Bewertung und Kritik zu

WOMEN IN TROUBLE 
von Susanne Kennedy
Regie: Susanne Kennedy
Premiere: 30. November 2017 (Uraufführung)
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin

Zum Inhalt: Die Bühne dreht sich. Angelina Dreem Eins trägt eine Latex-Maske mit langen schwarzen Haaren. Sie sitzt auf einem Sofa in hoch-glänzender Reality-TV-Ästhetik und rekelt sich in Pose. Das Bühnendisplay dreht sich weiter. Set zwei zeigt Fitnessgeräte und Wellnessbereich, Angelina Dreem Zwei fährt in einen Tomografiescanner.
Angelina Dreems Leben ist eine Soap. Aber ihr Leben ist auch real. Angelina Dreem ist krank. Sie hat Krebs. Im Laufe des Stückes existieren immer neue Doppelgänger von ihr, die von einer Rabbit-Hole-Realität in die andere fallen. Älter werden, Frau sein, sie/man selbst bleiben, sich selbst dann doch wieder austreiben. Die Frage in Women in Trouble ist, ob es etwas zu lernen gibt. Kann das nächste Leben ein besseres Leben werden?

Mit: Suzan Boogaerdt, Marie Groothof, Niels Kuiters, Julie Solberg, Anna Maria Sturm, Bianca van der Schoot, Thomas Wodianka

Regie & Text: Susanne Kennedy
Bühne : Lena Newton
Kostüme: Lotte Goos
Licht: Rainer Casper
Video: Rodrik Biersteker
Sound Design: Richard Janssen




Bewertung und Theaterkritik Schreibe eine Kritik
2.7/5 Insgesamt 6 Bewertungen (3 mit Rezension)
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
3D-Computerwelt mit Live-Avataren
  · 03.12.17
''„Ich like America and America likes Me“, heißt es einmal beiläufige im Text. So lautet auch der Titel einer kapitalismus- und kolonialismuskritischen Kunstaktion von Joseph Beyus in einer New-Yorker Galerie, bei der sich der Künstler 1976 vier Tage lang zusammen mit einem Kojoten in einen Käfig einsperren ließ. Der Kojote stand hier vor allem als Symbol für den Schöpfungsmythos der nordamerikanischen Ureinwohner. Mehr muss man zum großen Irrtum dieser bemüht an Vorbildern klebendenden Volksbühneneröffnung nicht sagen. Und wenn die letzten Worte der Inszenierung „Zeige deine Wunde“ lauten, so ist das nicht nur ein Verweis auf den großen Meister der sozialen Plastik, der in diesem Werk seine biografischen Verwundungen thematisiert hat, sondern auch auf seine Nachfolger wie etwa Christoph Schlingensief, der hier wohl auch eine der Inspirationsquellen Kennedys zu sein scheint. Nur hat Schlingensief in seinen letzten Arbeiten dezidiert sich selbst mit seiner Krankheit in den Mittelpunkt ge- und extrem persönliche Empfindungen dazu ausgestellt. Susanne Kennedy zeigt nur ein ausdrucksloses und dazu noch sehr fremdelndes Abbild dessen.'' schreibt Stefan Bock auf KULTURA-EXTRA
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Das Ende des Individuums
  · 04.12.17
In der dystopischen Sci-Fiction Inszenierung >>Women in Trouble<< (UA 30. November 2017, Volksbühne Berlin) kreiert die Nachwuchsregisseurin Susanne Kennedy eine Text-Collage aus Vorträgen, Interviews sowie Blogs und verbindet diese mit einer extremen Künstlichkeit. Die Schauspieler*innen treten hier nicht als eigenständige Individuen mit einer persönlichen Geschichte auf. Sie sind maskiert, haben keine eigene Stimme und haben jegliche Individualität verloren. In >>Women in Trouble<< sind sie Avatare. Sie haben keine spürbaren Emotionen, ihre Worte kommen vom Band. Selten entstehen wirkliche Dialoge, die es möglich machen die zusammengesetzte Collage zufassen oder einen Plot zu erkennen. Hauptcharakter Angelina Dreems, die mehrmals in reproduzierter Form auf der Bühne steht, ist eine an Krebs erkrankte Schauspielerin, die von einer Szene in die nächste übertragen wird. Szenen wiederholen sich oder präsentieren neue Situationen, in denen die Avatare aufeinandertreffen. Da die Collage keine ganze in sich schlüssige Story bietet, bleib vieles fragmentarisch. Befinden wir uns in Angelina Dreems Traum? In einer virtuellen Realität oder in einer Dystopie, in der der Mensch nur noch ein plastisches Abbild eines Menschen ist? Das Bühnenbild von der Künstlerin Lena Newton unterstützt sehr gelungen und in eindrucksvoller Weise Kennedys artifizielle Ästhetik, in dem die konzipierte Drehbühne unterschiedliche Räume aufzeigt, wie beispielsweise Klinik, Fitnessraum, Rezeption, Schlaf- und Wohnzimmer, Badezimmer. Das Setting der Inszenierung erinnert stark an dystopische Sci-Fiction-Filme aus den 70iger Jahren.  Die dazugehörige Entfremdung der Schauspieler*innen von ihren Wesensmerkmalen unterstützt die Botschaft, dass das Individuum sich als an und für sich abschafft. Es existiert nicht mehr und wird zur reproduzierbaren Plastik ohne Geschichte. Weiterlesen
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Beipackzettel und Werbesprache
  · 02.12.17
''Eigentlich geht es an diesem Abend um Heilsversprechen. Um Menschen, die Erleichterung oder Erlösung suchen. Und dabei nur leere Versprechungen finden (...)
Heraus kommt ein beeindruckender Abend, der einen eigenen Sog entwickelt. Manches wäre verzichtbar gewesen, der theatertheoretische Überbau zum Beispiel oder ein Zitat von Christoph Schlingensief. Das ist wohl dem Versuch geschuldet, sich mit diesem Haus und seiner Tradition auseinanderzusetzen.
Aber bei aller Künstlichkeit stellt der Abend sehr menschliche Fragen. Und ist am Ende ein bildgewaltiges Requiem der Sinnsuche. Solche Inszenierungen an der Schnittstelle von Bildender Kunst und Theater könnten eine Stärke dieser neuen Volksbühne werden.'' schreibt Mounia Meiborg auf kulturradio.de
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3.4
Durchschnittsnote aller Stücke
5 28
4 53
3 41
2 24
1 10
Kritiken: 54
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