
Bereits dem Film war anzumerken, dass das Konzept einer Legende im Dämmerlicht eigentlich einer anderen Kunstform entstammte und nur mit Mühe für die Leinwand adaptiert werden konnte. Ursprünglich sollte der sterbende Sonnenkönig als performative Installation 15 Tage lang im Centre Pompidou zu erleben sein.
Dass Serras Konzept, mit Kinolegenden im Dämmerlicht bei minimalistischer Handlung eine starke Atmosphäre zu erzeugen, bei der Adaption fürs Theater nicht aufgeht, lag maßgeblich an einigen bewussten Entscheidungen: Neben den beiden Kinostars treten mit Anne Tismer (Ensemble-Mitglied der Volksbühne) und Jeanette Spassova, die während der Castorf-Ära festes Ensemble-Mitglied des Hauses war, zwei gestandene Theater-Schauspielerinnen und Laien aus verschiedenen europäischen Ländern. Dieser bunte Mix aus Stilen und Sprachen könnte interessant sein, gibt hier aber nur ein Sammelsurium. Die von Serra laut Programmzettel angestrebte Polyphonie der Muttersprachen, die ständig übertitelt werden müssen, wird fürs Publikum noch mehr zur Herausforderung, da Serra seine Spielerinnen und Spieler oft nur flüstern lässt. Was im Film wunderbar aufgehen kann, wird im Theater unfreiwillig komisch, wenn Senioren die Dialoge auf der Bühne durch laute Proteste und Nachfragen bei den Sitznachbarn übertönen.
Zum Scheitern dieses Experiments trug auch bei, dass das Thema von „Liberté“ zwar hochinteressant ist, aber die Dialoge zu banal geraten sind: Serra wollte sich dem Einsickern von freigeistigen Ideen aus dem vorrevolutionären Frankreich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts widmen. Der knapp 2,5stündige Theaterabend wirkt jedoch leb- und freudlos, wie die Rezensionen nach der Premiere zurecht herausarbeiteten.
Komplette Kritik auf Das Kulturblog
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Konspiration & Krinolinen
  · 23.02.18
''Geniale Idee: Französische Freiheitsverfechter, die mit ihrem Freiheitsdrängen auf Französisch nicht mehr weiter durften/konnten/wollten, tragen das von ihnen so Verfochtene als exportabeles Experiment in deutsche Lande - stellen allerdings dann fest, dass dort (wobei ja Preußen nicht gleich Deutschland, was es damals noch nicht gab, bedeuten sollte) eine "Nachfrage" nach Diesbezüglichem nicht/noch nicht existierte; daher reduzierten sie ihr Angepriesenes als reinen LUST-Exportschlager etc. pp. 

Die Dialoge, die der Serra sich da ausdachte, werden von dem vorzüglichen Ensemble (Profi's als wie Laien) in 'nem theoretisch-essayistisch anmutenden Grundton abgehalten; und trotz dass es scheinbar jede Menge Mikrofone zur Verstärkung dieser insgesamten Flüster-Orgie gibt, will sich die Tontechnik partout nicht auf hörbar-verstärkte Pegel einlassen, will sagen, dass das Meiste "unverständlich" blieb. Egal. 

Die Wirkungen (akustisch, bildlich, emotional) sind hochverblüffend!!! 

Liberté ist sicherlich der erste Groß-Coup von Chris Dercon, seit er nachvollziehbar ungeschickt wie "unglücklich" das VB-Erbe von Frank Castorf angetreten hatte - und obgleich die Klientel im Großen Haus natürlich und selbstredend eine völlig andere und völlig fremde ist.'' schreibt Andre Sokolowski am 23. Februar 2018 auf KULTURA-EXTRA
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